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Während der Corona-Pandemie lag die Kultur darnieder. Viele Künstler mussten – salopp ausgedrückt – Gras fressen. Fest abgesperrt waren die Pforten aller Kultureinrichtungen und Veranstaltungshäuser. In dieser Zeit beantragte Peter Baumgärtner nach eigener Aussage zum ersten Mal in seinem Leben Fördergelder, die er auch bekam. Der gefragte Schlagzeuger, künstlerischer Leiter der Düsseldorfer Jazz-Schmiede und Gründer der Hildener Jazztage rief seine Lieblingsstandards in Erinnerung und besann sich auf sein Faible für das Jazz-Klaviertrio. Jetzt gab es die Gelegenheit, beide Vorlieben miteinander zu verbinden. Gesagt, getan. Pianist Thomas Rückert und Kontrabassist Martin Gjakonovski, die ebenfalls sehr geschätzt sind und mit etlichen renommierten Kollegen zusammenarbeiten, erklärten sich sofort bereit, mitzumachen Also ging es im Sommer 2021 ab ins traditionsreiche MPS Studio in Villingen. Entstanden ist ein Album namens My Choice. Mit den darauf dokumentierten und zwei weiteren Stücken ist das Trio für ein Gastspiel in die soziokulturelle Einrichtung Insel gekommen, und sorgt mit dem Programm für entspannte Kurzweil.

Mit dem Ausdruck Jazzstandard werden allgemein Kompositionen der letzten Jahrzehnte definiert, die immer wieder gespielt werden und somit in vieler Munde sind. Es gibt aber auch solche, die nicht regelmäßig aufgeführt werden, aber dennoch nicht zu vernachlässigen sein sollten. Davon werden etliche präsentiert. Unbekannt scheint Dienda von Kenny Kirkland zu sein. Rückert klärt insofern auf, dass es sich bei dem Komponisten um den US-amerikanischen Pianisten handelt, der an der Produktion der ersten LP The Dream of The Blue Turtles von Sting beteiligt war und 1998 früh im Alter von 44 Jahren starb. Auch den Beatles-Song Here, There And Everywhere kennen die Zuhörer nicht, als die Band sie fragt. Nur ab und an erklingen wohl auch Soul Eyes von Mal Waldron, Darn That Dream aus der Feder von Jimmy van Huesen oder Bronislaw Kapers Invitation. Dagegen kommen Alice In Wonderland von Bob Hilliard aus dem gleichnamigen Disney-Streifen aus dem Jahr 1951, Leonard Bernsteins Somewhere aus dem Musical West Side Story, Time After Time von Jule Styne aus dem Jahr 1947, So Tender von Keith Jarrett und der von Irving Berlin 1932 geschriebene Song How Deep Is the Ocean.
Es changieren Walzer, Balladen und flotte Nummern, die geschmeidig von der Bühne kommen. Dabei harmonieren die drei Vollblutmusiker vorzüglich miteinander. Sie haben offensichtlich großen Spaß, in alten Zeiten zu schwelgen .Nach tradierten Mustern, ohne Ecken und Kanten, mit teils gleitenden Taktwechseln und einer gesunden Portion Swing werden die inklusive elf Nummern eingängig und geschmackvoll vorgestellt. Gepflegte Harmonien kommen aus dem Flügel, sonore, groovende Riffs aus dem Kontrabass und über weite Strecken dank des Einsatzes von Schlagzeugbesen unaufdringliche, präzise Rhythmen aus dem Drumset. Ihr großes Können demonstrieren sie bei ihren Soli: mit ihren umfangreichen Improvisationen Baumgärtner etwa bei Invitation und Gjakonovski bei Time After Time sowie Rückert bei etlichen anderen Stücken. Sie glänzen ausnahmslos mit hoher Virtuosität sowie überzeugendem Aufbau und variabler Gestaltung ihrer solistischen Einlagen.
Das Publikum zeigt sich begeistert und applaudiert zum Schluss frenetisch lang anhaltend. Dafür bedankt sich das Trio mit Billy Strayhorns Isfahan als Zugabe.
Hartmut Sassenhausen