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Foto © privat

Buniatishvili spielt Buniatishvili

KHATIA BUNIATISHVILI
(Diverse Komponisten)

Besuch am
9. Juni 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Klavier-Festival Ruhr, Histo­rische Stadt­halle Wuppertal

Der Name Khatia Bunia­tishvili ist nicht nur in der Klassik-Szene allseits bekannt, wird sie doch weltweit oft in Hochglanz­blättern jedweder Couleur schick abgebildet. Genauso erscheint sie auch im körper­be­tonten langen Kleid auf der Bühne im voll besetzten Großen Saal der Histo­ri­schen Stadt­halle in Wuppertal. Nach tosendem Begrü­ßungs­ap­plaus setzt sie sich an den großen Konzert­flügel und präsen­tiert ein Rezital ohne Pause mit Werken, die durchaus zur populären Klavier­li­te­ratur zu zählen sind. Um es gleich vorweg­zu­nehmen: Einer großer Teil des Publikums feiert die Pianisten-Diva im Verlauf der rund 90 Minuten mit frene­ti­schem Beifall, der in nicht enden wollende stehende Ovationen und zwei Zugaben mündet. Viele der anderen Klavierfans schütteln hingegen ärgerlich den Kopf, ziehen empört von dannen.

Getrost können ihre Inter­pre­ta­tionen der auf dem Programm stehenden Werke über einen Kamm geschert werden. Es sind Franz Liszts Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in a‑Moll BWV 543, die Klavier­so­naten Der Sturm und Appas­sionata Ludwig van Beethovens, die durchweg von jungen Klavier­schülern gespielte C‑Dur-Sonate mit der Köchel­ver­zeichnis-Nummer 545 und Liszts sechste Ungarische Rhapsodie. Als Zugaben präsen­tiert sie Johann Sebastian Bachs Adagio aus dem Konzert in d‑Moll BWV 974 nach dem Oboen­konzert des italie­ni­schen Barock­kom­po­nisten Alessandro Marcello und Liszts zweite Ungarische Rhapsodie.

Foto © privat

Sie legt nämlich keinen Wert darauf, die Stücke getreu der im Notentext stehenden Vorgaben wie Tempi, Dynamiken und Phrasie­rungen vorzu­stellen. Außerdem vernach­lässigt sie komplett die den Musik­epochen entspre­chenden Tonge­bungen. Barock klingt nicht wie Barock, Klassik nicht wie Klassik und Romantik nicht wie Romantik. Alles klingt gleich. An diesem Abend scheint sie sich stark mit dem rechten Klavier­pedal angefreundet zu haben. Denn sie verwendet es durchweg extrem. So hören sich schnelle Läufe nicht wie glasklar perlend, sondern wie Glissandi an. Akkord­kas­kaden im Forte donnern vor sich hin. Haupt­stimmen und deren Begleitung sind kaum vonein­ander unter­scheidbar. Musika­lische Linien oder eine Gestaltung der Spannungs­bögen sind so gut wie nicht wahrnehmbar. Lautstärken nimmt sie extrem. Etwa kommen die Pianostellen derart leise von der Bühne, wie dahin­ge­haucht, dass nicht alle Töne wahrnehmbar sind bezie­hungs­weise ihr Tasten­druck zu verhalten ist, um sie zu erzeugen. Die mit Allegro bezeich­neten Stellen spielt sie im Prestissimo, will heißen rasend schnell. So verschwimmen Tonfolgen wie musika­lische Struk­turen. Von musika­li­schem Tiefgang und Darstellung des vielfäl­tigen Gehalts im Sinne der Kompo­nisten kann also keine Rede sein. Würden sich die Urheber dieser, gerade Beethoven betref­fenden, gehalt­vollen Tonschöp­fungen im Grabe herum­drehen, bekämen sie diese Vorstellung mit? Kurzum: Alles ist glattgebügelt.

Man kann Bunia­tishvili durchaus zugute­halten, dass sie anhand dieses Programms musika­lisch etwas vermitteln möchte. Sind es ihre eigenen hochsen­siblen, intro­ver­tierten wie auch heftig ausbre­chenden großen Emotionen, die sie dem Tasten­in­strument entlockt? Spielt sie also sich selbst? Jeden­falls lassen ihre Klang­er­zeu­gungen solch eine Haltung vermuten. Und die vorge­stellten sehr bekannten Klassiker dienen als reine Vorlage.

Fazit: Bunia­tishvili polari­siert extrem an diesem Abend. Die einen jubeln wohl ob Bunia­tish­vilis zweifellos hoher Virtuo­sität. Die anderen, die auf ernst zu nehmende Werktreue Wert legen, raufen sich fassungslos die Haare. Besucher, die einst als Teenager die Mozart-Sonate spielten, erkennen sie nicht wieder und geben sich ziemlich verärgert. Das Opus, zuerst als „kleine Sonate für Anfänger“ bezeichnet und später in der Erstausgabe anno 1805 auf den Namen Sonate facile getauft, kommt nämlich wie eine im Geschwind­marsch vorge­tragene Etüde daher.

Hartmut Sassen­hausen

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