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Foto © Andreas Kolarik

Talentsuche auf hohem Niveau

AWARD CONCERT WEEKEND
(Dirigen­ten­nach­wuchs­wett­bewerb)

Besuch am
4. bis 6. August 2017
(Einmalige Aufführung)

 

Salzburger Festspiele, Young Conductors Award, Felsenreithalle
Meiningen

Seit nunmehr acht Jahren engagieren sich die Salzburger Festspiele für die quali­täts­volle Talent­suche und Nachwuchs­för­derung. Im Rahmen des alljähr­lichen Festivals ist ein Nachwuchs­di­ri­gier­wett­bewerb, in feinem Öster­rei­chisch Young Conductors Award, in das Festspiel­pro­gramm – mit je einem Konzert der drei Finalisten ein fester, vom Publikum begehrter Programm­bau­stein – instal­liert worden. Wer möchte nicht dabei sein, vielleicht einen aufge­henden neuen Stern am Dirigen­ten­himmel zu entdecken? Ein Geld-Preis und das Dirigat eines offizi­ellen Festspiel­kon­zertes locken junge Talente. 67 Kandi­daten aus fünf Konti­nenten haben sich in diesem Jahr beworben. Daraus hat die Jury unter Vorsitz von Dennis Russell Davies sieben Kandi­daten für einen Probentag im Mai nach Salzburg einge­laden und daraus drei Bewerber für das Finale ausgewählt.

Im Programm der Finalisten mit der Camerata Salzburg finden sich dieses Jahr je ein sympho­ni­sches Werk der Klassik, ein zeitge­nös­si­sches kammer­mu­si­ka­li­sches Werk, eine Konzertarie von Wolfgang Amadeus Mozart sowie ein weiteres Orches­terwerk. Mitglieder des alljähr­lichen Young Singers Project bekommen die Gelegenheit als Gesangs­so­listen mitzuwirken.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Publikum     
Chat-Faktor     

Marie Jacquot, 1990 in Paris geboren, kann bereits eine breite Dirigier­er­fahrung an verschie­denen deutschen Opern­häusern nachweisen. Sie eröffnet ihr Konzert mit einer feinen, zurück­hal­tenden Inter­pre­tation von Claude Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune. Mit dem stimm­kräf­tigen Tenor Jamez McCorkle folgt eine gefühl­volle Darstellung der Konzertarie Per Pietà, non ricercate. Spannend wird die Begegnung mit dem Werk Rescousse (Margi­nalia) des Franzosen Gérard Pesson, der 1958 geboren ist. Das zeitge­nös­sische Stück bezeichnet er selbst als eine Reflexion über das Tempo. Für den Zuhörer eine hörbare Entde­ckungs­reise zu Tempi, zur Wirkung der Langsamkeit und einer Art Weltmusik mit Hindu‑, griechi­schen oder arabi­schen Rhythmen. Hier wirkt der exakte, werktreue Dirigierstil Jacquots verstärkend in der Umsetzung. Im Schluss­stück des Konzertes, der Jupiter­sym­phonie von Wolfgang Amadeus Mozart, klebt sie förmlich an der Partitur ohne eigene Kreati­vität. Crescendi können nur im wuchtigen Fortissimo enden. Leblos pauscha­liert bleibt am Ende die Wirkung auf das Publikum.

Kerem Hasan ist 1992 in London geboren. Er hat in Schottland und Weimar studiert und ebenfalls einiges an Konzert­er­fahrung vorzu­weisen. Mit der Ouvertüre zur Ballett­pan­tomime La Mort d’Orphée von Franz Ignaz Beck, einem Vertreter der Mannheimer Schule, hat Kerem Hasan ein weithin unbekanntes, aber wohlfeiles Orches­ter­stück ausge­wählt und muss sich so geschickt nicht gleich zu Beginn an bekannten Inter­pre­ta­tionen messen lassen. Mit der Konzertarie Basta vincesti – Ah non lasciarmi, no unter Mitwirkung der stimmlich bestens dispo­nierten Sopra­nistin Anne-Fleur Werner baut er eine Stimmungs­brücke zum Publikum auf. Bei dem effekt­vollen, rhyth­misch anspruchs­vollen Werk Try für Kammer­or­chester von Andrew Norman, geboren 1979, folgt die Camerata gebannt dessen schöp­fe­ri­scher Kreati­vität und klang­lichen Verfrem­dungen. Als Abschluss gelingt Hasan eine subtile, fein ausge­feilte und lebendige Inter­pre­tation der vierten Symphonie von Ludwig van Beethoven. Seine elegante direkte Körper­sprache, seine direkte Ansprache inklusive Augen­kontakt mit den Musikern reißt die zu einer heraus­ra­genden Ausführung des Werkes mit. Einfühlsam gestaltet der Dirigent die Lautstärke, feine Piano schwellen wohldo­siert zu Forti, ohne zu erschlagen. Das Tempo ist schwungvoll und sehr konse­quent. Das Publikum kann sich dem nicht entziehen und leistet bereits einen Zwischen­ap­plaus nach dem ersten Satz sowie einen eupho­ri­schen Schlussapplaus.

Marie Jacquot – Foto © Andreas Kolarik

Als letzter Finalist tritt Nuno Filipe Coelho Silva, geboren 1989 in Portugal, an. Er eröffnet sein Konzert mit einer gefühl­vollen Inter­pre­tation von Franz Schuberts fünfter Symphonie in B‑Dur.  Unter seinem Dirigat fällt wieder der intensive Augen­kontakt mit den Musikern und seine direkte Gestik bei sonst ruhiger Körper­sprache auf. Er kitzelt Rhythmen, Tonläufe und Lautstär­ken­ver­än­derung intensiv heraus, bei der Wahl des Tempos bleibt er schleppend. Carrie-Ann Williams hat einen überaus kräftigen drama­ti­schen Sopran, den sie auch mit Engagement einsetzt, teilweise überdreht, sodass die Höhe im Ton brüchig wird. Mehr Gefühl für die Arie Alcandro, io confesso – Non so d’onde viene zeigt der Dirigent, der das Orchester trans­parent, leicht tänze­risch mehr dem Geschehen nähert, ohne den Gesang zu überdecken. Eine intel­li­gente Auswahl hat Coelho bei dem zeitge­nös­si­schen Werk getroffen. Sein Landsmann Luis Tinoco kompo­nierte seinen Canto para Timor Leste für vierzehn Streicher. Das 1999 urauf­ge­führte Werk ist der leidvollen Geschichte der ehemals portu­gie­si­schen Kolonie Osttimor und der brutalen indone­si­schen Besatzung gewidmet. Trauer und Leid bestimmen den elegi­schen Fluss; wenig Melodie, aber Harmonie bestimmt das Werk, das von den Instru­men­ta­listen einfühlsam und technisch sicher unter exaktem Taktschlag wieder­ge­geben wird. Als Ausklang wird es noch mitreißend schwungvoll mit den folklo­ris­ti­schen Klängen Zoltan Kodalys Tänzen aus Galanta. Hier finden der junge Dirigent und die Camerata Salzburg in der Spiel­freude und der expres­siven Kraft des Werkes zusammen.

Im Anschluss an dieses Konzert verkündet die Jury nach einer kurzen Beratung ihr Urteil, und es erfolgt die feier­liche Zeremonie der Preis­ver­leihung an den verdienten Gewinner des diesjäh­rigen Wettbe­werbs: Kerem Hasan.

Aziz Shokha­kimov wurde 1988 in Taschkent, Usbekistan, geboren und hat bereits einen beein­dru­ckenden Werdegang absol­viert. Nicht nur hat er mit dreizehn Jahren bereits erste Konzerte dirigiert, mit 18 Jahren wurde er gar Chefdi­rigent des usbeki­schen Natio­nal­or­chesters. Dazu hat er verschiedene erfolg­reiche Auftritte an europäi­schen Opern­häuser gegeben. Im vergan­genen Jahr gewann er den Young Conductors Award in Salzburg und gibt nunmehr sein Preis­trä­ger­konzert gemeinsam mit dem ORF-Radio-Sympho­nie­or­chester Wien. Als Solist in Antonin Dvoraks Cello­konzert zeigt der junge Andrei Ioniță, seiner­seits Gewinner des Tschai­kowski-Wettbe­werbs 2015, seine technisch perfekte Beherr­schung des Instru­mentes. Die melan­cho­lische, slawische Färbung des Werkes, als Ausdruck des Heimwehs des Kompo­nisten, lässt er vermissen. Vielleicht mag es am unüblichen Dirigierstil des jungen Usbeken liegen. Mit vollem Körper­einsatz, in ständiger Bewegung treibt der Vorjah­res­sieger das Orchester an, ohne die Einsätze klar anzugeben oder den Taktschlag exakt durch­zu­halten. Im folgenden Werk, der tempe­ra­ment­vollen, expres­siven fünften Symphonie von Sergej Prokofjew, gelingt das Zusam­men­spiel mit dem großartig aufspie­lenden Sympho­nie­or­chester. Wie ein Solotänzer gibt er magisch Rhythmus und Gefühls­re­gungen vom Pult weiter, die Impulse werden vom Orchester aufge­sogen und umgesetzt. Frisch, exakt und farben­reich ergießt sich das mächtige Werk über die große Bühne und den Zuschau­erraum der stimmungs­vollen Felsen­reit­schule. Nicht Wucht oder Dramatik, sondern eine positive, roman­tische Gestaltung in vollem Klang prägen diese Inter­pre­tation. Das Publikum ist mitge­rissen und spendet viel Beifall für das junge, noch unbekannte Talent am Dirigier­himmel – vielleicht der nächste Stern.

Helmut Pitsch

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