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Am 18. August öffnet die diesjährige Ruhrtriennale ihre Pforten. Dann wird, wie jedes Jahr, ein reichhaltiges Programm mit über 130 Veranstaltungen bis zum 30. September an mittlerweile nicht mehr so ungewöhnlichen Spielorten gezeigt. Für den Intendanten der Ruhrtriennale, Johan Simons, ist damit nach drei Jahren auch die Zeit für den Abschied gekommen.

Freude, schöner Götterfunken. Seid umschlungen“. Unter dieses Motto stellte Johan Simons seine dreijährige Amtszeit als Intendant der Ruhrtriennale, dessen letzte Saison am 18. August in der Jahrhunderthalle Bochum mit einer Neuinszenierung von Claude Debussys Oper Pelléas et Mélisande eröffnet wird. Ein von Stille und Geheimnissen erfülltes Werk, zugleich ein verhaltener Akzent zum hoffnungsvollen, eher laut tönenden Motto des Freudengesangs von Schiller und Beethoven.
Die Welt, sagt Simons, habe sich „sehr stark verändert, seit ich Leiter dieses wundervollen Festivals geworden bin“. Allerdings will der Intendant das Gute darin sehen. „Doch spüre ich nun eine positive Energie, ein Wiederentdecken Europas und seiner Kraft. Und vielleicht können wir mit künstlerischen Götterfunken unserem Publikum ein paar Hoffnungsschimmer schenken“, sagt er.
Mit Sylvain Cambreling am Pult der Bochumer Symphoniker, dem Regisseur Krzysztof Warlikowski und der Sopranistin Barbara Hannigan ist bei der Debussy-Oper ein prominentes Team am Werk. Die Sängerin tritt auch noch in Eric Saties selten zu hörender Oper Socrate auf und freut sich auf die Herausforderungen und nicht zuletzt auf die Zusammenarbeit mit den Dirigenten. Der Pelléas „ist meine erste Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Sylvain Cambreling. Ich bin sehr überrascht, dass sich unsere Wege bisher noch nicht kreuzen konnten. Er liebt und kennt diese Oper in- und auswendig und unter seiner musikalischen Leitung zu singen, gibt einem sowohl Raum für Atem und Stille als auch für Klang. Socrate wird mit dem niederländischen Pianisten und Dirigenten Reinbert de Leeuw stattfinden, einem langjährigen Kollegen und Mentor von mir, mit dem ich vor ein paar Jahren Saties Socrate aufgenommen habe. Die Inszenierung, die wir bei der Ruhrtriennale machen werden, wird eine einzigartige Veranstaltung, weshalb ich mich so darauf freue.“
Rund 135 Veranstaltungen mit 40 Produktionen, darunter 28 Eigen- und Koproduktionen, 22 Uraufführungen, Deutschlandpremieren und Installationen erwarten das Publikum an vierzehn verschiedenen Spielstätten in sieben Städten des Ruhrgebiets von Duisburg bis Dortmund. 40.000 Tickets stehen zur Verfügung. Der Vorverkauf ist angelaufen.
In diesem Jahr vollenden sich auch einige Trilogien, die über die drei letzten Jahre entwickelt wurden. Dazu gehören eine Tanztrilogie von Richard Siegal – ab 25. August im PACT Zollverein – und der letzte Teil von Luc Percevals Hunger. Trilogie meiner Familie auf einer Grundlage von Emile Zola. Einzelaufführungen dieses Teils sind ab dem 7. September im Landschaftspark Duisburg-Nord zu sehen. Die gesamte elfstündige Trilogie wird am 15. und 17. September an gleicher Stelle ganztägig gezeigt.
Das Spektrum reicht von Oper bis Techno
Zu den Höhepunkten des Festivals dürfte das Musiktheater-Projekt Kein Licht gehören mit einem in den letzten Wochen noch mit Bezug auf das Amerika Donald Trumps aktualisierten Text von Elfriede Jelinek. Die Musik stammt von dem Komponisten Philippe Manoury, und die Schauspielerin Caroline Peters ist in einer Sprechrolle zu sehen. Uraufführung ist am 25. August im Duisburger Landschaftspark Nord.
Johan Simons selbst wird die Uraufführung des Musik-Projekts Cosmopolis auf eine Roman-Vorlage von Don DeLillo mit der Musik von BL!NDMAN Eric Sleichim inszenieren. Eine skurrile Geschichte um Geld, Reichtum, Spekulation und Ruin. Eine Börsianer-Story, die Simons in eine Kinderwelt verlagert. Hier ist die Uraufführung am 22. September in der Bochumer Jahrhunderthalle zu erleben.
Musikalisch ist im Rahmen diverser Projekte ein ganzer Strauß von Claudio Monteverdis Marien-Vesper und Beethovens Missa solemnis bis John Cage und Techno-Events zu erleben. Nicht zu vergessen ein anspruchsvolles, Memoria benanntes Projekt des erfolgreichen Chorwerks Ruhr unter Leitung von Florian Helgath mit Werken barocker und zeitgenössischer Komponisten ab 25. August in der Maschinenhalle Zeche Zollern Dortmund.
Installationen und diverse Veranstaltungen aller Genres, einige auch zum Nulltarif, ergänzen das reiche Programm des sechswöchigen Festivals.
Pedro Obiera