O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Vor dem neuen Album

RECORDING TIME
(Rebecca Trescher)

Besuch am
8. September 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Insel, Wuppertal

Eine Band, die noch nie öffentlich aufge­treten ist, ein Programm mit fast ausschließlich Urauf­füh­rungen, und dann steht auch noch eine CD-Produktion ein paar Tage später beim Deutsch­landfunk Kultur ins Haus. Unter diesem vorder­gründig sehr sport­lichen Umstand werden Rebecca Trescher und ihre drei Kollegen im sozio­kul­tu­rellen Ort namens Insel vorstellig und sorgen dessen ungeachtet für einen kurzwei­ligen Abend. Manchen bleibt bestimmt der Mund offen stehen ob solcher Voraus­set­zungen. Wie soll das Konzert nur anständig über die Bühne gehen? Nun, es klappt. Der frene­tische, langan­hal­tende Schluss­ap­plaus spricht für sich.

Man kann also die Veran­staltung als eine General­probe für die kommenden Aufnahme-Sessions bezeichnen. Das ist keineswegs abwertend gemeint, sind doch solche Verfahren im Musik­business nicht unüblich. Es wird unter anderem die Homoge­nität im Zusam­men­spiel und die Impro­vi­sa­ti­ons­reife unter konzer­tanten Bedin­gungen getestet. Und sollte etwas nicht funktio­nieren, könnte anschließend noch nachge­bessert werden. Gerade im vorlie­genden Fall ist die Entscheidung aus bereits erwähnter Konstel­lation mehr als legitim. Auf den Namen Recording Time ist dementspre­chend der Abend getauft.

Foto © O‑Ton

Das Resultat kann sich hören lassen. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass die vier Musiker Profis, im Jazz stilis­tisch absolut firm sind und auf eine vielseitige künst­le­rische Tätigkeit zurück­blicken können. Bandlea­derin Treschers Ruf als Klari­net­tistin, Basskla­ri­net­tistin und Kompo­nistin ist erstklassig. Sie wurde unter anderem vorletztes Jahr von dem US-ameri­ka­ni­schen Jazz-Magazin Down Beat zum „Rising Star“ gekürt, erhielt im selben Jahr den Deutschen Jazzpreis für die „Kompo­sition des Jahres“ und belegte mit ihrem anno 2019 gegrün­deten Tentet den Ersten Platz beim Neuen Deutschen Jazzpreis. Pianist Andreas Feith heimste ebenfalls einige Auszeich­nungen ein, arbeitete bereits mit etlichen hochka­rä­tigen Musikern zusammen oder koope­rierte bei der Aufnahme seines Debüt­albums Surviving mit der Klassik­ab­teilung des Bayeri­schen Rundfunks. Phil Donkin am Kontrabass kommt aus Großbri­tannien, ist in Sachen Modern Jazz in vieler Munde. Lang ist die Liste an bekannten Kollegen, mit denen er in seinem Heimatland, Deutschland und den USA koope­rierte, darunter Nils Wogram, Jim Mullen und Mark Turner. Till Brönner, Tony Lakatos, Frank Chastenier oder Ack van Rooyen sind einige der allseits bekannten Personen, mit denen Schlag­zeuger Tobias Backhaus musizierte oder bei exqui­siten Jazzor­chestern wie dem Berlin Jazz Orchestra und anderen Forma­tionen an Aufnahmen mitwirkte. So wundert es nicht, dass die vier Vollblut­mu­siker vorzüglich musika­lisch kommunizieren.

Bis auf das Stück High Attitude Air von Teschers in diesem Jahr erschie­nenen Tentet-Album Character Pieces werden nur neue Werke gespielt, die Trescher in diesem Sommer kompo­nierte: Zaubergang, Meander, Changing Perspec­tives, Nautical Twilight oder Song For The Night. Laut Treschers Anmode­ra­tionen ließ sie sich dazu von täglichen Begeben­heiten oder Gemüts­zu­ständen, etwa einem Sonnen­un­tergang, inspi­rieren. Entstanden seien Rohdia­manten, denen Feith den Feinschliff verpasst habe. Es sind eingängige, feinsinnige, emotionale, klanglich ein wenig an den Impres­sio­nismus gemah­nende, teils poesie­volle, teils lyrische, hochmu­si­ka­lische Tonschöp­fungen. Stilis­tisch können sie dem tradierten, klassi­schen Jazz zugeordnet werden. Hin und wieder werden die Tonalität durch harmo­nische Rückungen sowie alterierte Akkorde und Skalen hin zum leicht fassbaren modalen Jazz überführt. Das Schema der Kompo­si­tionen ähnelt sich: Mit oder ohne solis­ti­sches Intro wird das Thema in Form von Tonfolgen oder Melodien vorge­stellt. Impro­vi­sa­tionen, überwiegend von der Klari­net­tistin und dem Pianisten vorge­tragen, schließen sich an. Danach wird das Thema erneut gespielt.

Mit großer Akkura­tesse werden die Stücke aus der Taufe gehoben. Dabei entlockt Trescher ihren beiden Holzblas­in­stru­menten variable, warme Töne und glänzt mit fanta­sie­vollen Soli. Feith sorgt für abwechs­lungs­reichen, feinglied­rigen, harmo­ni­schen Unterbau und überzeugt mit einem perlenden Skalenspiel. Für das stets zuver­lässige, ab und an auch schön groovende Bassfun­dament ist Donkin zuständig. Und das sensible, profunde Schlag­zeug­spiel von Backhaus ist auch bei vertrackten rhyth­mi­schen Passagen eine stets verläss­liche Stütze.

Die Zugabe ist für Donkin die Gelegenheit, seine hohe virtuose Klasse voll zur Geltung zu bringen. Wiesel­flink gleitet bei seinem großen Solo die linke Hand über das Griff­brett, während die Finger der anderen ebenso gewandt die Saiten zupfen.

Hartmut Sassen­hausen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: