O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
CAEN AMOUR
(Trajal Harrell)
Besuch am
6. September 2017
(Premiere)
An multikultureller Vielfalt mangelt es der neuen Produktion des Choreografen Trajal Harrell beileibe nicht, dessen einstündige Kreation Caen Amour derzeit im Rahmen der Ruhrtriennale im Essener PACT Zollverein gezeigt wird. Alle Kulturen und Zeiten, die Harrell dem Stück einverleibt, verbinden jedoch trotz ihrer großen Differenzen die sanften und rohen Anziehungskräfte sexueller Urtriebe.
Trajal orientiert sich am Modell des Hoochie-Koochie, einer in den 1920-er Jahren in Amerika zur Erotik-Show verkümmerten Parodie des orientalischen Bauchtanzes, die einerseits das Interesse der – weißen – Menschen an exotischen Reizen dokumentiert, andererseits tiefe Einblicke in rassistisch gefärbte sexistische Fantasien westlicher (Männer-)Kulturen bloßlegt.
| Musik | ![]() |
| Tanz | ![]() |
| Choreografie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Eine schlichte, puppenhausartige Kulisse von Jean Stephan Kiss spielt mit orientalischen Assoziationen und dient einer Art Cat-Walk für eine erotisch aufgeheizte Modenschau mit diversen Textilien unterschiedlicher Kulturen. Das Publikum darf im Laufe der Aufführung auch hinter die azurblaue Fassade blicken, die einen heruntergekommenen Verschlag verbirgt, der den Tänzern als Umkleide- und Aufenthaltsraum dient. Die scheinbar glitzernde Show-Welt erhält massive Risse.

Als Blickfang dient die Schauspielerin Perle Palombe, die sich äußerst freizügig mit wenig oder gar nichts verhüllenden Textilien umgibt und die in ihrer Anmut und aufreizenden Grazie einen beklemmenden Kontrapunkt zur Tristesse der Arbeitsstätte setzt. Damit die beeindruckende Performance der Französin den Hormonhaushalt der Besucher nicht völlig durcheinanderbringt und das Ganze nicht irgendwann in die Schmuddelecke einer ästhetisch aufgewerteten Peep-Show abgleitet, kühlen die Tänzer Thibault Lac und Ondrej Vidlar in züchtig-hässlichen Alltagsklamotten mit arg aufgesetzten tuntigen Bewegungsformationen den femininen Reiz der Show ab.
Auch wenn der Kern des Stücks, die „Bühnen-Show“, nur 40 Minuten dauert, nachdem sich Harrell zunächst einmal zehn Minuten lang allein in eine Art Trance versetzt und eine Moderation dem Publikum strenge Verhaltensregeln mit auf den Wanderweg gibt, nutzt sich besonders das einsilbige und aufdringliche Bewegungsreservoir der „weiblichen“ Männer recht schnell ab, so dass deren Beitrag wie eine mäßig gut parodierte Modenschau wirkt. Insgesamt bleiben die tänzerischen Anteile recht bescheiden.
Musikalisch untermalt Harrell das Ganze mit diversen Soft-Songs, vielfältig eingefärbt mit orientalischem, amerikanischem und afrikanischem Kolorit, wobei die von Trajal und den Darstellern selbst entwickelten Tuche und Kostümteile munter durchmischt werden und im Gleichklang mit oder im Kontrast zur Musik interessante kulturelle Kreuzungen ergeben. Ein Hinweis auf die globale Universalität des Themas.
Das Publikum bedankt sich mit freundlichem Beifall für eine Aufführung von begrenztem tänzerischem Wert und manchem Leerlauf, die hauptsächlich von einer interessanten Idee und einer ausstrahlungsstarken Protagonistin getragen wird.
Pedro Obiera