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Immer an der Wand lang

LA FORZA DEL DESTINO
(Giuseppe Verdi)

Besuch am
30. Mai 2018
(Premiere am 27. Mai 2018)

 

Opernhaus Zürich

Klare Struk­turen, satte Farben und ein hohes Maß an Ästhetik. Das sind die Ingre­di­enzien, wenn Andreas Homokis seine unver­kenn­baren Marker als Regisseur setzt. Wenn der Intendant vom Opernhaus in Zürich ins Regiefach wechselt, wissen treue Besucher und Besuche­rinnen in der Regel, was sie erwartet: Ein fast schon geome­tri­sches Konzept ohne Schnick­schnack und ein strenges Bühnenbild, das keine Frage­zeichen hinter­lässt. Homoki zelebriert die Reduktion aufs Wesent­liche, wählt einen schnur­ge­raden Erzähl­strang und peppt das Ganze mit starken Bildern auf. Das Zurück­stufen auf einfache Stilmittel kann sich auch als tückisch erweisen, vor allem wenn es gilt, eine abend­fül­lende Oper in Szene zu setzen. War es bei Homokis Regie­arbeit zu Vincenzo Bellinis I puritani ein großer Zylinder, der sich um die eigene Achse drehte und aufgrund seiner Wucht die Protago­nisten zum Rampen­singen verdon­nerte, ist es bei Giuseppe Verdis Drama La forza del destino ein Kubus, der sich nach verschie­denen Seiten öffnen lässt und so Bühnen­boden wettmacht. Das Singen an der Rampe lässt sich bei dieser Produktion trotzdem nicht gänzlich vermeiden, denn der Würfel bleibt über weite Strecken geschlossen. Das Resultat ist dann kein Springen, sondern ein Singen um einen spani­schen Hadsch.

Homokis Regie­einfall, aus den drei Neben­rollen Preziosilla, Fra Melitone und Mastro Trabuco drei Spiel­fi­guren zu machen, die als böse Geister und Kriegs­treiber unheilvoll auf das Geschehen einwirken, ist keck wie brillant. Auch die Idee, den ermor­deten Vater Leonoras später als Padre Guardiano auftreten zu lassen und der unhei­ligen Famili­en­schuld somit eine neue Dimension zu verleihen, macht Sinn. Die einzelnen, kleinen Episoden, von Verdi musika­lisch stimmungsvoll zusam­men­ge­rückt, zünden in diesem kühnen wie kühlen Konzept jedoch nur bedingt. Ständig mit dem Rücken zur Wand, gewinnt man nun mal keinen Blumentopf. Die Darsteller drehen im Vierakter unentwegt ihre Runden um das Viereck und erzeugen mit ihren theatra­li­schen Gesten in Fritz-Lang-Manier Redundanz. Der Chor macht wilde Faxen und hinter­lässt in den stili­sierten spani­schen Kostümen von Mechtild Seipel den Eindruck eines Zwitters aus modernen World-War-Zombies und Vivienne-Westwood-Punks. Das Licht von Franck Evin fiebert eifrig mit und sorgt für exakte Stimmungs­wechsel, oft sogar im Takt der Musik. Eine gepflegte Langweile lässt sich dadurch trotzdem nicht ganz vermeiden. Das nervöse Sessel­rut­schen nach der Pause kann weder der Meister an der Lampe noch die aufge­regte Perso­nen­führung gänzlich verhindern.

POINTS OF HONOR

Musik



Gesang



Regie



Bühne



Publikum



Chat-Faktor



Homoki gelingen in dieser tragi­schen Dreiecks­ge­schichte um ein Geschwis­terpaar und einen unglück­lichen Helden durchaus glanz­volle Momente, vor allem dann, wenn sich der Kubus öffnet und auf diese Weise mehr Raum oder andere Räume entstehen können. Das vorwiegend geschlossene System vermag zwar die Unaus­weich­lichkeit der einzelnen Schicksale zu bedienen und der vorwiegend düsteren Tonalität Verdis eine gewisse Stringenz zu verleihen, trotzdem sollten die Gefahren einer solchen Lesart auch der Drama­turgie aufge­fallen sein. Das Zuviel an Zuwenig hatte bereits bei Homokis I Puritani seinen Preis, und der ist nun auch in der Weiter­ent­wicklung bei Forza nicht wirklich heiß.

Einen durch­zo­genen Eindruck hinter­lässt auch das Sänger­ensemble, das vom Haus als erstklassige Besetzung angepriesen wird. Mächtiger Verdi-Pathos mit Pfeffer und Schmelz kommt bei den beiden Baritonen George Petean als rachsüch­tiger Don Carlo und Gezim Myshketa als Fra Melitone sowie Bass Christof Fisch­esser in der Doppel­rolle von Marchese und Padre auf. Für Petean ist es ein Rollen­debüt, und das erstaunt umso mehr, weil der Sänger diese Partie aus der Kehle schmettert, als hätte er sie schon dutzende Male gegeben. Es ist eine wunderbare Verschmelzung von gebün­delter Kraft und flauschigem Timbre, die seinen Strahl-Bariton ausmacht. Gezim Myshketa kann als hinter­lis­tiger Finsterling bestens mithalten und beweist mit sonorer Linien­führung, dass Verdi­partien absolut sein Ding sind. Christof Fisch­esser ist mit seiner wohltuend schwin­genden Keller­tiefe ohnehin eine Klasse für sich, und es macht Freude, ihn an diesem Abend zweifach zu genießen.

Foto © Monika Rittershaus

Hibla Gerzmava im Haus- sowie im Rollen­debüt als Donna Leonora ist in ihrer Stimm­führung nicht über alle Zweifel erhaben. Obschon die Sopra­nistin über ein kräftiges Organ verfügt und auch in der Dynamik überzeugt, ist ihr Forte in der Höhe zeitweise spitz und unfle­xibel. Ähnlich wie Sonya Yoncheva, die sich besser noch Zeit gelassen hätte mit ihrem Verdi-Album, wirken Gerzmavas Ausbrüche manchmal übersteuert. Das Timbre für die tiefen Lagen ist eindeutig vorhanden, aber es fehlen die nötigen Facetten für eine so vielschichtige Partie und ein Gebet wie Pace, pace, mio Dio. Marcelo Puente als Leonoras Liebhaber Don Alvaro gibt sein Hausdebüt und hätte sich dafür eher einen Belcanto-Träumer aussuchen sollen. Sein Tenor ist noch weit entfernt von den tiefschwarzen Verdi-Matadoren. Puentes Kanti­lenen sind forciert wie flatterhaft und münden nicht selten in einem Vibrato. Für sattes Drama ist es auch bei J’Nai Bridges noch ein kleines bisschen zu früh. Die Mezzo­so­pra­nistin bleibt bei ihrem Hausdebüt als Preziosilla hinter den Erwar­tungen zurück. Eine betörende Tiefe und ein verfüh­re­ri­sches Timbre reichen nicht, denn es gilt, den Kriegs­trommler Rataplan zu stemmen und dabei nicht im Orches­ter­tutti unterzugehen.

Giuseppe Verdis La forza del destino wurde 1862 in St. Petersburg urauf­ge­führt, Zürich spielt die zweite Fassung, die erstmals 1869 an der Scala gezeigt wurde. Fabio Luisi schöpft mit der Philhar­monia Zürich aus dem Vollen und sorgt als Itali­en­opern-Kenner für Feuer und Strahl­kraft. Dank seines diffe­ren­zierten Dirigats, das mit gut tarierten Pausen punktet, gerinnt die schwarze Tinte der Partitur nie zur zähflüs­sigen Lava. Bedrohlich steigt Verdis Leitmotiv am Anfang aus dem Orches­ter­graben, und Luisi hält diesen dunkel gefärbten Grundton souverän aufrecht, ohne dabei die buffo­nesken Abschnitte mit ihren schrillen Flöten­pas­sagen und hoch schwin­genden Strei­chern zu vernach­läs­sigen. Ebenso präzise wie nuanciert bringt Janko Kastelic den Chor der Oper Zürich, Chorzu­züger, Zusatzchor sowie SoprAlti der Oper Zürich stimmlich auf die Zielgerade. Gerne vergisst man bei so viel musika­li­scher Opulenz wie Raffi­nesse die bunten Fratzen und schroffen Wände.

Peter Wäch

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