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ERWARTUNG/DER WALD
(Arnold Schönberg, Ethel Smyth)
Besuch am
7. April 2024
(Premiere)
Zwei Einakter des frühen 20. Jahrhunderts kombiniert die Wuppertaler Oper zu einem Theaterprojekt der besonderen Art. In Arnold Schönbergs Monodram Erwartung und der Oper Der Wald der britischen Komponistin Ethel Smyth dient der Topos des Waldes als Chiffre für das undurchdringliche und bedrohliche Dickicht der menschlichen Seele. Trotz der denkbar unterschiedlichen musikalischen Tonsprachen wirkt die Verknüpfung überzeugend.
Schönbergs halbstündiges Werk Erwartung aus dem Jahre 1924 nutzt Regisseur Manuel Schmitt als hoch expressiven Prolog zur folgenden Oper. In scharfen, frei tonalen Klängen kleidet Schönberg die Ängste und Hoffnungen einer anonymen Frau, die im Wald vergebens auf ihren Geliebten wartet. Eine atmosphärisch dichte Vorbereitung auf Ethel Smyths einstündigen Einakter Der Wald, der 1902 in Berlin uraufgeführt wurde. Auch wenn mehr Frauen Opern komponiert haben als immer noch wahrgenommen wird, gehörten Aufführungen ihrer Werke im männerdominierten Musiktheater zu den Ausnahmen. Musikalisch orientiert sich Smyth an romantischen Vorbildern. Anfänglich an den Märchenton, wie man ihn von Humperdinck & Co. kennt, der sich allerdings im weiteren Verlauf zu hochdramatischen Energieentladungen aufheizt, die man sonst von Wagners Tristan gewohnt ist. Entsprechend anspruchsvoll sind auch die Solopartien angelegt. Und damit vermag die Wuppertaler Oper so weit zu punkten, dass man dem Stück durchaus Repertoire-Chancen einräumen kann.

Die Handlung in Kürze: Der Holzfäller Heinrich und seine Braut Röschen bereiten sich auf ihre Heirat vor. Dafür erlegt Heinrich wildernd ein Reh, worauf die Todesstrafe steht. Das Vergehen fliegt auf, und die schillernd-bösartige Landesherrin Jolanthe, die ihren Geliebten, den Landgrafen Rudolf, um den Finger wickelt, verspricht Heinrich, sein Leben zu retten, wenn er sich ihr hingibt. Doch Heinrich bleibt standfest.
Es sind starke Auseinandersetzungen zwischen allen Beteiligten der Vierecks-Tragödie, die die Komponistin mit handwerklichem Können und viel Bühneninstinkt musikalisch umsetzt. Der 28-jährige Wuppertaler Generalmusikdirektor Patrick Hahn, der sich bisher nicht als sonderlich sensibler Freund differenzierter Zwischentöne hervorgehoben hat, lässt es nicht an energischem Zugriff missen. Nicht immer sängerfreundlich, was auch für Schönbergs zwar groß besetztes, aber dennoch eher filigran instrumentiertes Monodram gilt. Allerdings lässt sich die Sopranistin Hanna Larissa Naujoks davon nicht beeindrucken. Mit durchsetzungsstarker, leicht flackernder Stimme bewältigt sie den halbstündigen Kraftakt fast mühelos.
Auch die Schlüsselpartien der anschließenden Kurzoper erweisen sich als vortrefflich besetzt. Sowohl Sangmin Jeon in der Tenor-Rolle des Heinrich als auch Edith Grossmann als dämonische Jolanthe, Mariya Taniguchi als selbstbewusstes Röschen und Samueol Park als verzweifelt auftrumpfender Landgraf Rudolf.
Regisseur Manuel Schmitt verlagert die Handlung in eine verwaiste Hotelhalle mit einem Ausblick in eine dunkle, geheimnisvolle Waldlandschaft, aus der und in die die Figuren ein- und abtreten. Am Ende taucht die Frau aus der Erwartung wieder auf und sieht in dem todgeweihten Heinrich ihren ersehnten Geliebten. Eine ebenso raffinierte wie überzeugende Verknüpfung der Stücke. Ansonsten bietet Schmitt in der Ausstattung von Julia Katharina Berndt eine handwerklich solide Inszenierung.
Langanhaltender Beifall für einen interessanten und ungewöhnlichen Opernabend.
Pedro Obiera