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Foto © O-Ton

Wunderbares Neujahr

WIENER NEUJAHRSKONZERT 2024
(Diverse Komponisten)

Besuch am
5. Januar 2024
(Probe)

 

Europäi­sches Festival-Orchester im Orches­ter­pro­benraum des Sinfo­nie­or­chesters Wuppertal

2016 wurde Alexander Steinitz zu einem Dirigat bei den Wupper­taler Sinfo­nikern einge­laden. Ein Auftritt mit Folgen. Die Zusam­men­arbeit verlief so gut, dass beide Seiten beschlossen, gemeinsam etwas Neues auf die Beine zu stellen. Und Steinitz, in Salzburg geboren und inzwi­schen als Dirigent gern gesehener Gast auf Konzert­podien weltweit, hatte auch eine Idee. Er gründete das Europäische Festival-Orchester, hinter dem sich also zunächst die Wupper­taler Sinfo­niker verbargen, und nahm es mit in die Fläche, um ein Neujahrs­konzert der beson­deren Art zu veran­stalten. Im darauf­fol­genden Jahr trat das Orchester zum ersten Mal auf, um die gute Laune der Familie Strauss aus Wien zum neuen Jahr auch in Deutschland zu verbreiten. Mit Erfolg. In diesem Jahr wird das Europäische Festival-Orchester fünf Städte besuchen, um sein Wiener Neujahrs­konzert 2024 zu begehen.

Alexander Steinitz – Foto © O‑Ton

Wie es sich für ein gesundes Orchester gehört, hat sich auch dieser Klang­ap­parat inzwi­schen weiter­ent­wi­ckelt. Zwar kommt noch immer ein Großteil der Musiker von den Wupper­taler Sinfo­nikern, aber inzwi­schen haben auch Instru­men­ta­listen anderer Spitzen­or­chester aus der Umgegend zum Europäi­schen Festival-Orchester gefunden. Was gleich­ge­blieben ist, ist der Ort, an dem die Tournee vorbe­reitet wird. Und so treffen sich an diesem Abend 37 Instru­men­ta­listen im Orches­ter­pro­benraum der Wupper­taler Sinfo­niker im Stadtteil Elberfeld. Trotz des miserablen Wetters ist die Stimmung gut. Für drei Stunden ist die bevor­ste­hende Probe angesetzt. Einge­laden sind zwei Gäste, die den Abend gesanglich berei­chern werden. Die Sopra­nistin Désirée Brodka war schon einmal 2017 zu Gast und freut sich darauf, die Zusam­men­arbeit jetzt fortsetzen zu dürfen. Zum ersten Mal mit dabei ist Agris Hartmanis. Der Bass-Bariton ist in Litauen geboren und hat dort Gesang studiert. Heute lebt und arbeitet er in Amsterdam, wenn er nicht gerade auf inter­na­tio­nalen Bühnen unterwegs ist.

Bevor die beiden Sänger zum Einsatz kommen, steht erst einmal die Ouvertüre zur Operette Cagli­ostro in Wien von Johann Strauss auf dem Programm. Wer Steinitz schon einmal am Pult erlebt hat, weiß, dass das Orchester bei ihm profes­sionell und immer sehr entspannt wirkt. Und schon in den ersten Minuten in der funktio­nalen, schmuck­losen Halle wird klar, wie das zustande kommt. Steinitz gehört zu der Generation von Dirigenten, die einen kolle­gialen Umgangston pflegen. Er begreift sich als primus inter pares und wird als solcher auch akzep­tiert. Man kann über Hierar­chien in Orchestern lange disku­tieren, aber letztlich ist es hilfreich, wenn es einen gibt, der die Zügel in der Hand hält. Die Frage ist, wie er mit diesen Zügeln umgeht, und da gehört Steinitz eindeutig zu denen, die es können. Hier steht keiner am Pult, der sein Ego auf Kosten anderer ausleben muss oder Arbeits­er­geb­nisse mit Druck erzielt, weil ihm nichts Besseres einfällt. Statt­dessen arbeitet er auf Augenhöhe, sieht seine Musiker nicht als Erfül­lungs­ge­hilfen, sondern nimmt sie in die Verant­wortung. „Macht’s ein bisschen wiene­ri­scher“, sagt er den Tubisten. Wie macht man das? Na, es ist die Aufgabe der Instru­men­ta­listen, das zu wissen. Zwischen­fragen und auch mal kleinere Diskus­sionen gehören selbst­ver­ständlich dazu. So gestaltet sich die Probe nicht als Fronarbeit, sondern recht lebhaft – und am Ende gelingt es dem Team, die gewünschte Stimmung herzustellen.

Agris Hartmanis und Désirée Brodka – Foto © O‑Ton

Hartmanis inter­pre­tiert die Arie des René Mein Ahnherr war der Luxemburg aus der Lehár-Operette Der Graf von Luxemburg. Obwohl die Halle wirklich nicht sänger­freundlich ist, gelingt es ihm, die Stimme wortver­ständlich über das Orchester zu heben und legt dabei eine hohe Bewegungs­freude an den Tag. Da wird sein Auftritt schon bei der Probe zum Genuss. Und dann wird es mit den Wiener Bonbons von Johann Strauss richtig wiene­risch. Was „wiene­risch“ ist? Wer weiß das schon? Ein beson­deres Lebens­gefühl, das sich bei einer Musik einstellt. Neben dem Walzer gehört auch immer die Polka dazu, wie Außer Rand und Band von Eduard Strauss. Und dann hat Brodka ihren ersten Auftritt. Die Arie Ich schenk mein Herz der Gräfin Dubarry aus der gleich­na­migen Operette Carl Millö­ckers gehört zu der Musik, die die Sopra­nistin liebt. Hier ist jede Faser ihres Herzens zu hören. Wunderbar. Von der schmel­zenden Stimme geht Steinitz gleich weiter in die nächste Stimmungs­kurve. Die Polka Aus der Ferne von Josef Strauss treibt das Barometer nach oben, ehe die beiden Sänger mit dem Lied vom dummen Reiter aus Lehárs Lustiger Witwe für viel Spaß sorgen. Die Begeis­terung über die gesang­lichen Leistungen ist noch nicht verklungen, da ist der Živio!-Marsch von Johann Strauss Sohn schon vorüber und die Polka Im Fluge von Josef Strauss entfaltet ihre atembe­rau­bende Geschwin­digkeit. Wer in der nachfol­genden Pause noch nicht in Champagner-Laune ist, ist bei diesem Konzert vermutlich falsch aufge­hoben. Das werden nicht viele Menschen sein, so die subjektive Prognose.

Nach der Pause verlässt Steinitz glück­li­cher­weise für einen Moment die Reihe der Wiener Kompo­nisten und lässt Gioac­chino Rossini zu Wort kommen. Mit dem Finale der Ouvertüre aus der Oper Wilhelm Tell geht es auf einen sprit­zigen Parforce-Ritt, der die Besucher sofort wieder gefangen nehmen wird. Dann darf Brodka wieder mit wunder­barer Stimme glänzen. Abermals ist es eine Lehár-Operette. Aus dem Zarewitsch bietet sie Sonjas Lied Einer wird kommen dar. Zum Nieder­knien. Der Walzer Donau­weibchen von Johann Strauss ist ein bisschen Geschmacks­sache, aber immerhin spiel­tech­nisch anspruchsvoll. Da ist der Ungarische Tanz Nr. 6 von Johannes Brahms Entschä­digung genug. Und Hartmanis wird mit sonorer Stimme dem Lied des Erminio aus Carl Millö­ckers Operette Gasparone so viel abgewinnen, dass ihm die Herzen zufliegen werden, so viel steht fest. Da ist es gut, dass man sich anschließend mit der Annen-Polka von Johann Strauss ablenken kann.

Sehr zu hoffen ist, dass Brodka und Hartmanis ihre spontane Tanzeinlage noch perfek­tio­nieren und beibe­halten werden, wenn sie das Duett Komm mit nach Varashdin aus der Operette Gräfin Mariza von Emmerich Kálmán vortragen. Lebens­freude pur, zu der Steinitz das Orchester anhält, es ruhig „jazzig“ klingen zu lassen. Mit der Lucifer-Polka von Johann Strauss geht ein rauschender Abend zu Ende, der den Begriff Neujahrs­konzert wirklich verdient hat. Zwei unbeschwerte Stunden, die hoffentlich nicht die einzigen in diesem Jahr bleiben werden, auch wenn im Moment nicht viel dafür spricht. Und Zugaben? Die dürfen natürlich auch erklatscht werden. Welche es sind, wird man sehen, aber es lohnt sich auf jeden Fall für das Publikum, hartnäckig zu bleiben.

Das Europäische Festival-Orchester unter der musika­li­schen Leitung von Alexander Steinitz mit den Gästen Désirée Brodka und Agris Hartmanis wird in den Stadt­hallen von Soest, Mülheim an der Ruhr, Rheinberg, am Stadt­theater Euskirchen und in der Stadt­halle Hagen bis Ende des Monats zu erleben sein. Termine und Eintritts­karten gibt es hier.

Michael S. Zerban

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