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Eine Traumwelt in Rosarot

DER LIEBESTRANK
(Gaetano Donizetti)

Besuch am
22. Februar 2020
(Premiere)

 

Opernhaus Wuppertal

Zwei Voraus­set­zungen für einen angemes­senen Umgang mit einer komischen Oper Gaetano Donizettis erfüllt die Wupper­taler Oper mit ihrer Neupro­duktion des Liebes­tranks ohne nennens­werte Abstriche: Das Publikum fühlt sich gut unter­halten und, wichtiger noch, musika­lisch wird überwiegend Überra­gendes geleistet. Das betrifft vor allem Sangmin Jeon, der die anspruchs­volle Rolle des Nemorino mit seinem in jeder Lage mühelos anspre­chenden Tenor nahezu ideal gestaltet. Ein lyrischer Tenor von seltener Schönheit, technisch makellos geführt, so dass die Kanti­lenen nicht nur in der Bravour-Arie Una furtiva lagrima voll aufblühen können.

Die spiel­freudige Sopra­nistin Ralitsa Ralinova als Adina steht ihm mit ihrer ebenfalls sicher geführten und kolora­tur­ge­wandten Stimme kaum nach. Mit seinem substanz­reichen Bariton gelingt Simon Stricker ein stimmlich beein­dru­ckender Belcore und Wendy Kricken, als Mitglied des Opern­studios NRW jüngste Solistin des ohnehin erfreulich jungen Ensembles, kann mit ihrem gesunden Sopran auch dann noch begeistern, wenn ihr die Regie abenteu­er­liche akroba­tische Gymnas­tik­ein­lagen abver­langt. Lediglich dem Bariton von Sebastian Campione fehlt es für die Rolle des zwielich­tigen Quack­salbers Dulcamara ein wenig an sonorem Volumen. All das wie auch den Chor leitet Johannes Pell mit Umsicht und viel Gespür für das italie­nische Kolorit der Partitur, so dass das musika­lische Niveau der Produktion einen Höhepunkt der Saison markieren dürfte.

Foto © Björn Hickmann

Dazu gehört, wie sehr spürbar wird, dass es sich beim Liebes­trank um keine eingleisige komische Oper handelt, sondern um eine semi-komische Oper, die zwar die überdrehten und effekt­vollen Buffa-Elemente der Rossini-Tradition aufgreift, sie aber in eine tragische Grenz­be­reiche berüh­rende Liebes­ge­schichte einbettet, für die Donizetti alle Register seiner Belcanto-Künste zieht.

Musika­lisch wird diese Gratwan­derung deutlich, szenisch leider weniger. Regisseur und Bühnen­bildner Stephan Prattes zielt zu einseitig auf vorder­gründige komische Effekte ab und präsen­tiert eine Revue mit vielen Überra­schungen und quirlender Vitalität, die aber die tieferen Schichten des Werks überspielen. Sei es mit aktio­nis­ti­schen, aber wenig einleuch­tenden Bewegungs­ak­tionen des Chors oder mit dem Auftauchen eines riesigen rosaroten Elefanten. Ob damit die rosarote Illusion ausge­drückt werden soll, die der Liebes­trank bei Nemorino auslöst, oder ob der Einfall zu den angekün­digten lokalen Anspie­lungen auf Wuppertal zu zählen ist, bleibt unklar. Wie auch der Kostümmix von Heike Seidler mit Textilien aus allen Jahrhun­derten und Lebens­lagen auf auswärtige Besucher nur willkürlich zusam­men­ge­würfelt wirkt.

Prattes sorgt immerhin für ständige Bewegung auf der Bühne, so dass jeder Anflug von kulti­vierter Lange­weile gebannt ist. Dennoch wäre eine Prise substanz­reicher Sensi­bi­lität durchaus angebracht.

Begeis­terter Beifall am Ende, aber auch viel berech­tigter Zwischen­ap­plaus für einen unter­halt­samen Opern­abend mit vokalen Glanzlichtern.

Pedro Obiera

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