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Foto © O-Ton

Verzauberte Welt

FEMMES DE LÉGENDE
(Diverse Komponistinnen)

Besuch am
27. Oktober 2024
(Einmalige Aufführung)

 

Kompo­nis­tinnen-Festival im Kultur­zentrum Zons

Wenn man Joachim Fischer, den Stell­ver­tre­tenden Vorsit­zenden des Vereins der Freunde und Förderer des Kreis­mu­seums Zons und Initiator des Zonser Kompo­nis­tinnen-Festivals, fragt, wer das Festival in den Räumlich­keiten des Museums besucht, bekommt man eine überra­schende Antwort. Köln, Neuss, Düsseldorf nennt Fischer statt Zons oder Dormagen. Wer aus Düsseldorf kommt, die Abfahrt Uedesheim von der Autobahn 46 nimmt, erlebt eine seltsame Anreise. Zwischen Feldern, Wiesen und Auen, manchmal direkt am Rhein entlang ragen Indus­trie­be­triebe auf. Die Mischung nimmt bisweilen bizarre Züge an. Erst wenn man von der Bundes­straße links abbiegt, wird es eindeutig ländlich. Und dann landet man in der Altstadt von Zons, wie sie von Disney nicht pitto­resker hätte erfunden werden können. Wochentags darf man durch die Gassen mit dem Auto bis zum Kreis­museum durch­fahren, am Wochenende ist das verboten, im Sommer sowieso illuso­risch, weil man durch die Touris­ten­ströme unmöglich hindurchkäme. Über dem Deich fliegen die Reiher Formation und haben sich eine Menge zu erzählen. Ist das gegenüber dem Museum wirklich eine Eisdiele, die ihr Licht in der Dämmerung verbreitet? Besucher strömen in den Innenhof der ehema­ligen Zollstelle Friede­strom, um das letzte Konzert des Zweiten Kompo­nis­tinnen-Festivals in der Nordhalle zu besuchen. Die Wirklichkeit verliert für einen Moment ihre Bedeutung. Daran ändert auch Karina Hahn nichts. Die Hausherrin vulgo Museums­lei­terin empfängt mit ihrem Team die Gäste im behag­lichen Ambiente der Vergangenheit.

Christian Winter und Nina-Maria Lückel – Foto © O‑Ton

Wieder ist der Konzertsaal fast vollständig besetzt. Cosima Streich, künst­le­rische Leiterin des Festivals, baut noch rasch ihre Aufnah­me­geräte vor der Bühne auf, um die kommenden Ereig­nisse in Klang und Bild festzu­halten. Und dann kann die letzte Vorstel­lungs­runde der Kompo­nis­tinnen beginnen. Die Veran­stalter wollen heute ihr Versprechen einlösen, Tonset­ze­rinnen aus vier Jahrhun­derten bis in die Gegenwart zu feiern. Wie schon beim Eröff­nungs­konzert und dem Konzert am zweiten Abend übernimmt Streich die Rolle der Moderation.

Mel Bonis eröffnet den Reigen. 1858 in Paris geboren, begann sie ein Musik­studium, das sie vorzeitig abbrechen musste, weil die Eltern eine Liaison mit dem Kommi­li­tonen Amédée-Louis Hettich unter­binden wollten. Sie verhei­ra­teten sie mit einem 22 Jahre älteren Witwer. Trotzdem blieb Bonis der Kompo­sition bis zu ihrem Tod 1937 verbunden. Zwischen 1897 und 1913 schrieb sie einige konzer­tante Klavier­stücke, die tragische weibliche Figuren aus Literatur und Mytho­logie thema­ti­sierten. Sieben von ihnen – Mèlisande, Desdemona, Ophélie, Viviane, Phoebé, Salomé und Omphale – trägt Josef Anton Scherrer heute Abend in bestechender Form vor.

Nach dem eindrucks­vollen Vortrag ist Zeit für die Urauf­führung, die der Verein der Freunde und Förderer des Kreis­mu­seums Zons anlässlich des Festivals in Auftrag gegeben hat. Dale Kavanagh stammt aus Halifax. Sie schloss ihr Gitar­ren­studium nach dem Besuch verschie­dener Univer­si­täten in Basel ab. Heute gilt sie als eine der weltweit bekann­testen Gitar­risten. Seit 1999 ist sie Profes­sorin für Gitarre an der Musik­hoch­schule Detmold. Heute widmet sie sich vermehrt der Kompo­sition. Sketches of Spring heißt das etwa fünfzehn­mi­nütige, dreisätzige Werk, das sie für Flöte und Gitarre geschrieben hat und das nun Nina-Maria Lückel und Christian Winter vortragen. „Es geht um Frühling, Freude und darum, neues Leben und neue Düfte zu feiern, und die einfachen Dinge, die uns Freude geben, zu genießen“, lässt die Kompo­nistin, die selbst gerade in Griechenland weilt, ausrichten und fährt fort: „Es sind gerade verrückte Zeiten, und wir vergessen leider die Schönheit um uns herum“. Diese Schönheit lässt sie in Bursting Blossoms, Smell the Roses und Running Through the Alpine Fields höchst melodisch erklingen. Und nein, es ist gar nicht schlimm, dass sie tonal komponiert.

Josef Anton Scherrer – Foto © O‑Ton

Nach der Pause fährt Winter mit drei Minia­turen von Catharina Josepha Pratten fort: Nach Forgotten und Eventide hebt ein Spani­scher Tanz noch einmal erheblich die Laune. 1821 als Catharina Josepha Pelzer in Mülheim an der Ruhr geboren, lebte sie ab 1828 in London. Bekannt wurde sie vor allem als Gitar­ren­leh­rerin, die fünf Gitar­ren­schulen verfasste und dabei neue didak­tische Wege einschlug, die dafür sorgten, dass man ihr nachsagte, „zum Niedergang der Gitarre im Laufe des 19. Jahrhun­derts beigetragen zu haben“. Tatsache ist, dass sie um die 200 Stücke kompo­niert hat, von denen etliche dazu beitrugen, Schülern das Erlernen der Gitarre zu erleichtern.

Zum großar­tigen Abschluss des Abends und damit des Festivals treten noch einmal Elisabeth Moog, Cosima Streich und Josef Anton Scherrer an, um das dreisätzige Klaviertrio Nr. 2 in g‑Moll von Elfrida Andrée aus dem Jahr 1887 aufzu­führen. Das Publikum feiert die Akteure des Festivals ausgiebig.

Damit geht ein musika­lisch mehr als gelun­genes Wochenende zu Ende. Und so manch einer bedauert, dass das Festival nur alle drei Jahre statt­findet. Da mögen die Kompo­nis­tinnen-Konzerte, die auch weiterhin einmal im Jahr im Kreis­museum Zons statt­finden, die lange Wartezeit versüßen.

Den Veran­staltern sei zur Vorbe­reitung des kommenden Festivals ans Herz gelegt, in der Darstellung der Kompo­nis­tinnen eine diffe­ren­ziertere Betrach­tungs­weise an den Tag zu legen. Nicht alle Kompo­nis­tinnen sind oder waren arme, unter dem Patri­archat leidende Wesen, deren „Erbe zu Unrecht verschüttet“ ist. Es ist eine falsch­ver­standene Aufgabe eines solchen Festivals, die Unter­drü­ckung von Frauen in der Musik vergan­gener Jahrhun­derte anzuprangern, ohne auf den histo­ri­schen Kontext zu achten. Was übrigens im Umfeld eines Museums umso ärger­licher ist. Beach und Pratten begaben sich nicht unter die Knute ihrer Ehemänner, wenn sie unter deren Namen antraten, sondern versprachen sich dadurch größere Erfolge. Und dass Kompo­si­tionen in Verges­senheit geraten, hat oft mehr mit deren Qualität als mit dem Geschlecht des Tonsetzers zu tun. Etwas weniger Jammern und Klagen, um statt­dessen die Leistungen der Kompo­nis­tinnen heraus­zu­stellen, kann sicher zu einer gestei­gerten Akzeptanz des Festivals beitragen. Und die hat es sich musika­lisch wie organi­sa­to­risch allemal verdient.

Michael S. Zerban

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