O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © O-Ton

Bad im Klischee

WAS FRAUEN WIRKLICH WOLLEN
(Sabine Misiorny, Tom Müller)

Besuch am
28. Juli 2023
(Premiere)

 

Stößels Komödie im Wupper­taler Brauhaus, Wuppertal

Stößels Komödie ist nicht totzu­kriegen. Seitdem sie ihre letzte feste Spiel­stätte im Zuge der Pandemie aufgeben musste, kehrt sie nun als Stößels Komödie on Tour zurück. Kristof Stößel hatte es ja angekündigt, und die „Wieder­auf­er­stehung“ findet an bereits bekanntem Ort statt. Im Wupper­taler Brauhaus gab es bereits verschiedene Gastspiele der Komödie, und eigentlich war der jetzige Auftritt als Open-Air-Veran­staltung geplant. Das Schöne am Brauhaus ist bekanntlich, dass es auch über einen Nebensaal verfügt, auf den man im Sommer 2023 ausweichen kann. Stößels Komödie hat ihre Anzie­hungs­kraft offenbar zurück­ge­wonnen. Es sieht aus wie in alten Zeiten. Da wird ein neues Stück bekannt­ge­geben, und die Menschen strömen in Scharen. Zur heutigen Premiere gibt es im Saal keinen freien Platz mehr. Dabei stehen die Stuhl­reihen dicht gedrängt vor der Bühne. Die Laune ist entspre­chend gut.

Melanie Spielmann und Eric Haug – Foto © O‑Ton

Vielleicht kann man Komödien in drei Kategorien einteilen. Da gibt es die mit Tiefgang, bei denen einem das Lachen auch schon mal kurzfristig im Hals stecken­bleibt. Bei der Boulevard-Komödie bleibt wenigstens der Witz auf erträg­lichem Niveau – und dann gibt es noch die Schen­kel­klopfer-Komödien, die eigentlich kein Mensch braucht. Sabine Misiorny und Tom Müller, die Autoren wohnen der Premiere bei, haben mit Was Frauen wirklich wollen – und Männer zu wissen glauben! nach ihrem Bekunden einen „kabaret­tis­ti­schen Bezie­hungs-Spaß“ geschrieben, der für das Stößel-Ensemble wie maßge­schneidert erscheint. Der Stoff bleibt an der Oberfläche, bietet den Darstellern aber genügend Material, um ihr Können auszuspielen.

Ungewöhnlich ist dieses Mal die Konstel­lation. Auf der Bühne sind ein Tapezier­tisch mit zahlreichen Requi­siten, ein Kleider­ständer und zwei Stühle aufgebaut. Später wird ein Barhocker dazukommen. Hier steht Franziska auf einem Flohmarkt, um überflüs­siges Hab und Gut nach einer Neuaus­stattung ihrer Wohnung zu veräußern. Der einzelne Barhocker aller­dings wird gerade von ihr erworben, weil er als einzelnes Möbel­stück gut in ihr Leben passt. Denn Franziska ist Single. An der Längs­seite des Saals ist in einer Nische ein Hochtisch mit zwei Barho­ckern aufgebaut, an dem zwei Schau­spieler sitzen, die wahlweise nach vorne kommen, um verschiedene Rollen zu übernehmen. Prinzi­piell eine schöne Idee, zumal die Neben­bühne später in die Handlung einbe­zogen wird. Auf der Bühne berichtet Franziska von ihren verschie­denen Versuchen, den Traummann zu finden. Hier wird jedes uralte bis moderne Klischee bedient, ohne dass sich neue Erkennt­nisse hinzu­ge­sellen. Das ist grund­sätzlich ja auch nicht Bedingung, wenn in der Überhöhung der Wirklichkeit beispiels­weise neue Komik entsteht. Im Brauhaus gibt es allzu Bekanntes. Der fremd­ge­hende Ehemann, das Mutter­söhnchen, der Macho, der Psycho-Freak – alle sind sie hier in szeni­schen Auftritten versammelt und sie bedienen die Klischees ebenso wie die besten Freun­dinnen oder die Mutter. Kurz und gut: Hier wird niemand intel­lek­tuell überfordert.

Ilka Schäfer – Foto © O‑Ton

Warum man den Besuch dieses Stücks Menschen empfehlen muss, die nichts anderes wollen, als sich gut unter­halten zu lassen, die Welt mit ihrem Elend mal außen vorlassen und herzhaft lachen wollen, liegt eindeutig an den Leistungen des Ensembles. Die Aufgaben des Licht- und Ton-Technikers Martin Jansen sind am Abend sehr überschaubar, aller­dings hat er im Vorfeld die gesamte Technik von Null an ein- und aufbauen müssen. Und das funktio­niert alles hervor­ragend. Da können die Darsteller sich von Anfang an im rechten Licht sonnen. Allen voran Melanie Spielmann, die im weiten Kleid und Turnschuhen Franziskas Geschichte erzählt, deren Ende allzu vorher­sehbar ist. Aber was sie in zwei Stunden leistet, ist mehr als aller Ehren wert. Schließlich hat sie nicht nur Text und Spiel zu beherr­schen, sondern auch die Aufgabe, die beiden Kollegen zu ihren Rollen zu bitten. Sie ist also diejenige, die das Stück so gut kennen muss wie kein anderer, und sie ist glänzend vorbe­reitet. Da wird es zur Lust, sie zu erleben. Ebenfalls ein beson­derer Gewinn ist – wie immer – Ilka Schäfer. Die „Kodder­schnauze mit Herz“ hat ihre Schlag­fer­tigkeit über die Jahre souverän ausgebaut. Da wird jeder Satz zur gesetzten Pointe, immer gut mit Lebens­er­fahrung unter­füttert. Ihr Kontakt zum Publikum ist Legende.

Kristof Stößel, der für die Regie verant­wortlich zeichnet und sich die Haupt­rolle mindestens bei der Premiere norma­ler­weise nicht nehmen lässt, hat Verpflich­tungen in Hannover. So bekommt Eric Haug die Chance, die Männer­rollen dieses Abends zu übernehmen. Er nutzt sie – nicht so richtig. Zwar erfüllt er die Anfor­de­rungen, spielt die Männer, wie es von ihm erwartet wird, badet in Stereo­typen, glänzt mit Dialekten, aber zum Format von Stößel fehlt ein großer Schritt. Und bei einer Traum­szene, in der der Moderator einer Fernsehshow Franziska über ihre Neurosen infor­miert, wird dann auch vorsichts­halber die Stimme Stößels einge­spielt. Da fehlt ein Stück, das von den beiden Damen gekonnt überspielt wird.

Und so bedankt sich das Publikum überaus herzlich und lange für einen Theater­abend, der viele Lacher bereithält und die Menschen gutge­launt in die Nacht entlässt. In wechselnden Beset­zungen ist das Stück noch bis zum September im Wupper­taler Brauhaus zu erleben.

Michael S. Zerban

Teilen Sie O-Ton mit anderen: