O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Beeindruckender Brahms

HEIMWEH
(John Wineglass, Wolfgang Amadeus Mozart, Johannes Brahms)

Besuch am
14. November 2022
(Wieder­holung des Konzerts vom 13. November 2022)

 

Sinfo­nie­or­chester Wuppertal, Histo­rische Stadt­halle Wuppertal

Warum halten es viele Veran­stalter für zwingend notwendig, ihre Konzert­pro­gramme mit Titeln zu versehen, auch dann, wenn die aufge­führten Werke hinsichtlich Aussage und Inhalt auf keinen gemein­samen Nenner zu bringen sind? Ein Beispiel ist das dritte Wupper­taler Sinfo­nie­konzert im gut besuchten Großen Saal der Histo­ri­schen Stadt­halle, das mit Heimweh überschrieben ist. Laut Duden bedeutet das Wort: „große Sehnsucht nach der fernen Heimat oder einem dort wohnenden Menschen, bei dem man sich geborgen fühlte“. Nur ist bei genauer Betrachtung der drei aufge­führten Stücke davon nichts auffindbar. Im vorlie­genden Fall hätte es eigent­liche keines Wortes bedurft außer eventuell einfach die Nennung des Namens Carl St. Clair. Denn seit seinem ersten Gastspiel vor rund 20 Jahren ist der US-ameri­ka­nische Dirigent beliebt in der Stadt. Wie in der Vergan­genheit sorgt er auch dieses Mal für ein ausge­zeich­netes Konzert.

Carl St. Clair – Foto © O‑Ton

Ein brand­ak­tu­elles Werk für Perkussion, Harfe und Streicher hat St. Clair aus den Verei­nigten Staaten mitge­bracht, in dem die dort immer noch in Gewalt ausar­tenden Rassen­un­ruhen und die Corona-Pandemie musika­lisch verar­beitet sind. Auf den Namen Alone Together, also „allein zusammen“, taufte es John Wineglass und widmete es allen, die an den Folgen von Covid 19 starben. Vier Orchester – Fresno Philhar­monic, Monterey Symphony, Pacific Symphony, San José Chamber Orchestra –  hatten es in Auftrag gegeben. Aus der Taufe hob es die Pacific Symphony unter ihrem Musik­di­rektor St. Clair letztes Jahr am 25. Mai. Es besteht aus zwei nahtlos inein­ander überge­henden, unter­schied­lichen Abschnitten: Strange Pandemic Times und A Ray of Hope, auf Deutsch „Seltsame Pande­mie­zeiten“ und „Ein Strahl der Hoffnung“. Nach einfüh­renden Worten St. Clairs, darunter Zitate des Kompo­nisten über die oben erwähnten Beweg­gründe, führt das Sinfo­nie­or­chester Wuppertal unter St. Clairs präzisen Vorgaben dieses etwas mehr als zehnmi­nütige Opus packend und sehr nuanciert auf. Die changie­renden, keinem Grundton zuzuord­nenden tonalen wie atonalen Struk­turen, das Wechsel­spiel der drei Orches­ter­gruppen, die wie aufge­wühlt wirkenden musika­li­schen Schwe­be­zu­stände im ersten Teil werden anschaulich und packend vermittelt. Dass Wineglass in erster Linie als Film- und Fernseh­kom­ponist Musik schreibt, ist anschließend nicht von der Hand zu weisen. Die Hoffnung evozie­renden, positiv nach vorne schau­enden schönen Melodien, sehr emotional und geschmackvoll zu Gehör gebracht, gemahnen an viele Happy Ends von jenseits des Großen Teichs produ­zierten Zelluloidstreifen.

Catarina Laske-Trier – Foto © O‑Ton

Anschließend kann man sich davon überzeugen, dass zwei Mitglieder des städti­schen Orchesters hervor­ra­gende Solisten sind: Solo-Flötistin Catarina Laske-Trier und Harfe­nistin Manuela Randlinger-Bilz. Munter, agil und mit viel Spielwitz gestalten sie Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester in C‑Dur, KV 299. So bringen sie diese beschwingte, elegante Gesell­schafts­musik mit ihren eingän­gigen Melodien sehr nuanciert und unter­haltsam von der Bühne. Blindes Verständnis fürein­ander ist gerade bei den Kadenzen offenbar. Hier wird deutlich, dass sie schon lange kammer­mu­si­ka­lisch als Duo d’Or unterwegs, also bestens aufein­ander einge­spielt sind. Unter St. Clairs mitat­mendem Dirigat begleiten die städti­schen Sinfo­niker das Duo mit sensiblen Dynamiken und feinen Phrasie­rungen. Für den frene­ti­schen Beifall bedanken sich Laske-Trier und Randlinger-Bilz mit einer perfekt vorge­tra­genen kleinen Zugabe: Café 1930 aus Histoire du Tango, eine der berühm­testen Kompo­si­tionen Astor Piazollas aus dem Jahr 1985.

Von der ersten bis zur letzten Note spannt St. Clair einen großen musika­li­schen Spannungs­bogen über die vierte Sinfonie in e‑Moll, op. 98 von Johannes Brahms. Bestimmend, prägnant, jederzeit diffe­ren­ziert durch­hörbar selbst im Fortissimo ist die Tongebung. Im Vorder­grund steht eine nachdrück­liche, ganz direkte Sprache. Diese Haltung macht durchaus Sinn, da so neben den der Sieglo­sigkeit nach mehr als 40-minütigen Kämpfen die barocken kompo­si­to­ri­schen Bezüge leicht nachvoll­zogen werden können. Mächtig-dominant entwi­ckelt sich die trotzige kämpfe­rische Haltung im ersten Satz. Dann überwiegen schnör­kellos Wehmut, Mahnung, Resignation. Die sich anschlie­ßende Heiterkeit verliert unnach­giebig ihre Selbst­stän­digkeit hin zum grimmigen Humor. Musika­lisch wie in Stein wird die finale Chaconne mit ihren 31 Varia­tionen gemeißelt, die schließlich zur glasklar darge­stellten Erinnerung an das Ende des Einlei­tungs­satzes als unerbitt­lichem Abschluss führt.

Die nicht enden wollenden stehenden Ovationen sind der verdiente Dank für diese in den Bann ziehende Inter­pre­tation. Sie ebben erst dann ab, als St. Clair endgültig mit seinem Blumen­strauß zum Abschied winkt.

Hartmut Sassen­hausen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: