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Von Manhattan nach Berlin

WOLFGANG SCHMIDTKE ORCHESTRA
(Thelo­nious Monk, Kurt Weill)

Besuch am
21. September 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Kultur­zentrum Immanuel, Wuppertal

Das Kultur­zentrum Immanuel – im Volksmund kurz Immanu­els­kirche – im Herzen des Wupper­taler Stadt­teils Oberbarmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, für Big Bands ein Dreh- und Angel­punkt zu werden. In diesem Jahr geht die Reihe Immanuel Goes Bigband in die dritte Runde und bietet zusätzlich erstmalig einen Workshop für Anfänger sowie eine Master­class für Fortge­schrittene und Studenten an. Großer Wert wird auf hohe Qualität gesetzt. So waren schon Forma­tionen des öffent­lichen Rundfunks wie die WDR-Bigband da, die am 13. Dezember erneut ein Gastspiel geben wird. Auch das noch recht junge Fuchs­thone Orchestra reiste an, und bot mit außer­ge­wöhn­lichen Klängen jenseits tradierter Hörge­wohn­heiten ein fulmi­nantes Konzert. Auch das Wolfgang Schmidtke Orchestra lässt sich nicht zweimal bitten. Werke von Thelo­nious Monk und Kurt Weill hat es mit im Gepäck, womit es für einen hochka­rä­tigen Abend sorgt.

Foto © Karl-Heinz Krauskopf

Im Jahr 2018 gründete Schmidtke das 15-köpfige Orchester, das im deutsch­spra­chigen Raum in vieler Munde und auf renom­mierten Bühnen wie die in der Hamburger Elbphil­har­monie aufge­treten ist. Mitglieder sind erfahrene Jazzmu­siker, die regel­mäßig in anderen Forma­tionen spielen, mit eigenen Bands unterwegs sind und sich dank ihrer brillanter Tonge­bungen einen ausge­zeich­neten Ruf erworben haben. Demzu­folge geht die Formation also im Gegensatz zu etablierten und bekannten Bigbands mit ihren homogenen, satten Blech- und Holzblä­ser­sounds andere Wege. Es wird unter anderem Wert gelegt auf gleich­wertige, indivi­duelle Impro­vi­sa­tionen, die auch im orches­tralen Kontext zu kammer­mu­si­ka­li­schen Klängen führen.

Der Wupper­taler Saxofonist und Komponist hat zwei unter­schied­liche Konzert­hälften zusam­men­ge­stellt. Los geht es im New Yorker Bezirk Manhattan der 1940-er und 1950-er Jahre mit von ihm für das Orchester arran­gierten Stücken von Thelo­nious Monk. Legendär ist der 1982 gestorbene US-ameri­ka­nische Jazzpianist und Komponist. Er gilt als Mitbe­gründer des Bebops, bedeu­tender Neuerer des Modern Jazz und wegen seines experi­men­tellen Stils Wegbe­reiter des in den 1960-er Jahren sich etablie­renden Free Jazz. Im Gegensatz zu Duke Ellington mit seinen rund 2000 Werken kompo­nierte Monk zwar nur 71 Themen. Trotzdem gilt er als einer der ganz wenigen großen Jazz-Kompo­nisten. Von ihm stehen Reflec­tions, Pannonica, Epistrophy, Hackensack, Miste­rioso, Monk’s Mood und In Walked Bud auf dem Programm, mehr oder weniger in der Jazzszene allgemein bekannt.

Danach geht es zurück in die Berliner Zeit der 1920-er Jahre mit Werken von Kurt Weill, ebenfalls von Schmidtke arran­giert. Der Ursprung dieses Programm­punkts liegt in der Zeit, als der Bandleader lange als Musiker Mitar­beiter in Pina Bauschs Tanzstück Fürchtet Euch nicht war. Darin tanzte sie zu Kompo­si­tionen Weills wie Surabaya Johnny, Matrosen Song und Alabama Song. Wer kennt nicht diese Stücke und andere wie Barbara Song, Seeräuber Jenny, Der Song von Mandelay, die inklusive der Zugabe präsen­tiert werden? Manche von ihnen waren oder sind immer noch Gassenhauer.

Foto © Karl-Heinz Krauskopf

Doch die Werke von Monk und Weill kommen nicht wie gewohnt von der Bühne. Schmidtke hat nämlich etwas Eigenes, Neues daraus gemacht. Die Themen bezie­hungs­weise Melodien erklingen so gut wie gar nicht in Urgestalt. Entweder kommen sie latent nur angedeutet und umspielt am Anfang oder Ende eines Stücks vor. Oder sie entwi­ckeln sich langsam, bis man sie am Schluss erkennt. Tradierte Jazzhar­monien sind zwar vorhanden, doch durch etliche alterierte Töne leicht bis stark und durch gerückte Akkorde verfremdet. Sind Melodien aber im Original zu hören, werden sie nicht von einem einzigen Instrument vorge­tragen, sondern durch die Stimmen geführt. Beispiels­weise fangen die Trompeten mit den ersten Tönen an. Dann übernehmen die Posaunen weitere. Schließlich spielen die Saxofone den Schluss. Ständig changieren die Klang­farben kammer­mu­si­ka­li­schen und orchestral-wuchtigen Charakters durch mannig­faltige Verwendung der drei Bläser­gruppen Trompeten, Posaunen und Saxofone. Der Tutti-Sound wechselt wie der einzelner Gruppen. Oder einzelne Instru­mente werden vielfältig mitein­ander kombi­niert. Auch gibt es einen Mix aus diesen Orches­trie­rungs­tech­niken Das alles packt.

Umsichtig leitet Schmidtke seine Kollegen von seinem Pult inmitten der Saxofon­gruppe aus. Mal reicht ein kurzes Heben einer Hand, mal steht er sich umdrehend auf zwecks präzi­serer Anwei­sungen. Das klappt alles wie am Schnürchen. Muster­gültig homogen spielen die Musiker zusammen. Selbst komplexe Einsätze oder Rhyth­mus­wechsel kommen höchst präzise daher. Die solis­ti­schen Einlagen lassen keine Wünsche offen. Hinsichtlich hoher Virtuo­sität, impro­vi­sa­to­ri­schem Einfalls­reichtum, variabler Tongebung und Brillanz faszi­nieren ausnahmslos sämtliche als Solisten in Erscheinung tretenden Blasmu­siker, darunter Schmidtke am Sopran­sa­xofon und an der Basskla­ri­nette. Pianist Michael Lösch und Haro Eller am Kontrabass stehen der hohen musika­li­schen wie handwerk­lichen Güte in nichts nach.

Das Publikum zeigt sich hellauf begeistert. Der frene­tische Beifall ebbt erst nach der Zugabe ab. Einziger kleiner Wehrmuts­tropfen ist die nicht immer ausge­wogene Aussteuerung der Verstär­ker­anlage gerade bei den Soli. Auch ein Sprach­mi­krofon wäre vorteilhaft. Dann könnte jeder Gast die Anmode­ra­tionen klar und deutlich verstehen.

Hartmut Sassen­hausen

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