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MANDOLIN MAGIC
(Diverse Komponisten)
Besuch am
24. August 2025 2017
(Einmalige Aufführung)
Die Mandoline war 2023 das Instrument des Jahres. Im 17. Jahrhundert entstand in Italien das Zupfinstrument mit seinen vier Doppelsaiten. Heute gibt es zwei Formen. Die klassische Variante, auch „Neapolitanische Mandoline“ oder „Rundmandoline“ genannt, besteht aus einem bauchig-gewölbten Boden und einer flachen Decke. Die Flachmandoline, Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entwickelt, hat einen flachen, nur leicht gewölbten Boden. Es gibt auch ein größeres Instrument dieses Typs, das Mandocello heißt. Mit den drei Instrumenten sind Caterina Lichtenberg und Mike Marshall in Wuppertals Skulpturenpark Waldfrieden zu Gast, die Open Air vor der Villa Waldfrieden Werke der Sparten E- und U‑Musik vorstellen und damit begeistern.
Caterina Lichtenberg zählt mit zu den renommiertesten klassischen Mandolinenspielerinnen und bekleidet weltweit die einzige Professorenstelle für das Saiteninstrument an der Wuppertaler Abteilung der Hochschule für Musik und Tanz Köln. In Asien, Europa und jenseits des Großen Teichs tritt sie auf Konzertbühnen in Erscheinung und spielt auf vielen berühmten Festivals. Bei großen Klangkörpern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Radio Sinfonieorchester Berlin oder den Dresdner Symphonikern war sie zu Gast. Mit berühmten Musikern wie Art Garfunkel ist sie aufgetreten. Zahlreiche Alben zeugen von ihrem ausgezeichneten Ruf. Bereits dreimal war der US-amerikanische Mandolinist Mike Marshall für den Grammy nominiert. Er ist als Vertreter des Bluegrass, Jazz und der brasilianischen Musik wie der dortigen Choro-Musik international in aller Munde. Aber auch wegen seiner intensiven Beschäftigung mit der Klassik wird ihm Respekt gezollt. Wie Lichtenberg war er viel auf Tour und ist auch als Musikpädagoge tätig. Beide sind nicht nur beruflich, sondern auch privat ein Paar und Eltern von zwei Töchtern. Sie haben mittlerweile drei Alben eingespielt und sind gemeinsam viel unterwegs.

Mandolin Magic heißt ihr Programm an diesem Abend, das einen Querschnitt ihres musikalischen Schaffens beinhaltet. Die Klassik ist mit drei Komponisten vertreten: Johann Sebastian Bachs zweistimmiges drittes Duett in G‑Dur, BWV 804 aus seiner dritten Clavierübung, ein Mitte des 18. Jahrhunderts entstandenes Variationsstück von Antonio Ruggeri und ein Duett des Mandolinenvirtuosen Raffaele Calace, der von 1863 bis 1934 lebte. Auch die zeitgenössische Musik ist mit einem für das Duo komponierten Werk vertreten. Es stammt aus der Feder des 1949 geborenen Briten Fred Frith, der als Multiinstrumentalist auf dem Gebiet der frei improvisierten Musik berühmt ist. Doch wohl eher Fachleuten ist er auch als seriöser Komponist bekannt, der als Hochschullehrer am Mills College tätig ist. Sein dreisätziges anspruchsvolles Stück, im Finale Bezug nehmend auf Bluegrass, im Binnensatz bulgarische Muster und eingangs im 15/8‑Takt gehalten, widerspiegelt seine hohe Kompositionskunst. Des Weiteren kommen Stücke von Marshall zu Gehör, darunter Cat Got The Mouse, Santa Morena oder Big Man From Syracuse. Mit dabei ist auch Two Chickens, das er während eines Skiurlaubs in Österreich zu Papier brachte. Sie verdeutlichen seine traumwandlerische Sicherheit in Sachen Bluegrass und der brasilianischen Choro sowie seinen Schalk im Nacken. Bescheiden, ja, fast ihre Kompositionskunst entschuldigend, kommt Lichtenberg daher, als sie ihr einziges Stück Mara’s Sleeping Song ankündigt und ihr Licht auf Englisch mit den Worten „Das erste und einzige“ unter den Scheffel stellt. Jedenfalls gefällt den Zuhörern das Schlaflied.
Bei deren Präsentation bleiben keine Wünsche offen. Traumwandlerisch sicher, spielerisch leicht, wie selbstverständlich gehen Lichtenberg und Marshall mit den unterschiedlichen, gegensätzlichen Musikstilen und ‑richtungen um. Absolut kongenial, mit blindem Verständnis füreinander harmonieren sie miteinander. Darüber hinaus faszinieren sie mit vertrackten Spieltechniken selbst bei hochvirtuos-filigranen Passagen im sehr hohen Tempo. Nuanciert, selbst kleinste Phrasen und polyphone Strukturen klar zum Ausdruck bringend, erklingen mit großen musikalischen Spannungsbögen die Werke der Klassik-Sparte. Fetzig, mit viel Groove, Drive und Esprit kommen die anderen Stücke daher. Zu guter Letzt, nach der ersten Zugabe mit der liebenswerten Bezeichnung für Wuppertals Schwebebahn Schweh-Bi, werden sogar ihre Stimmbänder in Bewegung gesetzt, als mit Gesang richtig bluesig Salty Dog von der Bühne kommt.
Das zahlreiche Publikum zeigt sich begeistert, applaudiert nach jeder Nummer ausgiebig und schließlich langanhaltend.
Hartmut Sassenhausen