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Wenn Kinder aus Athen über das Mittelmeer geschifft werden, um dem monströsen Minotaurus im kretischen Labyrinth zum Fraß vorgeworfen zu werden, graust es uns angesichts solcher Horrorgeschichten aus barbarischen Zeiten. Aber sind die Mythen soviel grausamer als der heutige Alltag, wenn ertrinkende Flüchtlingskinder teilnahmslos in Kauf genommen werden und Helfer kriminalisiert werden?
Die Verknüpfung antiker Mythen mit aktuellen Verbrechen an der Menschlichkeit gelingt selten so unverkrampft und überzeugend wie in Jonathan Doves Oper Das Labyrinth, die jetzt als „Community-Oper“ mit überwältigendem Erfolg den Premierenreigen des Wuppertaler Opernhauses abschloss. Vor vier Jahren in Aix-en-Provence unter Leitung von Simon Rattle uraufgeführt, hat das einstündige Werk seine Tauglichkeit als Oper für „Kinder, Jugendliche und Erwachsene“ bereits mehrfach bewiesen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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In Wuppertal übernimmt man die szenische Einrichtung der französischen Uraufführung durch die Regisseurin Marie-Eve Signeyrole, besetzt jedoch alle Rollen mit Kräften aus Wuppertal und der Region. Damit tummeln sich an die 270 Mitwirkenden auf und vor der Bühne. Den Löwenanteil nimmt der Chor ein, bei dem die Profis des Opernhauses durch einen eigens erstellten Projektchor mit Laiensängern von ganz jung bis ziemlich alt verstärkt werden. Beteiligt sind auch verschiedene Chöre aus Schulen und Vereinen. Und das Wuppertaler Sinfonieorchester erhält tatkräftige Unterstützung, nicht nur an den Schlaginstrumenten, durch Schüler der Bergischen Musikschule.
Anderthalb Jahre wurde an dem Projekt unter der Leitung des Wuppertaler Chordirektors Markus Baisch gearbeitet. Eine lange Zeitspanne, die aber auch nötig war, denn Jonathan Dove hat eine suggestive, spiel- und singbare, aber durchaus anspruchsvolle Partitur erarbeitet, die vor allem den Laien einiges abverlangt. Dass am Premierenabend alles reibungslos ablief, verdient Beachtung.

Die Handlung stellt das Schicksal der Athener Kinder ins Zentrum, die der Rache des kretischen Königs Minos zum Opfer fallen und vom Minotaurus gefressen werden sollen. Theseus begleitet die Kinder ins Labyrinth, tötet das Monster und führt sie, geleitet von Dädalus, dem Architekten des Labyrinths, in die Freiheit, in der sie aber noch die gefahrvolle Rückreise nach Athen erwartet. Eine Reise, die durch Dokumentareinblendungen realer Bootsflüchtlinge in diesem Fall angemessen illustriert wird. Die Geschichte geht in der Oper glücklich aus. Getragen von der Zuversicht der Kinder, die die Bedenken der Erwachsenen, etwa der Mutter Theseus‘, zerstreuen. Und mit entwaffnend dynamischer Überzeugung singen und spielen vor allem die jungen Chormitglieder ihre Rolle aus. Dafür konzentriert sich die Regisseurin Marie-Eve Signeyrole auf eine genaue Choreografie der Chormassen. Die Sänger sind ständig in Bewegung und entwickeln eine unter die Haut gehende Dynamik. Optisch projiziert eine Live-Kamera Video-Sequenzen einzelner Darsteller auf eine Leinwand, wodurch auch die gefährliche Wanderung ins Innere des Labyrinths nachvollziehbar wird. Eine praktikable, in der Umsetzung mit fast 200 Choristen jedoch nicht einfache Aufgabe.
Musikalisch hält Markus Baisch die Fäden sicher in Händen. Doves plastische, jedoch alles andere als plakative Musik steht auf der Höhe der Zeit, orientiert sich aber stets am Emotionsgehalt der Handlung. Eine gelungene Synthese von Bühneninstinkt und zeitgemäßen Ausdrucksmitteln. Der Übermacht des Chores stehen vier Solisten gegenüber, deren Rollen Voll-Profis erfordern. An der Spitze glänzt der Tenor Martin Koch als Theseus, der die teilweise halsbrecherischen Anforderungen der Partie mühelos erfüllt. Eindringlich gelingt Belinda Williams die Klage der Mutter des Theseus, Sebastian Campione steuert mit sonorer Tiefe einen verzweifelten Dädalus bei und Gregor Henze wütet als rachsüchtiger König Minos.
Der Beifall des Premierenpublikums will schier keine Ende nehmen. Schade, dass diese Glanzleistung am Ende der Saison nur noch zwei Mal gezeigt werden kann.
Pedro Obiera