O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Wechselbad der Gefühle

DIE SCHÖNE MÜLLERIN
(Franz Schubert)

Besuch am
23. Februar 2023
(Einmalige Aufführung)

 

Liedertal, Histo­rische Stadt­halle Wuppertal

Schon immer haben die Wupper­taler ihre kultu­rellen Geschicke selbst in die Hand genommen. Ein berühmtes Beispiel sind die Konzerte auf dem Gebiet der klassi­schen Musik in der Histo­ri­schen Stadt­halle, die auf Initiative von Bürgern und Firmen der Stadt gebaut wurde. Zum einen war es die Konzert­di­rektion Wylach, die unter anderem im Rahmen ihrer Meister­kon­zerte die sogenannten Top 10 der inter­na­tio­nalen Orches­ter­szene auf den Johan­nisberg lockte. Zum anderen managte die Konzert­ge­sell­schaft Wuppertal nicht nur das städtische Orchester, sondern sorgte ebenfalls für Orchester-Gastkon­zerte und darüber hinaus erstklassige Kammer­mu­sik­abende. Alles lief wie am Schnürchen. In Scharen pilgerten die Musikfans in die gute Stube. Doch seit über zwei Dekaden gibt es ein stetes Auf und Ab. Das Famili­en­un­ter­nehmen Wylach hat den Betrieb einge­stellt. Und die Konzert­ge­sell­schaft ist seit 2005 nur noch als Förder­verein für das Sinfo­nie­or­chester Wuppertal und den Chor der Konzert­ge­sell­schaft tätig. Hochka­rätige Gastkon­zerte waren also Mangelware. Dann rief der Mäzen Detlev Muthmann im Jahr 2009 die Kammer­mu­sik­reihe Saiten­spiel ins Leben und finan­zierte etwa 150 Konzerte aus der eigenen Tasche. Weltbe­kannte Ensembles gaben sich unter seiner Ägide ein Stell­dichein. Als er 2020 starb, war auch damit Schluss. Gut, das Klavier-Festival Ruhr ermög­licht ein paar Spitzen­ver­an­stal­tungen. Hierbei handelt es sich aber um keine Wupper­taler Insti­tution. Mitten in der Pandemie nahm Thomas Laske sein Herz in die Hand und gründete die Reihe Liedertal. Seit der letzten Spielzeit will damit der in Wuppertal lebende Bariton – einstiger Publi­kums­liebling als festes Ensem­ble­mit­glied der Wupper­taler Bühnen und Honorar­pro­fessor an der Düssel­dorfer Robert-Schumann-Hochschule – wieder in der Stadt nach sehr vielen Jahren Pause Lieder­abende salon­fähig machen. Wie einst Muthmann kümmert auch er sich außerdem um Schul­kon­zerte mit den engagierten Künstlern.

Foto © O‑Ton

Bei der jüngsten Veran­staltung sind aus Wien Tenor Daniel Johannsen und der Pianist Andreas Fröschl zu Gast. Einen anspruchs­vollen, populären Lieder­zyklus haben sie mit im Gepäck: Franz Schuberts Die schöne Müllerin. Der Dichter Wilhelm Müller schreibt im Vorwort zu seiner 25-teiligen Gedicht­sammlung, von denen Schubert 20 vertonte, er bedauere es, kein Musiker zu sein: „Wenn ich die Weisen von mir geben könnte, so würden meine Lieder besser gefallen als jetzt. Aber getrost, es kann sich ja eine gleich­ge­sinnte Seele finden, die die Weise aus den Worten heraus­horcht und sie mir zurückgibt.“ Und Schubert hat wunderbare Musik heraus­ge­horcht. Er schuf einen ganz neuen Zyklus-Typ, indem er aus einer Vielfalt von Einzel­ge­scheh­nissen eine Einheit bildete. Es gibt keine Brechungen in der Musik­sprache. Sie ist ganz nah am Volksliedhaften.

Eine große Palette an Emotionen und Stimmungs­bildern liegt in der Musik, die Johannsen sehr packend zum Ausdruck bringt. Dank seiner klaren Artiku­lation spürt er den Textin­halten tief ausge­lotet nach und dringt musika­lisch in die reich­hal­tigen Gefühls­welten ein. Schwermut, drohendes Unheil, tiefe Beküm­mernis bringt er genauso plausibel von der Bühne wie dankbare Freude, stürmische Leiden­schaft oder Herzlichkeit. Dieses Eintauchen in ein Wechselbad der Gefühle wird mit einem variablen Tenor darge­stellt. Zwar ist die Stimme an diesem Abend in der Höhe, gerade nach größeren Inter­vall­sprüngen und im Forte ein wenig fest, was kleine Brüche in der musika­li­schen Linien­führung zur Folge hat. Auch Fröschl, der als mitat­mender, sensibler Klavier­be­gleiter überzeugt, trübt an wenigen Stellen mit einer etwas harten, zu lauten Tongebung den Genuss. Dennoch wird ein großer Spannungs­bogen über den Zyklus gezogen, der in seinen Bann schlägt.

Demzu­folge könnte man im Auditorium eine Steck­nadel fallen hören, so mucks­mäus­chen­still ist es. Daran ändert sich zunächst nach dem Verklingen des letzten Tons nichts. Doch eine gefühlte Ewigkeit später, als die Spannung von Johannsen abfällt, bricht nicht enden wollender begeis­terter Beifall, gespickt mit etlichen bravi, aus. Man wünscht sich eine Zugabe. Doch die bleibt logischer­weise aus. Denn das tragisch endende Schlusslied des Zyklus‘ Des Baches Wiegenlied evoziert einen endgül­tigen Schluss.

Hartmut Sassen­hausen

Teilen Sie O-Ton mit anderen: