O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Marie-Luise Manthei

Requiem in schwarz

ORPHEUS UND EURYDIKE
(Christoph Willibald Gluck)

Besuch am
23. Dezember 2016
(Premiere am 4. Dezember 2016)

 

Theater Aachen

Es ist eine der schlich­testen und dennoch besten Produk­tionen der Spielzeit. Sie als „halbsze­nische Aufführung“ zu bezeichnen, wie es das Aachener Theater unver­ständ­li­cher­weise zu tun pflegt, dazu besteht kein Anlass. Glucks Oper Orpheus und Eurydike gehört ohnehin nicht zu den hochdra­ma­ti­schen Reißern und verleitet leicht zu aufge­setzten szeni­schen Mätzchen, die das Stück nicht braucht, wie die Aachener Insze­nierung eindrucksvoll zeigt. Tamara Heimbrock hat in Berlin als Regie­as­sis­tentin offenbar eine Menge von namhaften Regis­seuren wie Herheim, Neuenfels, Homoki und Flimm gelernt. Seit dieser Spielzeit wirkt sie als Regie­as­sis­tentin und Spiel­lei­terin am Theater Aachen, wo man sie mit der „szeni­schen Einrichtung“ der Gluck-Oper betraute.

Tamara Heimb­rocks „Insze­nierung“, so die angemessene Bezeichnung für ihre Leistung, lässt eine Sensi­bi­lität und Musika­lität erkennen, die heute nur noch selten anzutreffen ist. Sie hört auf die Musik, begnügt sich mit sparsamen, aber treff­si­cheren Gesten, führt die Figuren mit stoischer Ruhe und verzichtet auf jeden überflüs­sigen Knall­effekt. Dadurch stellt sich eine Spannung ein, die vom ersten bis zum letzten Takt des handlungs­armen Stücks erhalten bleibt. Die Trauer des verwit­weten Orpheus kommt in bezwin­gender Konzen­tration zum Ausdruck. Die Entfremdung zwischen Orpheus und seiner bereits im Jenseits angekom­menen Eurydike nicht minder. Nichts lenkt vom Blick auf die seeli­schen Spannungen der beiden ab. Auch nicht der Chor, der dezent im Hinter­grund agiert und durch seine vokale Inten­sität das Seelen­drama bereichert.

Dem positiven Ende der Pariser Fassung begegnet Tamara Heimbrock mit Skepsis. Amor führt die beiden zwar noch ein zweites Mal zusammen, aber sie verlassen getrennt die Bühne. Ein nachdenk­licher Schluss, nachdem bereits zur finalen Ballett-Musik die Chormit­glieder einzeln die Bühne verlassen haben.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor
Foto © Marie-Luise Manthei

Auch Detlev Beaujean hält sich mit einem seiner besten Bühnen­bilder zurück. Eine eiserne, mit abwei­senden Stacheln besetzte Rückwand, die sich zeitweise teilt, um den Blick in die rot oder bläulich beleuch­teten Regionen der Unterwelt zu gewähren, reicht völlig aus. Als Requi­siten genügen zwei schlichte Stühle, die als Trauer­altar dienen und vor allem durch ihre variablen Positionen den Grad der Entfremdung des Liebes­paars anzeigen. Alles sehr einfach und überzeugend.

Schwarz ist die dominie­rende Farbe. Das betrifft neben dem Bühnenbild vor allem die Kostüme des Orpheus und des Chors, während Eurydike mit ihrem blass-violetten Kleid einen schwachen Kontrast bietet. Lediglich das leuch­tende Rot Amors und der Feuer­schein des Hades sorgen für schärfere Gegen­sätze, ohne jedoch den intro­ver­tierten Trauer­d­uktus der Insze­nierung zu stören.

Die entschei­dende Spannung geht für Tamara Heimbrock von der Musik aus. Und die ist bei Justus Thorau, dem Stell­ver­tre­tenden General­mu­sik­di­rektor des Aachener Theaters, bestens aufge­hoben. Das Orchester hat sich mit histo­ri­schen Instru­menten auf einen mit 394 Hz tief gestimmten Kammerton speziell in den Gebrauch der ungewohnten Instru­mente einweisen lassen. Von den unver­meid­lichen Intona­ti­ons­schwan­kungen abgesehen, verbreiten die Aachener Musiker eine beein­dru­ckende Aura von getra­gener Trauer und verhal­tener Dramatik.

Trotz einer Erkältung gestaltet Patricio Arroyo die Titel­partie mit seinem kernge­sunden, lyrisch ebenso warmen wie strah­lenden Tenor auf höchstem Niveau. Man spürt, wie er sich vom Umfeld der Insze­nierung und der musika­li­schen Leitung tragen lässt. In der kleineren Rolle der Eurydike überzeugt Katharina Hagopian trotz ihres etwas härter wirkenden Soprans. Und Jelena Rakić steuert einen jugendlich frischen Amor bei. Ein Sonderlob verdient der zwar klein, aber völlig ausrei­chend besetzte Chor, den Elena Pierini betreut.

Das angesichts der Vorweih­nachts­hektik nicht allzu zahlreiche Publikum reagiert trotz der dezenten und alles andere als auf Effekt getrimmten Produktion mit standing ovations. Und das zu Recht.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: