O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Peter Wieler

Virtuosität kontra musikalische Reinheit

IGOR LEVIT
(Diverse Komponisten)

Besuch am
8. Juli 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Klavier-Festival Ruhr, Histo­rische Stadt­halle Wuppertal

Igor Levit ist landauf landab in aller Munde. Als politi­scher Aktivist sorgt er für viel Gesprächs­stoff, dessen Auftritte in dieser Sache viele Pros und Kontras nach sich ziehen. Nun beehrt er als Pianist Wuppertals Histo­rische Stadt­halle mit einem Programm aus der Zeit der Romantik. Auch an diesem Abend gibt es bei den Besuchern im ausver­kauften Großen Saal ein Für und Wider: Dieses Mal geht es jedoch um seine musika­lische Haltung.

Zu Recht ist man voll des Lobs ob seiner klavier­tech­ni­schen Brillanz und nuancierten Anschlags­kultur. Erstklassig versteht er es, selbst vertrackte kompo­si­to­rische Struk­turen glasklar, diffe­ren­ziert und allge­mein­ver­ständlich dem Konzert­flügel zu entlocken. Etwa gestaltet er Mehr langsam, oft zurück­haltend – die erste Nummer aus dem viertei­ligen Opus 23 mit dem Titel Nacht­stücke aus der Feder von Robert Schumann – sehr feingliedrig. Auch andere Passagen, überwiegend die langsamen Abschnitte, bei Schumann und Frédéric Chopins dritter und letzter Klavier­sonate in h‑Moll opus 58 bringt er deutlich durch­struk­tu­riert zu Gehör. Außerdem bleiben hinsichtlich seines hochvir­tuosen Vermögens kaum Wünsch offen. Perlende Läufe bei Chopins Scherzo beein­drucken ebenso wie rasend schnell genommene Tonfolgen im dritten Satz der letzten Klavier­sonate in B‑Dur, D 960, von Franz Schubert. Des Weiteren faszi­niert technisch das staunen­er­regend schnell gespielte dritte Stück mit der Überschrift mit großer Lebhaf­tigkeit Schumanns. Deswegen fallen nicht mehr als an eine Handvoll Stellen, bei denen Ton- oder Akkord­kas­kaden nicht ganz sauber von der Bühne kommen, nicht sonderlich ins Gewicht. Doch hinsichtlich der reich­hal­tigen Emotionen, die die drei Kompo­nisten in ihren Werken verar­beitet haben, bleiben Fragen offen.

Musikfans und ‑kenner, die mit dem Oeuvre Franz Schuberts vertraut sind, werden sich wohl gewundert haben, wie er seine Sonate und als Zugabe sein drittes Impropmptu in Ges-Dur aus dem viertei­ligen Opus 90 mit dem Deutsch-Verzeichnis 899 inter­pre­tiert. Denn es ist nicht von der Hand zu weisen, dass er hier statt dieser Gefühle seine eigenen Empfin­dungen in den Vorder­grund stellt.

Foto © Peter Wieler

Der weit gespannten Form des Kopfsatzes mit seinem epischen Grund­cha­rakter des Haupt- und elegi­schen Seiten­themas mangelt es an einem großen Spannungs­bogen von der ersten bis zur letzten Note. Auch die dreiteilige Liedform des sich anschlie­ßenden Andantes mit seinem außer­or­dent­lichen Tiefgang hätte besser zum Ausdruck gebracht werden können. Statt­dessen legt er die beiden Abschnitte derart dunkel-nebulös, strecken­weise so äußerst leise an, als käme die Musik aus einer anderen Welt. Nicht im von Schubert vorge­schrie­benen Allegro vivace kommt das Scherzo daher. Vielmehr wird der Turbo aktiviert und so anständig auf das Gaspedal gedrückt, dass die gleiche, mit Presto bezeichnete Geschwin­digkeit des Final­satzes auf dem Tacho abzulesen ist. Beim Impromptu lässt er zwar traumhaft schön den ruhig-dahin­flie­ßenden Gesang und die sensibel zurück­ge­nommene Begleitung in der Mittellage erklingen. Doch der Bass setzt nicht nur bei den Trillern und den Achtel­be­we­gungen einen Kontra­punkt. Auch die lang-gehal­tenen Töne gehören dazu und könnten wesentlich prägnanter hervor­ge­hoben werden.

Bei Chopins Sonate wird im Eingangssatz der marsch­ähn­liche Charakter des Haupt­themas nicht anschaulich genug heraus­ge­stellt, da der Auftakt zu belanglos erklingt und es somit ein wenig an Prägnanz mangelt. Das innige Empfinden des Trios im Scherzo hat einen etwas süßlichen Beigeschmack. Der entspannte Mittelteil des darauf­fol­genden Largo mit seinem von Achtel­wellen umspülten Gesang könnte spannungs­voller zu Ohren kommen. Das Finale kommt zwar angemessen fest zupackend daher. Doch die Virtuo­sität dominiert vor einer Nacht­zeichnung der musika­li­schen Linien.

Der musika­lische Gehalt der Schumann­schen Nacht­stücke wird noch am plausi­belsten inter­pre­tiert. Einige lyrische Momente wirken zwar ein wenig zu sachlich vorge­tragen, andere Teile etwas suchend-grüble­risch. Trotzdem kann man an der ihnen innewoh­nenden düster-traurigen Stimmung Anteil nehmen.

Das Publikum jubelt stehend vor der erwähnten Zugabe und danach wie nach Events von Rock- und Popstars. Manche applau­dieren sogar nach jedem Satz der drei Werknummern. Andere verlassen gedan­ken­ver­sunken den Ort des Geschehens.

Hartmut Sassen­hausen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: