O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Im Gestrüpp der menschlichen Seele

ERWARTUNG/​DER WALD
(Arnold Schönberg, Ethel Smyth)

Besuch am
7. April 2024
(Premiere)

 

Opernhaus Wuppertal

Zwei Einakter des frühen 20. Jahrhun­derts kombi­niert die Wupper­taler Oper zu einem Theater­projekt der beson­deren Art. In Arnold Schön­bergs Monodram Erwartung und der Oper Der Wald der briti­schen Kompo­nistin Ethel Smyth dient der Topos des Waldes als Chiffre für das undurch­dring­liche und bedroh­liche Dickicht der mensch­lichen Seele. Trotz der denkbar unter­schied­lichen musika­li­schen Tonsprachen wirkt die Verknüpfung überzeugend.

Schön­bergs halbstün­diges Werk Erwartung aus dem Jahre 1924 nutzt Regisseur Manuel Schmitt als hoch expres­siven Prolog zur folgenden Oper. In scharfen, frei tonalen Klängen kleidet Schönberg die Ängste und Hoffnungen einer anonymen Frau, die im Wald vergebens auf ihren Geliebten wartet. Eine atmosphä­risch dichte Vorbe­reitung auf Ethel Smyths einstün­digen Einakter Der Wald, der 1902 in Berlin urauf­ge­führt wurde. Auch wenn mehr Frauen Opern kompo­niert haben als immer noch wahrge­nommen wird, gehörten Auffüh­rungen ihrer Werke im männer­do­mi­nierten Musik­theater zu den Ausnahmen. Musika­lisch orien­tiert sich Smyth an roman­ti­schen Vorbildern. Anfänglich an den Märchenton, wie man ihn von Humper­dinck & Co. kennt, der sich aller­dings im weiteren Verlauf zu hochdra­ma­ti­schen Energie­ent­la­dungen aufheizt, die man sonst von Wagners Tristan gewohnt ist. Entspre­chend anspruchsvoll sind auch die Solopartien angelegt. Und damit vermag die Wupper­taler Oper so weit zu punkten, dass man dem Stück durchaus Reper­toire-Chancen einräumen kann.

Foto © Björn Hickmann

Die Handlung in Kürze: Der Holzfäller Heinrich und seine Braut Röschen bereiten sich auf ihre Heirat vor. Dafür erlegt Heinrich wildernd ein Reh, worauf die Todes­strafe steht. Das Vergehen fliegt auf, und die schil­lernd-bösartige Landes­herrin Jolanthe, die ihren Geliebten, den Landgrafen Rudolf, um den Finger wickelt, verspricht Heinrich, sein Leben zu retten, wenn er sich ihr hingibt. Doch Heinrich bleibt standfest.

Es sind starke Ausein­an­der­set­zungen zwischen allen Betei­ligten der Vierecks-Tragödie, die die Kompo­nistin mit handwerk­lichem Können und viel Bühnen­in­stinkt musika­lisch umsetzt. Der 28-jährige Wupper­taler General­mu­sik­di­rektor Patrick Hahn, der sich bisher nicht als sonderlich sensibler Freund diffe­ren­zierter Zwischentöne hervor­ge­hoben hat, lässt es nicht an energi­schem Zugriff missen. Nicht immer sänger­freundlich, was auch für Schön­bergs zwar groß besetztes, aber dennoch eher filigran instru­men­tiertes Monodram gilt. Aller­dings lässt sich die Sopra­nistin Hanna Larissa Naujoks davon nicht beein­drucken. Mit durch­set­zungs­starker, leicht flackernder Stimme bewältigt sie den halbstün­digen Kraftakt fast mühelos.

Auch die Schlüs­sel­partien der anschlie­ßenden Kurzoper erweisen sich als vortrefflich besetzt. Sowohl Sangmin Jeon in der Tenor-Rolle des Heinrich als auch Edith Grossmann als dämonische Jolanthe, Mariya Taniguchi als selbst­be­wusstes Röschen und Samueol Park als verzweifelt auftrump­fender Landgraf Rudolf.

Regisseur Manuel Schmitt verlagert die Handlung in eine verwaiste Hotel­halle mit einem Ausblick in eine dunkle, geheim­nis­volle Waldland­schaft, aus der und in die die Figuren ein- und abtreten. Am Ende taucht die Frau aus der Erwartung wieder auf und sieht in dem todge­weihten Heinrich ihren ersehnten Geliebten. Eine ebenso raffi­nierte wie überzeu­gende Verknüpfung der Stücke. Ansonsten bietet Schmitt in der Ausstattung von Julia Katharina Berndt eine handwerklich solide Inszenierung.

Langan­hal­tender Beifall für einen inter­es­santen und ungewöhn­lichen Opernabend.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: