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Neue „sensorische Erfahrungen“ verspricht das Wuppertaler Opernhaus mit einer Produktion der Barock-Oper Liberazione, die durch die weitgehend unbekannte Komponistin Francesca Caccini und mehr noch durch die medienunterstützte Präsentation Interesse verdient. Ob das, was das Musiktheaterkollektiv Agora um Benjamin David bietet, einen Blick in die Zukunft des Musiktheaters vorwegnimmt, wird sich zeigen. In der gebotenen Form dürfte es eher die Ausnahme bleiben.
Was erwartet den Besucher des 70-minütigen Werks aus dem Jahre 1625 in Wuppertal? Zunächst muss er über ein gutes Steh- und Gehvermögen verfügen und sollte nicht unter Platzängsten leiden, denn er ist den ganzen Abend auf der Bühne gezwungen, sich durch ein Labyrinth schwarzer und enger Kammern zu zwängen, wenn er die Darsteller live erleben möchte. Da wird es schnell eng, und meist steht man vor leeren, schwarzen Wänden. Wer mehr sehen will, muss die heruntergeladene App auf seinem Handy oder Tablet aktivieren, die Einblicke in verschiedene Kämmerchen erlaubt und auch die deutschen Übertitel bereithält. Mit dem Ergebnis, dass viele Besucher am Bühnenrand nur noch auf die App schauen oder sich damit begnügen, dem Orchester im Bühnenhintergrund zuzusehen. Bequem ist das nicht. Und eine Handvoll Stühle reichen nicht aus, um nicht nur älteren Besuchern ein wenig Rast zu bieten.
| Musik | ![]() |
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Große Teile erlebt man also als Streaming-Produkt, das man auch im bequemen Theatersessel oder sogar zu Hause genießen könnte. Das in diesem Umfeld ungewohnte Hantieren mit dem Handy lenkt zudem wesentlich vom Stück selbst ab.
Von der in Florenz geborenen Komponistin Francesca Caccini, einer gefeierten Primadonna, die als erste Opernkomponistin dokumentiert ist, erfährt man auch im Programmheft nichts. Dass das Stück ursprünglich als Ballett konzipiert war, ist auch nicht zu spüren, würde angesichts des szenischen Konzepts auch keinen Sinn machen. So bleibt es bei umfangreichen Gesangsszenen, die im monodischen, affektbetonten Stil der ganz frühen Oper gehalten sind. Damit geben lange rezitativähnliche Gesänge mit ariosen Einlagen und kleinen Chorbeiträgen den Ton an. Ohne tänzerische Auflockerung, auf die man im Barock großen Wert legte, wirkt das alles recht trocken, wenn man kaum etwas sieht.

Die Handlung kreist um eine Episode aus Ariosts Orlando-Dichtung, in der die verführerische Alcina den Ritter Ruggiero in ihrem Bann hält. Der Zauberin Melissa gelingt es mit großer Mühe, sich gegen die Widerstände Alcinas durchzusetzen und Ruggiero aus seiner amourösen Gefangenschaft zu befreien.
Das alles ist angelegt mit großem Theaterzauber und spektakulären Effekten, worauf in Wuppertal im schwarzen optischen Einerlei jedoch verzichtet wird. Asketischer geht es kaum.
Und wenn man auf der App zwischen verschiedenen Kameraeinstellungen wählen darf, ergeben sich Einblicke in Details und Ausschnitte, die ein szenisches Konzept nicht erkennen lassen. Diesen Eindruck kann auch die vorzügliche musikalische Umsetzung nur bedingt auffrischen. Clemens Flick und das Wuppertaler Sinfonieorchester lassen ein lebendiges, farbiges Klangbild erstehen und der aus dem Hintergrund klingende Chor sorgt für ein paar lebendige Impulse.
Die Hauptleistung haben freilich die drei Protagonisten zu tragen. Und da ist weder Ralitsa Ralinova als Alcina noch Joyce Tripiciano als Melissa und Simon Stricker als Ruggiero ein Mangel an differenzierter und lupenrein intonierter Vortragskunst vorzuwerfen. Im Gegenteil: Die langen, meist elegischen oder furienhaft erregten Monologe lassen ein wenig von der dramatischen Energie spüren, die der Inszenierung verloren geht.
Großer Beifall für eine Produktion der ungewöhnlichen Art.
Pedro Obiera