O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
FRANK PETER ZIMMERMANN & BAMBERGER SYMPHONIKER
(Ottorino Respighi, Anton Bruckner)
Besuch am
8. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)
Es ist lange her, dass die Konzertdirektion Wylach mit ihren Meisterkonzerten in Wuppertal durchweg für einen ausverkauften Großen Saal der Historischen Stadthalle sorgte. Denn Weltklasseorchester gaben sich hier die Klinke in die Hand. Danach gab es solche Veranstaltungen etwa mit den Berlinern nicht mehr. Ab und an kommen mittlerweile im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr namhafte Klangkörper wieder auf den Johannisberg. Auch die Kulturabteilung der Bayer-Werke engagiert im Rahmen ihres alljährlich im Frühjahr stattfindenden Start-Festivals exquisite Orchester.
Dieses Mal sind es die Bamberger Symphoniker, die für einen erstklassigen Abend sorgen. Notenmaterial von zwei gehaltvollen Werken liegt auf ihren Pulten. Zum einen ist es Ottorino Respighis drittes und letztes Violinkonzert, das auf den Namen Concerto Gregoriano getauft wurde. Die römische Trilogie, bestehend aus Fontane di Roma, Pini di Roma und Feste Romane, des italienischen Komponisten ist zwar populär. Doch der Rest seines umfangreichen Oeuvres ist wohl eher in Fachkreisen geläufig, so auch das heutige Konzert. Sehr selten steht es auf Konzertprogrammen. Wer sich aber intensiv mit der Partitur beschäftigt, kann eigentlich nur den Kopf schütteln angesichts der stiefmütterlichen Behandlung dieses Opus aus dem Jahr 1921. Ganz fein sind nämlich die drei Sätze – mit den Vorschriftsbezeichnungen Andante tranquillo – Allegro molto moderato – Tempo I – Cadenza/(attacca:)/Andante espressivo e sostenuto/Finale (Alleluja). Allegro energico – durchgearbeitet. Er ließ sich von seiner Frau, der Sängerin Elsa, für die Gregorianik begeistern. Diese Kunst fließt seit 1920 in seine Kompositionen mit ein. So zitiert er im Binnensatz des Werks die Ostersequenz Victimae paschali des mittelalterlichen Dichters Wipo und variiert im Finale den Antiphon Salve Regina. Neben impressionistischen Klängen verwendete er auch modale Kirchentonarten.
Kein geringerer als der Geiger Frank Peter Zimmermann gesellt sich bei der Aufführung des inhaltsreichen Stücks hinzu, der vorzüglich mit den Bambergern harmoniert. Mit Bedacht, nahezu unaufdringlich, gestaltet er seinen teils hochvirtuosen Part und spielt sich nur dann in den Vordergrund, wenn es aus dem Notentext eindeutig hervorgeht. Vielmehr interagiert er vortrefflich mit dem ausgewogen-durchsichtigen Orchesterklang, um so mit den Kollegen den herben, schlichten wie archaischen Charakter des wie eine Rhapsodie angelegten Stücks mustergültig zum Ausdruck zu bringen. Außerdem legt er viel Wert auf eine klare, reine Tongebung und entlockt seiner Stradivari gerade in den hohen Registern traumhaft schön-singende musikalische Linien.

Zimmermann lässt sich ob des frenetischen Beifalls nicht zweimal bitten und setzt hinsichtlich Geigentechnik mit einer hochgradig schweren Zugabe sogar noch eins drauf. Er spielt er aus der Feder von Heinrich Wilhelm Ernst die Grand Caprice Der Erlkönig opus 26 nach der Ballade von Franz Schubert. Es ist das berühmteste Werk des österreichischen Komponisten und Geigers, der von 1814 bis 1865 lebte. Das Bravourstück verlangt sämtliche hochgradig schweren Geigentechniken seiner Zeit, die Zimmermann wie spielerisch leicht zur Geltung bringt, abgesehen von in dem Fall verzeihlichen kleinen Unsauberkeiten. Doch damit nicht genug. Mit Johann Sebastian Bachs Sarabande aus der ersten Partita für Violine solo in h‑Moll BWV 1002 lässt er schließlich seinen grandiosen Auftritt traumhaft schön betulich ausklingen.
Hier wie auch bei Anton Bruckners 1. Sinfonie präsentiert sich Andrew Manze als ein in allen Belangen hochmusikalischer und zuverlässiger Dirigent. Bis letztes Jahr Leiter der NDR-Radiophilharmonie Hannover und regelmäßig bei weltbekannten Orchestern zu Gast, sorgt er für einen stets äußerst durchhörbaren Gesamtklang. Selbst kleinste Nuancen werden deutlich zu Gehör gebracht. Außerdem wird der große vielschichtige emotionale Gehalt dieses c‑Moll-Werks dank Formung von großen musikalischen Spannungsbögen packend vermittelt. Wie aus einem Guss kommt das groß angelegte, fast einstündige Opus in der Wiener Fassung von der Bühne, wobei die Bamberger mit einer Harmonie erster Güte faszinieren.
Wie nach der Respighi-Aufführung gibt es auch nach dieser Vorstellung verdiente, nicht enden wollende, frenetische, stehende Ovationen. Sie ebben erst ab, als die Symphoniker sich gegenseitig verabschiedend die Bühne verlassen.
Hartmut Sassenhausen