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Die seit über 120 Jahren ungebrochene Beliebtheit von Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel bei Alt und Jung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Regisseure heute zunehmend schwer damit tun, die Zielgruppe des Kassenknüllers richtig einzuschätzen. Auch wenn sich der enge Vertraute Richard Wagners das Werk als „Puppenstubenweihfestival“ vorstellte und vor allem den Kindern eine Freude bereiten wollte, passen Darstellungen als zuckersüßes Weihnachtsmärchen nicht in die heutige Regielandschaft.
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Mit diesem Problem hat sich jeder Regisseur auseinanderzusetzen. Auch der in Tunesien geborene, in Deutschland noch relativ selten hervorgetretene Wahl-Berliner Denis Krief am Wuppertaler Opernhaus. Knusperhäuschen, Besenritt, funkelnde Sterne und einen effektvoll explodierenden Backofen sucht man vergebens. Ein paar Projektionen von Spezereien aus der Supermarkttheke müssen für den Hexenzauber ausreichen, so dass der letzte Akt recht ernüchternd wirkt. Das können die darstellerischen Leistungen des stimmlich recht klein dimensionierten Tenors Mark-Bowman-Hester trotz wilder Perücke und bedrohlich langer Fingernägel kaum ausgleichen.
Gerade der besonders märchenhafte Schlussakt wird dadurch mit einem Realismus beladen, den das Stück nicht verträgt. Dafür hält sich Krief im ersten Akt, in dem die Armut der Besenbinderfamilie im Mittelpunkt steht, zurück und beschränkt sich in der zwar kärglich ausgestatteten, aber weiträumig und recht gemütlich angelegten Hütte auf eine recht harmlose Darstellung des Familienlebens.

Die Unentschlossenheit zwischen kindgerechter Milderung und drastischem Realismus führt in Wuppertal, und nicht nur dort, zu einem uneinheitlichen Gesamteindruck, den Krief durch seine von ihm selbst kreierten Bühnenbilder mit ihren teilweise eindrucksvollen Projektionen verstärkt. Bilder unheimlicher Waldszenarien, die mitunter noch bedrohlicher wirken als die Auftritte der Knusperhexe.
Die stilistische Gratwanderung zwischen Kinder- und Erwachsenentheater betrifft auch die musikalische Umsetzung. Den beliebten schlichten Kinderliedern setzt Humperdinck mächtig „wagnernde“ symphonische Gemälde gegenüber, die auch in den Werken seines Idols Richard Wagner Platz finden könnten. Die neue Musikchefin des Wuppertaler Opernhauses, Julia Jones, betont mit viel Klangsinn und Energie die grandiosen, farbig schillernden Klangbilder, wobei die klangliche Balance zwischen Orchester und Sänger mitunter aus dem Gleichgewicht gerät. Das wirkt sich nachteilig auf die Textverständlichkeit aus und überfordert kleinere, aber pointiert artikulierende Stimmen wie die der Wuppertaler Knusperhexe. Übertitel sollten allmählich auch für alle deutschsprachigen Aufführungen selbstverständlich sein.
An stimmlichem Durchsetzungsvermögen fehlt es dem Rest des Ensembles freilich nicht. Herausragend Catriona Morison, die den Hänsel kultiviert und klangschön wie einen verarmten Octavian singt, gefolgt von Ralitsa Ralinova als spielfreudige Gretel mit ihrem hell leuchtenden, in den Höhen freilich etwas scharfen Sopran. Makellos präsentiert sich das Elternpaar mit Alejandro Marco-Buhrmester und Belinda Williams. Nina Koufochristou ergänzt mit ihrer besonders jugendlich wirkenden Stimme als Tau- und Sandmännchen das Ensemble. Ein besonderes Lob verdient der engagierte Auftritt des Kinderchors der Wuppertaler Bühnen.
Viel Beifall für eine unentschlossene, gleichwohl kurzweilige Neuinszenierung des Weihnachtsklassikers.
Pedro Obiera