O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Vatermord mit Vorsatz

LES NOCES – OEDIPUS REX
(Igor Strawinsky)

Besuch am
15. September 2019
(Premiere)

 

Opernhaus Wuppertal

Strawinskys Oedipus Rex in Wuppertal, Hinde­miths Cardillac in Hagen, eine neue Version von Wagners Nibelungen-Ring in Aachen und Sciar­rinos Infinito Nero in Bonn: Was die Programm­ge­staltung angeht, mangelt es unseren Opern­häusern und insbe­sondere den kleineren unter ihnen beileibe nicht an Risiko­be­reit­schaft. Zumindest nicht zum Saison­auftakt. Den Reigen eröffnet das Wupper­taler Opernhaus mit zwei Werken Igor Strawinskys, der Tanzkantate Les Noces – Die Hochzeit – und dem Opernora­torium Oedipus Rex – König Ödipus – die der russische Regisseur Timofey Kulyabin zu einer geschlos­senen Geschichte verknüpft. Les Noces, Strawinskys 1923 in Paris urauf­ge­führte „Tanzkantate“, deutet Kulyabin als Hochzeits­ze­re­mo­niell, bei dem sich Ödipus und dessen Mutter Iokaste das Ja-Wort geben. Ein wildes, rhyth­misch brutales Stück für vier perkussiv strapa­zierte Klaviere und riesiges Schlagwerk mit einer gewal­tigen Chorpartie, struk­tu­riert als wüste Folge von Tänzen und Gesängen, mit denen Strawinsky alte russische Hochzeits­bräuche aufleben lassen wollte. Bei Kulyabin klammert sich die offen­sichtlich aus Flücht­lingen und Emigranten bestehende Hochzeits­ge­sell­schaft mit fanati­scher Leiden­schaft an derartige Tradi­tionen, die ihnen Halt und Orien­tierung geben. Und Oedipus selbst steigt zum Hoffnungs­träger für eine bessere Zukunft auf.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Dieser Aufgabe soll der König nach der Pause in Strawinskys 1928 in Wien urauf­ge­führtem Opernora­torium Oedipus Rex gerecht werden, indem man von ihm erwartet, das von der Pest heimge­suchte Theben zu erlösen. So steht es bei Sophokles wie auch in der für Strawinsky gestrafften Version Jean Cocteaus. Dass der Fluch der Götter Oedipus dazu verdammt, aus extremer Fallhöhe vom Volks­helden zum Verbrecher zu stürzen, der, wenn auch unbewusst, seine eigene Mutter heiratet, seinen Vater tötet und sich selbst als Täter überführen muss, um Theben von der Pest befreien zu können, darauf möchte sich der Regisseur freilich nicht einlassen. Götter, Fluch und den Kern einer jeden antiken Tragö­di­en­handlung, in der der unschuldige Held unent­rinnbar schuldig wird, inter­es­sieren Kulyabin nicht. Er insze­niert die Tragödie als bewussten Racheakt des Titel­helden an seinen Eltern, die ihn einst als Kind ausge­setzt haben. Inzest und Vatermord, auch der Tod der Mutter gehören zu den kalku­lierten Vergel­tungs­schlägen des Königs.

Foto © Björn Hickmann

Eine disku­table Idee, die Kulyabin freilich durchaus noch deutlicher heraus­ar­beiten könnte. Dafür geht es jedoch auf der Bühne zu turbulent zu. Der Chor ist nicht nur ständig anwesend, sondern auch stets aktiv und versperrt die Sicht auf die Protago­nisten ebenso wie das mehrfach geteilte Bühnenbild von Oleg Golovko mit einer winzigen, aber drama­tur­gisch wichtigen Schlaf­kammer und einem Verhör­zimmer, in dem der geblendete Oedipus die Handlung wie eine Rückblende Revue passieren lässt. Es gibt viel zu sehen, darunter auch viel Ablen­kendes, das nicht zur stati­schen Oedipus-Musik Strawinskys passen will, mit der die Solisten samt ihrem raffi­nierten Stilmix aus hart skandierten Rezita­tiven und ironisch angehauchten Anleihen an italie­nische Opern-Tradi­tionen bewusst überdeutlich ins Rampen­licht gestellt werden könnten.

Dadurch kommen auch die vokalen Leistungen der Sänger weniger wirkungsvoll zur Geltung als möglich. Dabei inter­pre­tiert Mirko Rosch­kowski mit seinem hellen, makellos anspre­chenden Tenor die vertrackten Kolora­turen der Titel­partie elegant und mühelos, während Almuth Herbst der Iokaste durchaus rollen­ge­recht robustere Züge verleiht. Simon Stricker bleibt den Anfor­de­rungen des Kreon nichts schuldig, auch wenn sein Bariton ein wenig mehr Volumen verströmen könnte. Sebastian Campione als Teiresias, Sangmin Young als Hirte und Ralitsa Ralinova als Sängerin in Les Noces runden das insgesamt vorzüg­liche Ensemble ab. Johannes Pell sorgt mit den Chören der Wupper­taler Bühnen und dem Wupper­taler Sinfo­nie­or­chester für rhyth­mische Präzision.

Großer Beifall für einen hochwer­tigen Saison­auftakt, der zugleich eine gehörige Dosis an Diskus­si­ons­stoff bereithält.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: