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LUISA MILLER
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
14. Dezember 2018
(Premiere am 8. Dezember 2018)
Es gehört zum Schicksal der „frühen“ Opern Giuseppe Verdis, dass sie zwangsläufig an den späteren, vom Troubadour bis zum Falstaff reichenden Geniestreichen gemessen werden. Das Urteil fällt oft entsprechend durchwachsen aus, auch wenn das Frühwerk etliche Überraschungen bereithält. Dazu gehört bereits die Verwendung von Schillers Drama Kabale und Liebe als Vorlage für eine italienische Oper, die Verdi 1849 unter dem Titel Luisa Miller in Neapel aus der Taufe hob. Ein bürgerliches Trauerspiel, in dem intime Beziehungsgeflechte im Mittelpunkt stehen, keine glanz- und effektvollen Chortableaux‘ oder mitreißende Ohrwürmer. Ein introvertiertes Werk, das schon viel von Verdis psychologischem Einfühlungsvermögen erkennen lässt und mit einer guten Besetzung seine Wirkung nicht verfehlt.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Es ist schade, dass Regisseurin Barbora Horáková in ihrer Wuppertaler Neuinszenierung den subtilen Qualitäten des Stücks so wenig vertraut, dass sie mit ablenkenden und teilweise abstrusen Blendgranaten die intimen Dimensionen aufbrechen will. Dazu befrachtet sie die eher sekundäre Rolle des Chores mit einer Bedeutung, die den Blick auf die zentralen Aspekte verdeckt. Der Chor geistert als bizarres Traumgespinst, skurril kostümiert und geschminkt, teils einem Rosenmontagszug, teils der Walpurgisnacht entsprungen, ständig über die Bühne, ängstigt die immer wieder als kleines Mädchen erscheinende Luisa und bedroht auch noch die standesrechtlich fragwürdige Liebe der erwachsenen Bürgersfrau zu dem Adelsspross Rodolfo. Lässt sich daraus wenigstens noch ansatzweise ein Bezug zur Handlung herstellen, verliert die Inszenierung jede Bodenhaftung, wenn der Chor in weißer Schutzkleidung den Bühnenraum zu entgiften versucht, wenn junge Leute in Blechfässer gesteckt, mit schwarzem Pech übergossen und wenn die von Andrew Liebermann kalkweiß gefärbten Wände der Stube vollgeschmiert werden. Rätselhafte Einfälle ohne erkennbaren Verständnisgewinn.

Der Umgang mit den zentralen, in komplizierte Beziehungen verstrickten Figuren wirkt ebenfalls plakativ aufgedonnert, wenn die Regisseurin weniger die hintergründigen Spannungen zum Ausdruck bringt und stattdessen eindimensionale Profile der Charaktere bevorzugt. Das betrifft vor allem die Bösewichte, also den Intriganten Wurm und den hartherzigen Grafen Walter, die hier klischeehaft grimmig agieren müssen. Luisas Vater bleibt dagegen erstaunlich blass gezeichnet, während das zentrale Liebespaar seine Gefühle recht frei ausspielen darf.
Am zersplitterten, irritierenden, insgesamt grob gestrickten Eindruck der ganzen Produktion ändert das nichts. Trotz der durchweg guten Besetzung. Wobei Generalmusikdirektorin Julia Jones ebenfalls ihr Heil eher in deftigen als in filigranen Tönen sucht, so dass die feine Psychologie des Stücks auch klanglich in den Hintergrund rückt. Die Leistung von Izabela Matula als Luisa, die ganze Achterbahnen an Gefühlsschwankungen durchleiden muss, mindert das nicht. Ihr gelingt eine nahezu ideale Interpretation, der die Darstellung Nana Dzidziguris als ihre Gegenspielerin Federica in nichts nachsteht. Auch um die anspruchsvollen Männerrollen ist es bestens bestellt. Anton Kernchemisch als Vater Miller kann seinen kultivierten Bariton ungeachtet der biederen Personenführung effektvoll einsetzen. Michael Tews singt den Wurm so düster, wie er ihn darstellt. Und Sebastian Campione findet für den hartherzigen Grafen Walter entsprechend markante Töne. Und auch an der feurigen und gesanglich empathischen Darstellung des Rodolfo durch Rodrigo Porras Garulo gibt es nichts auszusetzen.
Eine szenisch fragwürdige, musikalisch robuste, aber insgesamt hochwertige Interpretation eines selten gespielten Werks, dessen Qualitäten zwar nicht vollständig aufgedeckt werden, die aber den musikalischen Aufwärtstrend des Hauses bestätigt.
Entsprechend groß fällt die Zustimmung des Publikums aus.
Pedro Obiera