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EUROPAKONZERT DER
BERLINER PHILHARMONIKER
(Carl Maria von Weber, Antonín Dvořák)
Besuch am
1. Mai 2017
(Einmalige Aufführung)
Paphos ist die westlichste Stadt Zyperns und die geschichtsträchtigste. Über Jahrhunderte war sie die Hauptstadt der griechischen und römischen Provinz. Viele prächtige Kulturdenkmäler sind Zeugnisse dieser glorreichen Epochen. Die Mosaike der römischen Villen bestechen mit ihrer realistischen Darstellung, ihrer Ausdruckskraft und ihrem Farbenreichtum. Auch für die christliche Kulturgeschichte ist die Insel und insbesondere Paphos von Bedeutung, denn die Verbreitung der neuen Religion führte unweigerlich über Zypern. Der Apostel Paulus wurde in Paphos an eine Säule gebunden und ausgepeitscht. Die Säule und das Gefängnis können heute noch besichtigt werden. So ist es nur logisch, das europäische Auge auf diese Station unser frühen Kulturgeschichte zu richten.
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Unglaublich viel hat sich die Stadt vorgenommen, um sich für diese Ehrung heraus zu putzen, aber in südländischem Laisser-faire wurden viele Projekte nicht fertig. Eine große Baustelle ist die Altstadt, aber die Ergebnisse der breiten Renovierung und Neugestaltung des historischen Stadtkerns lassen sich erahnen. Hier wird eine elegante Innenstadt mit Fußgängerzonen im architektonischen Mix von Häusern aus dem Mittelalter bis in die Neuzeit entstehen. Das wirtschaftlich angeschlagene Zypern fängt sich dank des blühenden Tourismus und der vielen Zweitresidenzen. Von der heimischen Bevölkerung wird das kulturelle Programm der Organisatoren mit Interesse und Zuspruch aufgenommen. Verschiedene Einzelprojekte wie Ausstellungen regionaler und internationaler Künstler, Installationen, ein kulinarischer Erlebnistrip sowie Konzerte und Theaterabende gehören dazu.
Heroismus, ein zweijähriges Projekt des Institutes für darstellende Kunst auf Zypern, MITOS, beinhaltet eine Aufführung von Die Perser, dem ältesten bekannten Theaterstück, verfasst von Aischylos, angereichert mit moderner Musik und Regie. Drei Schauspieler, drei männliche Gesangsstimmen bringen eine kritische Auseinandersetzung mit dem Leitbild eines Helden und dessen menschlicher Vergänglichkeit.
Erster Höhepunkt und Ausdruck der deutsch-zypriotischen Zusammenarbeit, auch vor dem Hintergrund der parallelen Historie eines geteilten Landes, ist der Auftritt der Berliner Philharmoniker am alten Hafen. In Erinnerung an das eigene 100-jährige Jubiläum und die deutsche Wiedervereinigung finden seit 1992 die sogenannten Europakonzerte der Berliner Philharmoniker als Beitrag zur Gestaltung europäischer Kulturgeschichte an besonderen Aufführungsorten innerhalb der europäischen Union statt. Unter der musikalischen Leitung von Mariss Jansons zeigen die Berliner Philharmoniker ihre überragende musikalische Perfektion im Rahmen der Projekte der Open Factory der Kulturhauptstadt 2017. Malerisch stimmungsvoll ist der Rahmen vor der alten befestigten Hafenanlage gewählt, allerdings von den Türken im 16. Jahrhundert erbaut.

Schwungvoll romantisch ist das Programm zusammengestellt. Zur Eröffnung stimmt die Ouvertüre zur Oper Oberon von Carl Maria von Weber das zahlreich erschienene Publikum auf der Tribüne trotz prallen Sonnenscheins zu guter Stimmung ein. Filigran lässt der Maestro die einzelnen Teile der Ouvertüre langsam zusammenwachsen, ohne auf Effekte oder schwungvolle Melodien auszuweichen. Knapp bemessen bleibt der volle Orchesterklang, frisch und gehaltvoll die Ausdruckskraft des Werkes. Im anschließenden Klarinettenkonzert desselben Komponisten zeichnet sich das reduzierte Orchester als gehaltvoller Begleiter des Solisten und Orchesterkollegen, ihrem ersten Klarinettisten, Andreas Ottensamer, aus. Der wiederum spielt in perfekter Beherrschung seines Instrumentes, mit großer Hingabe und persönlicher Darstellung seinen Solopart. Leicht und klar die Läufe, ausgeglichen und voll im Klang die langgezogenen Melodien, die leidenschaftliche Klangvielfalt des Instrumentes wird in allen Registern zum Hören gebracht.
Respektvoll wird miteinander umgegangen, Jansons bleibt in jeder Phase Herr der Gestaltung des anspruchsvollen Konzertes. Erst in der Zugabe, der ungarischen Romanze in einer Bearbeitung von Michael Kunze, mit den tänzerischen Elementen des Jazz kommt gelockerte Begeisterung und Stimmung im Publikum auf. Auch hier zeigen Solist und Orchester ihre Vielseitigkeit und Flexibilität auf. Ohne Berührungsängste wird gegroovt und locker, besser: gelockert, musiziert.
Nach der Pause wird noch mal die melancholisch-slawische Seele aufgerufen. Mit der achten Symphonie von Antonin Dvorak hat man ein weniger bekanntes, aber sehr gefühlvolles und in der Harmonie vielseitiges Werk ausgewählt. Die musikalischen Naturstimmungen passen zum Ambiente, der in positiver Grundstimmung nach vorwärts drängende Aufbau des symphonischen Werkes fügt sich harmonisch in die umgebende Naturgewalt von Wind und Wellen. Angesichts der durch das Orchester wohl ausformulierten Themen und Melodien verliert sich der Zuhörer in die stimmungsvolle Umgebung.
Dabei behält Jansons aber den Überblick und fordert das Orchester, akzentuiert und präzis zu bleiben. Mit großer Aufmerksamkeit und schier ungebändigter Kraft gibt er exakte Einsätze und wohlmeinende Gesten. Viel und herzlicher Applaus, auch zwischen den Sätzen, spornt die Musiker weiter an, ihre hohe Qualität unter Beweis zu stellen. Ein wiederum glanzvolles Europakonzert in Auswahl von Programm und Aufführungsort reiht sich in die nunmehr bereits 25-jährige Geschichte.
Helmut Pitsch