O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
LE NOZZE DI FIGARO
(Wolfgan Amadeus Mozart)
Besuch am
20. April 2019
(Premiere am 14. April 2019)
Dass man einer Mozart-Oper auch auf einer fast völlig leeren Bühne ohne jeden dekorativen Aufwand gerecht werden kann, wenn nur der Blick tief ins Innere der Figuren und der Musik reicht, das demonstriert derzeit die Wuppertaler Oper mit einer ebenso eigenwilligen wie überzeugenden und in jeder Faser hochmusikalisch empfundenen Neuproduktion des Geniestreichs Le Nozze di Figaro. Sowohl musikalisch als auch szenisch konzentriert man sich in Wuppertal auf die von Mozart unübertroffen filigran umgesetzten seelischen Konflikte der Personen und, mehr noch, auf die von Irritationen und Misstrauen durchtränkten Beziehungen. Dass das alles mit scheinbar leichter Hand hingetupft wirkt, lässt breiten Raum für die komödiantische, allerdings niemals klamaukhafte Dimension des Stücks. Daran trägt auch das stimmige Zeitgefühl des Regisseurs Joe Hill-Gibbins und der Dirigentin Julia Jones für die komplexen Tempo-Abläufe des Stücks von Beschleunigungen an der Grenze zu überdrehten Turbulenzen bis zu Momenten introvertierten Stillstands. Das alles gelingt und wirkt in Wuppertal natürlich, ohne in Extreme desaströser Hektik oder zäher Starre zu verfallen.
| Musik | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Gesang | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Regie | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Bühne | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Publikum | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Wenn man psychologisch so detailgenau arbeitet wie Hill-Gibbins, wenn man den Blick so unverstellt auf die inneren und äußeren Vorgänge der Figuren richtet, kann sich selbst ein renommierter Bühnenbildner wie Johannes Schütz mit fünf Türen in einem weiß getünchten Aktionsraum begnügen, die freilich fleißig genutzt und geschickt für die Versteckspiele und Intrigen der Handlung eingesetzt werden. Bunter geht es in den Kostümen von Astrid Klein zu, doch auch die bleiben trotz ihrer fantasievollen Originalität dezent, ohne sich in den optischen Mittelpunkt zu rücken. Dass der Bühnenboden zeitweise angehoben wird und einige Ensemblesätze auf zwei Etagen vorgetragen werden, damit verstärkt Hill-Gibbins die durch Eifersucht und Gefühlsverwirrungen ständig schwelende Distanzierung zwischen den Liebenden quer durch alle Generationen. Da stört es auch nicht, dass Hill-Gibbins die politisch bedrohlich an die Feste der absolutistischen Ständegesellschaft rüttelnden Signale der unmittelbar vor der Großen Revolution komponierten Oper völlig außer Acht lässt. Das verliehe der Inszenierung noch den letzten Ritterschlag. Doch so viel von der feingestrickten und adäquat in Szene gesetzten Psychologie der Mozart-Oper wie jetzt in Wuppertal ist selten zu sehen.

Und diesem Niveau passt sich Generalmusikdirektorin Julia Jones mit dem vorzüglich aufgelegten Wuppertaler Sinfonieorchester nahtlos an. Auch hier stimmt nahezu alles an den in Töne gesetzten seelischen Abläufen. Das Ensemble gefällt durch seine jugendliche und spielfreudige Ausstrahlung. Simon Stricker als Graf Almaviva wirkt zunächst etwas blass, gewinnt im Laufe des Abends aber an Präsenz. Anna Princeva bringt trotz einiger harter Spitzentöne genügend lyrische Qualitäten für die Partie der Gräfin mit. Ralitsa Ralinova als Susanna und Sebastian Campione als Figaro erfüllen ihre Rollen mit prallem Leben und stimmlich rundum überzeugenden Leistungen. Iris Marie Sojer verleiht dem Cherubin warmen Mezzo-Glanz und Anne Martha Schuitemaker der Barbarina auch stimmlich mädchenhaften Charme.
Insgesamt eine hochwertige Mozart-Produktion, mit der die von den Vorgängern der jetzigen Leitung zu verantwortende, zeitweise existenzbedrohende Krise der Wuppertaler Oper endgültig überwunden sein dürfte.
Pedro Obiera