O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
RAUM UND KLANG
(Diverse Komponisten)
Besuch am
2. September 2017
(Einmalige Aufführung)
Wieder einmal macht ein nordischer Komponist, diesmal der Estländer Arvo Pärt, mit einem berührenden Te Deum auf sich aufmerksam. Sein umfassendes Werk füllt die erste Hälfte dieses außerordentlichen Konzertes, mit dem in diesem Jahr die Niedersächsischen Musiktage eröffnet werden. Seit Jahren hat sich dieses Musikfest zu einer Institution entwickelt, die für außergewöhnliche Musikerlebnisse steht.
Im Flächenland Niedersachsen sucht der Veranstalter immer wieder Kulturorte, die den Raum Niedersachsen auch kulturell gliedern. Der Osnabrücker Dom St. Petrus, eine wuchtige, spätromanische Kirche, seit 785 in vielen Bauphasen ständig erweitert, bietet mit seinem Hauptschiff und zwei Seitenschiffen viel Platz und einen großen Klangraum, in dem sich Musik raumfüllend ausbreiten kann. Die Kirchenarchitektur stellt Musiker und Dirigenten auch vor manch schwierige Aufgabe, der weite Raum und seine mannigfachen Echos eignen sich längst nicht für jede Komposition. Doch für ein Te Deum bietet der Dom eine einzigartige Atmosphäre, die übrigen ausgesuchten Konzertstücke erweisen sich ebenfalls als bestens geeignet für diese Kirchenakustik. Paul Hillier, der schon mehrfach zeitgenössische Kompositionen des Komponisten Arvo Pärt aufgeführt hat, setzt mit dem Te Deum von 1983 ein zeitgenössisches Werk an den Beginn des Eröffnungskonzertes.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Mit leisen Tönen, die an gregorianische Klänge erinnern, setzen Chor und Orchester ein und füllen schon bald mit einem mächtigen Forte den Kirchenraum. Auf der Basis einer festen Basslinie entfalten die Streicher ihre Melodiebögen, die mal in ferne Räume entschweben, dann im Fortissimo im Vordergrund präsent sind. Mit immer neuen Variationen wechseln sich die Stimmen in der Führung der einzelnen Sätze ab. Kaum hörbar mischt ein Tonband leichte Geräuschpassagen hinzu und stellt eine Verbindung zum Alltag her. Der Chor lässt dieses beeindruckende Te Deum mit einem allmählich verklingenden Sanctus und einem Glockenschlag ausklingen – minutenlange, andächtige Stille.

Für den zweiten Teil des Festabends kann sich das Publikum im anschließenden Kreuzgang bei festlicher Beleuchtung erholen und auf Kompositionen freuen, die eine Zeitspanne von fast 500 Jahren umspannen. Mit Thomas Tallis´ Motette Spem in Alium kann das Chorwerk Ruhr gleich zu Beginn seine durchweg solistischen Qualitäten präsentieren, wenn es in acht Chören zu je fünf Stimmen agiert. Hier und da erklingen im Dom Solostimmen, a‑Cappella-Phasen und dynamische Passagen, die von unterschiedlichen Stellen in den Kirchenraum klingen. Der Chor gibt Johann Sebastian Bachs Canon perpetuus in den hohen Kirchengewölben einen nahezu sphärischen Klang, in Ligettis Lux aeterna kann das ChorWerk ein weiteres Mal von seinen a‑capella-Qualitäten überzeugen, und in Bachs Ricercar a´6 lassen die Streicher lange, fast selbstständige Melodiebögen erklingen, die sich langsam auflösen. Mit Peteris Vasks Dona nobis von 2001 stellt Hellier ein Werk der Neuen Musik vor, das sich vorbehaltlos zum Ausdruck religiöser Gefühle bekennt und erklingen lässt. Vasks, dessen Werke von Musikkennern auch als „komponierte Ikonen“ bezeichnet werden, bietet dem Chorwerk Ruhr und den Osnabrücker Symphonikern eine musikalische Plattform, die in unserer immer sachlicher werdenden Welt selten geworden ist. Hillier und seine Musiker nutzen diese Aufgabe für eine intensiv-ausdrucksstarke, häufig berührende Darbietung.
Nach mehreren Minuten besinnlicher Stille will der Beifall des begeisterten Festpublikums auch nach einer Viertelstunde kaum enden – Raum und Klang sind sich bei diesem Konzert zeitgemäß und beeindruckend begegnet.
Horst Dichanz