O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Opern-Ragout in 135 Minuten

EUROPERAS 1 & 2
(John Cage)

Besuch am
2. Februar 2019
(Premiere)

 

Opernhaus Wuppertal

Auch wenn sie schon über 30 Jahre auf dem Buckel haben: John Cages Europeras gehören nach wie vor zu den radikalsten Beiträgen des zeitge­nös­si­schen Musik­theaters. Das gilt vor allem für die ersten beiden Komplexe des fünftei­ligen Zyklus‘, die in ihrer Kompro­miss­lo­sigkeit und ihrem immensen Aufwand mittlere Opern­häuser an die Grenzen ihrer Möglich­keiten führen. Häuser, die nicht über Mittel wie die Frank­furter Oper verfügen, die das Werk 1989 zur Urauf­führung brachte, oder die Ruhrtri­ennale, die es vor sechs Jahren in einer gigan­ti­schen Insze­nierung von Heiner Goebbels in der Bochumer Jahrhun­dert­halle stemmte. Bereits unter diesem Aspekt verdient die Wupper­taler Oper mit ihrer Neuin­sze­nierung von Cages Europeras 1 & 2 vollen Respekt. Erst recht, wenn man sich mit Daniel Wetzel und dem innova­tiven Regie-Team des Rimini Proto­kolls gewagten szeni­schen Lösungen öffnet.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Der begeis­terte Beifall des Wupper­taler Premie­ren­pu­blikums zeugt von einer beacht­lichen Aufge­schlos­senheit gegenüber Cages Ästhetik, auch wenn Rimini Protokoll die Radika­lität des Werks durch clowneske Spiele­reien strecken­weise entschärft. Gleichwohl wird deutlich, dass sich Cages „Negation der Oper“ als eine Vivisektion der Oper bei vollem Bewusstsein entpuppt. Nichts war Cage so zuwider wie einge­stanzte, verkrustete und routi­nierte Struk­turen, die die Geschichte der Oper und den Alltag unseres Kultur­be­triebs prägen. Cage stellt damit nicht nur Wagners Vision vom „Gesamt­kunstwerk“ auf den Kopf und seziert im ersten Teil eine Auswahl aus 200 mehr oder weniger bekannten Opern mit einem scharfen Skalpell, trennt Gesang, Orches­ter­stimmen, Bühnenbild, Bewegung, Kostüm und Licht minutiös wie ein künst­le­ri­scher Pathologe vonein­ander und setzt das alles in neue, bewusst unlogische Bezie­hungen, oft simultan und damit nur begrenzt nachvollziehbar.

Die Auswahl vieler Fragmente lässt Cage mit Zufalls­ope­ra­tionen aus buddhis­ti­schen I‑Ging-Orakeln vornehmen, so dass die Positionen der zehn Sänger auf den 64 Spiel­feldern der Bühne mit ihren vielfältig kombi­nierten Montagen und Collagen nicht ausschließlich der Entscheidung des Regis­seurs überlassen bleiben. Für die 26 Szenen des ersten Teils greift Ausstat­terin Katrin Wittig tief in den Kostüm‑, Requi­siten- und Bühnen­bild­fundus des Theaters und zaubert eine bizarre Mixtur aus theatra­li­schen Elementen, die in ihrer Buntsche­ckigkeit jeden Ansatz zu einer geschlos­senen drama­tur­gi­schen Struktur unterbinden.

Foto © Jens Großmann

Lässt sich der 90-minütige erste Teil in seiner recht klaren szeni­schen Gliederung zumindest formal noch einiger­maßen gut erfassen, so wirkt der halb so lange zweite Teil wie eine auf engsten Raum kompri­mierte Verdichtung des ersten Blocks. Hier prallt pausenlos und simultan ein ganzes Arsenal an Orchester- und Singstimmen auf den Zuschauer ein, was eine Identi­fi­zierung der Arien fast völlig verhindert. In Wuppertal eröffnet man den Abend mit diesem überrum­pelnden Auftakt, bei dem die Regie den Schwer­punkt auf den europäi­schen Akzent des Stücks legt. Zu sehen ist eine in 16 Sektoren geteilte Videowand, auf der simultan Sänger und Alltags­szenen aus neun Ländern mit Bildern der europäi­schen Kultur­ge­schichte verknüpft werden. Die Arien wurden in den Geburts­ländern der Sänger aufge­nommen, in Alltags­kleidung und entspre­chender Umgebung, wodurch dieser Teil an theatra­li­scher Wirkung verliert und in seiner techni­schen und klang­lichen Überfrachtung erheblich radikaler und verstö­render wirkt als Europeras 2. Gleichwohl haben nur wenige Zuschauer das Haus in der Pause verlassen.

Dass sich die politische Akzen­tu­ierung des ersten Teils und der spiele­rische Umgang mit Europeras 2 in ihrer Wider­sprüch­lichkeit einer konzep­tio­nellen Geschlos­senheit entziehen, passt durchaus zur zersplit­terten und jeder gängigen Logik auswei­chenden Struktur des Werks. Damit leistet Wuppertal nicht nur einen mutigen Beitrag zum zeitge­nös­si­schen Musik­theater, sondern ist auf dem besten Weg zu einer stabilen Ensem­b­le­pflege. Denn die 18 Sänger, die ihre Arien inmitten klang­licher Tumulte bomben­sicher vortragen, leisten gerade im Team Überra­gendes. Nicht nur Lucia Lucas, die mit ihrer einzig­ar­tigen Bariton­stimme als Don Giovanni und Wotan für einen besonders exoti­schen Akzent sorgt. Nicht minder engagiert setzt sich das von Johannes Pell geleitete Wupper­taler Sinfo­nie­or­chester für das komplexe Werk ein.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: