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ORPHEUS IN DER UNTERWELT
(Jacques Offenbach)
Besuch am
20. Dezember 2016
(Premiere)
Viel ist nicht zu sagen: Wer deftigen Humor liebt und unter keinen allzu großen Berührungsängsten mit derbem Klamauk leidet, ist mit Claire Servais‘ Inszenierung von Jacques Offenbachs Opéra-bouffe an der Lütticher Oper gut bedient. Wer freilich in der spitzzüngigen Operette eher nach französischem Esprit sucht als nach platten Schenkelklopfern, dürfte sich eher zurückhaltend mit der munteren Produktion anfreunden.
| Musik | ![]() |
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Die Reaktion des Premierenpublikums war eindeutig und überwältigend. Der Unterhaltungswert der Produktion stimmt offenbar. In den bunten, aufwändigen Dekorationen von Dominique Pichou und den noch bunteren Kostümen von Jorge Jara läuft das Spiel um Treue und Untreue um den Musiklehrer Orpheus und seine gelangweilte Gattin Eurydike mit Cancan-Schmiss, fetzigen Couplets und etlichen Kalauern äußerst peppig und temporeich ab. Ausgehend von einem modernen Ambiente wechselt die Handlung in immer fantastischere Gefilde, bis am Ende die ganze Unterwelt wie an einem hochprozentig angeheiterten Rosenmontag entfesselt tanzt. Mehr will die Regisseurin nicht zeigen. Auch nicht mit der Rolle der „öffentlichen Meinung“, die hier von Alexise Yerna eher divenhaft elegant als scharfzüngig verkörpert wird.
Zur Inszenierung passt die musikalische Leitung von Cyril Englebert, der das Lütticher Orchester zu einem schwungvollen, aber wenig filigran ausgearbeiteten Spiel anhält.
Gesanglich hinterlässt die Aufführung mit ihren 17 Solopartien einen uneinheitlichen Eindruck. Vorzüglich Jodie Devos als Eurydike und Papuna Tchuradze in der Titelpartie, auf gutem bis mittlerem Niveau agiert der Rest des Ensembles, bei dem kein nennenswerter Ausfall zu beklagen ist.
Ein unterhaltsamer Abend ohne Tiefgang, aber doch mit einem gewissen Charme.
Pedro Obiera