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Zwei Voraussetzungen für einen angemessenen Umgang mit einer komischen Oper Gaetano Donizettis erfüllt die Wuppertaler Oper mit ihrer Neuproduktion des Liebestranks ohne nennenswerte Abstriche: Das Publikum fühlt sich gut unterhalten und, wichtiger noch, musikalisch wird überwiegend Überragendes geleistet. Das betrifft vor allem Sangmin Jeon, der die anspruchsvolle Rolle des Nemorino mit seinem in jeder Lage mühelos ansprechenden Tenor nahezu ideal gestaltet. Ein lyrischer Tenor von seltener Schönheit, technisch makellos geführt, so dass die Kantilenen nicht nur in der Bravour-Arie Una furtiva lagrima voll aufblühen können.
Die spielfreudige Sopranistin Ralitsa Ralinova als Adina steht ihm mit ihrer ebenfalls sicher geführten und koloraturgewandten Stimme kaum nach. Mit seinem substanzreichen Bariton gelingt Simon Stricker ein stimmlich beeindruckender Belcore und Wendy Kricken, als Mitglied des Opernstudios NRW jüngste Solistin des ohnehin erfreulich jungen Ensembles, kann mit ihrem gesunden Sopran auch dann noch begeistern, wenn ihr die Regie abenteuerliche akrobatische Gymnastikeinlagen abverlangt. Lediglich dem Bariton von Sebastian Campione fehlt es für die Rolle des zwielichtigen Quacksalbers Dulcamara ein wenig an sonorem Volumen. All das wie auch den Chor leitet Johannes Pell mit Umsicht und viel Gespür für das italienische Kolorit der Partitur, so dass das musikalische Niveau der Produktion einen Höhepunkt der Saison markieren dürfte.
Dazu gehört, wie sehr spürbar wird, dass es sich beim Liebestrank um keine eingleisige komische Oper handelt, sondern um eine semi-komische Oper, die zwar die überdrehten und effektvollen Buffa-Elemente der Rossini-Tradition aufgreift, sie aber in eine tragische Grenzbereiche berührende Liebesgeschichte einbettet, für die Donizetti alle Register seiner Belcanto-Künste zieht.
Musikalisch wird diese Gratwanderung deutlich, szenisch leider weniger. Regisseur und Bühnenbildner Stephan Prattes zielt zu einseitig auf vordergründige komische Effekte ab und präsentiert eine Revue mit vielen Überraschungen und quirlender Vitalität, die aber die tieferen Schichten des Werks überspielen. Sei es mit aktionistischen, aber wenig einleuchtenden Bewegungsaktionen des Chors oder mit dem Auftauchen eines riesigen rosaroten Elefanten. Ob damit die rosarote Illusion ausgedrückt werden soll, die der Liebestrank bei Nemorino auslöst, oder ob der Einfall zu den angekündigten lokalen Anspielungen auf Wuppertal zu zählen ist, bleibt unklar. Wie auch der Kostümmix von Heike Seidler mit Textilien aus allen Jahrhunderten und Lebenslagen auf auswärtige Besucher nur willkürlich zusammengewürfelt wirkt.
Prattes sorgt immerhin für ständige Bewegung auf der Bühne, so dass jeder Anflug von kultivierter Langeweile gebannt ist. Dennoch wäre eine Prise substanzreicher Sensibilität durchaus angebracht.
Begeisterter Beifall am Ende, aber auch viel berechtigter Zwischenapplaus für einen unterhaltsamen Opernabend mit vokalen Glanzlichtern.