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Barocke Rollenspiele

ARIODANTE
(Georg Friedrich Händel)

Besuch am
24. August 2017
(Premiere am 2. Juni 2017)

 

Salzburger Festspiele, Haus für Mozart

Im pompösen Barock beginnt der Abend. Elegante Höflinge mit langen Locken­pe­rücken schreiten mit starrem Blick umher. Blendend weiß ist das Innere des Schlosses des Königs von Schottland getäfelt. Das Bühnenbild stammt von Johannes Leiacker. Nach hinten öffnet sich mitunter der Raum und gibt den Blick auf eine klassi­zis­tische Landschaft mit griechi­scher Tempel­ruine oder auf die schmucklose Bühnenwand frei. Volle Aufmerk­samkeit genießt die Erscheinung Ariodantes in kompletter Ritter­rüstung, aus der er von den Höflingen heraus­ge­schält wird. Und dann steht er oder sie da. Cecilia Bartoli gibt mit kurzem Haar und Bart einen attrak­tiven, streit­baren Jüngling ab.

Der erste Effekt dieser subtilen Insze­nierung von Christof Loy sitzt. Stimmlich zeigt sich die Mezzo-Sopra­nistin von der besten Seite. Sicher und klar, ohne jegliches Tremolo streicht sie die Tonleitern hoch. Ohne Anstrengung gelingen leicht die Kolora­turen und anspruchs­vollen Tonsprünge. Emoti­ons­ge­ladene Szenen durch­dringt sie mit der Flexi­bi­lität und Farbe ihrer Stimme. Kopf und Brust­stimme zeigen sich fest verankert und lösen sich gleitend ab. In dieser Produktion und auch in dem harmo­ni­schen Zusam­men­spiel mit Gianluca Capuano am Pult der Musicien du Prince Monaco gelingt eine ihrer besten Leistungen in Salzburg.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Das Rollen­spiel der Geschlechter wird von Loy effektvoll in der Insze­nierung thema­ti­siert. Mann oder Frau und die verwandten Gefühls­ebenen der Geschlechter werden auch in den einge­scho­benen gespro­chenen Texten von Virginia Wolf angesprochen und auf die Bühne übertragen. So schlüpft Ariodante in das Kleid der betrü­ge­ri­schen Ginevra und betrauert symbo­lisch den Verlust deren Liebe. Ebenso bricht ihre Wut über dieses Verbrechen aus. Hinfort mutiert er zur Frau. So erscheint Bartoli im dritten Akt in bekannter Haarpracht und ohne Bart und streitet für die Unschuld der reinen Ginevra im langen Kleid mit Stiefeln. Ginevra hingegen streift sich den Mantel des verloren geglaubten und so innig geliebten Ariodante in ihrer Schmach über. Die Vorgänge rund um die Intrige durch­schaut sie in ihrer reinen Liebe nicht. So wird sie im Leid zum Mann, um stark zu bleiben. Mit Kathryn Lewek ist den Festspielen wieder einmal gelungen, eine ausge­zeichnete, in Europa weitgehend unbekannte Nachwuchs­sän­gerin vorzu­stellen. Maßgeblich trägt ihre gefühls­ge­ladene und technisch ausba­lan­cierte Leistung zum Erfolg der Produktion bei. Ihre volle und höhen­si­chere Sopran­stimme erlaubt ihr feinst angelegte Pianissimi, kraft­volle Ausbrüche der Erregung und ein Wechsel­spiel der emotio­nalen Färbung.

Rolando Villazón übernimmt in dieser Wieder­auf­nahme zu den Sommer­fest­spielen die Rolle von Lucarnio. Die stimm­liche Heraus­for­derung ist auf die Mittellage begrenzt und kommt ihm so sehr gelegen. Mit gewohnter Inbrunst und viel Einsatz spielt er seinen Part. Seine Freude, auf der Bühne zu sein, überträgt sich auf das Publikum. Die Trauer um den verlo­renen Bruder und die Wut auf dessen vermeintlich verrä­te­rische Verlobte wirkt so ergreifend wie die kompro­misslose Anbetung von Dalinda. Hier zeigt die Französin Sandrine Piau trotz zarter Statur die verschie­denen Facetten ihrer Stimme, die auch mit Volumen punktet und sich streng und trocken im Timbre von der warmen Stimme Leweks abhebt.

Foto © Monika Rittershaus

Der Counter­tenor Chris­tophe Dumaux lebt mehr als überzeugend die Rolle des unheil­vollen Bösewichts Polinesso. Es ist ein Vergnügen, seiner Mimik und Gestik zu folgen. Giftig stichelnd setzt er seine Stimme ein und bringt sein gemeines Spiel durch. Aber sein Counter kann auch lyrisch und sein Volumen im geschmei­digen Crescendo beein­drucken. Die Sänger­leistung rundet Nathan Berg als majes­tä­ti­scher König von Schottland ab. Seine Bassstimme kommt gereift voll und weich timbriert aus seiner langen schlanken Gestalt heraus, die kein solches Volumen erwarten lässt.

Die Musiciens du Prince Monaco wachsen als Ensemble immer mehr zusammen und bilden einen homogenen Klang­körper mit ihren Origi­nal­in­stru­menten und der frischen Spiel­weise. Ihr musika­li­scher Leiter Gianluca Capuano lockt aus den Solisten viel Schwingung für die anspruchs­volle und zukunfts­wei­sende Kompo­sition Georg Friedrich Händels. Die Arien sind mit einer roman­tisch anmutenden, modernen Orches­trierung unter­liegt, barocke Trans­parenz wird mystisch verschleiert. Tänze­risch locker und leicht gestaltet Capuano die Ballett­szenen, ohne rhyth­mische Exaktheit außer Acht zu lassen. Den Sängern bietet er Freiraum, aber die Präsenz der Orches­ter­be­gleitung bleibt spürbar und entwi­ckelt einen üppigen Ausfluss von sympho­ni­schen Passagen. Eine spannungs­ge­ladene musika­lische Inter­pre­tation, die über den gesamten Abend erhalten bleibt.

Das Publikum feiert die vielge­lobte Produktion und besonders seine Lieblinge. Salzburg festigt erfolg­reich in diesem Sommer seine Reputation als führendes inter­na­tio­nales Festival.

Helmut Pitsch

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