O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
VOKALORCHESTER NRW
(Diverse Komponisten)
Besuch am
13. November 2024
(Einmalige Aufführung)
Für die Gattung improvisierte Musik sind Instrumentalensembles mit oder Gesangsstimme zuständig. So wird sie jedenfalls oft in eine Schublade eingeordnet, wenn es um die sogenannte westliche Musik geht. Doch es gibt mindestens eine Ausnahme: das Vokalorchester NRW. Dabei handelt es sich um ein mindestens zehnköpfiges Stimmenkollektiv, das sich anno 2018 gründete, am Moers-Festival teilnahm und seitdem bei Konzerten aufhorchen lässt. Nun ist der kleine Chor auch im Wuppertaler soziokulturellen Zentrum Loch zu Gast und beeindruckt mit vielfältigen Klängen und Gesangstechniken.
Es sind bis auf zwei Stücke aus der Feder von Theo Bleckmann Kompositionen und Arrangements des Ensembles, denen viele Stile aus der Unterhaltungsmusik als Basis dienen. Die vorgestellten 15 ruhig-balladesken und fetzigen Nummern verfügen zwar über je einen Grundton. Er dient aber nur als Bezugspunkt für jeden ausgebildeten Sänger. Andernfalls wären wohl Stimmgabeln vonnöten, um Töne exakt treffen zu können. Sicher bewegen sich die versierten, sattelfesten Stimmen der elf Sänger – vier Männer und sieben Frauen – glänzen in allen Registern mit ausdrucksstarken und ausgewogenen, auch bei vertrackten Stellen stets intonationsreinen Gesängen, Geräuschen oder Instrumentenimitationen. Unüberhörbar kennen sie sich auf den Gebieten U‑Musik, explizit Rock, Pop und Jazz richtig gut aus. Traumwandlerisch sicher bewegen sich darin.

Ja, man hört richtig. Es sind Stimmen und keine Instrumente, die zu vernehmen sind. Etwa kommen Schlagzeugbeats, zum Verwechseln ähnliche groovende Bassklänge, Blechblas- oder Saiteninstrumente aus den Kehlen. Die Vorträge ähneln denen von rockig anmutenden Sounds, sonoren Bläsersätzen, feindifferenzierten musikalischen Kommunikationen. Es sind also gesangliche Instrumentalimprovisationen in den Besetzungen Duett, Kammermusikterzett bis hin zu kleinem Orchester beziehungsweise Big Band. Dabei changieren die unterschiedlichsten Techniken: tradierter Gesang, normales lautes Atmen, Schnaufen; Schreien oder Summen.
In einigen Stücken kommen Texte vor, etwa das Gedicht Gerüchte gehen, die dich vermuten von Rainer Maria Rilke oder andere mit den Anfängen Sag mir, was bedeutet Freiheit, In Your Own Time und Wenn ich Flügel hätte, könnte ich fliegen zu dir. Sie werden rezitiert, gesungen oder im Parlando – ein dem Sprechgesang ähnlichen Singen mit exakter Aussprache und leichter Tongebung – packend vorgetragen und improvisatorisch verarbeitet. Es wird rein mit Vokalen gespielt oder dem Scat, also dem variablen Singen von rhythmischen und melodischen Silben ohne Bedeutung und Sinn, gefrönt.
Die Sänger harmonieren bestens miteinander. Jeder reagiert auf die stimmlichen Aktionen der Kollegen in Form von Variation, spontaner Präsentation anderer musikalischer Motive, Setzen von Kontrapunkten oder Hinzufügen eines weiteren Instruments. Trotz der kompositorischen Vorgaben stehen die Improvisationen, die teils parallel stattfinden, im Vordergrund. So entwickeln sich vielstimmige Darbietungen, die trotz mancher Komplexität dank der intensiven, nachdrücklichen Gesangsarten packend von der Bühne kommen und in ihren Bann ziehen.
Hin und wieder wird das Publikum mit einbezogen, das qua der eingängigen Sequenzen eifrig mitmacht. Es zeigt sich von dem Abend begeistert und spendet lang anhaltenden Schlussapplaus. Dafür bedankt sich das Vokalorchester NRW mit einer Zugabe.
Hartmut Sassenhausen