O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Es ist eine richtige, schicke und coole Spaßgesellschaft von Heute: Jene jungen Menschen, die da ganz in Weiß bekleidet mit Kopfhörern schon vor Beginn der Aufführung beim Einlass auf der Bühne zwischen Bierkisten jeder für sich allein tanzen, sich mit Techno-Musik zudröhnen, Bier aus Flaschen trinken und Nikotinverdampfer benützen. Hauptsache man ist „in“ und man ist sehr narzisstisch. Deshalb tragen sie und auch die Protagonisten lässigen Schlabberlook und steile Frisuren.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Angelehnt an den Club in Torre del Lago, den Giacomo Puccini in einer baufälligen Schänke für einen kleinen Kreis von Künstlern einrichten ließ und der auch bald den Namen „Bohème-Club“ bekam, weil der Meister hier diese Oper komponierte, lässt auch Andreas Gergen La Bohème in einem solchen Etablissement, in einem großen, eher schäbigen und kalten Raum mit einer Wendetreppe im Mittelpunkt, spielen. Auch sonst hat der Operndirektor des Salzburger Landestheaters, eine Produktion im Haus für Mozart, Puccinis Meisterwerk, vergegenwärtigt und ins Heute verlegt, offenbar um die Zeitlosigkeit des Themas zu zeigen. So verwundert es nicht, dass Rodolfo seine Geschichten mit Laptop schreibt, dass immer wieder Handys im Spiel sind und am Schluss des zweiten Aktes Parpignol als tätowierter DJ erscheint, die Bühnenmusik als stampfende Techno-Musik über Lautsprecher kommt und sogar Puccini etwas übertönt. Das ist einigen Zuschauer wohl zu viel und sie reagieren zum Pausenapplaus mit einigen Buhrufen.
Unterstützt von Projektionen von dem vielbeschäftigten Duo Momme Hinrichs und Torge Moller, die auch für das praktikable und schnell verwandelbare Bühnenbild von teils suggestiv ausgeleuchteten Häuserkulissen, verantwortlich sind, werden aber auch magische Momente erzeugt: Etwa wenn Rodolfo am Schluss des ersten Aktes sein Soave fanciulla anstimmt und gemeinsam mit Mimi an der Spitze der Wendeltreppe steht, in violettfarbenes Licht getaucht, von Schneeflocken umschwirrt, wie schwebend und losgelöst von aller Erdenschwere. Beeindruckend ist auch die Verwandlung zum zweiten Bild, wo ein tiefer Raum mit der mehrstöckigen Kulisse des Café Momus zum Vorschein kommt.

Aber trotz der zeitgemäßen Bilder gibt es auch Brüche, denn der Chor erscheint in alten, schwarzen Kostümen, die Regina Schill kreiert hat, fast wie Untote aus einer anderen Zeit und Welt. Symbolhaft lässt man die Farbe Schwarz für die traditionelle, alte Welt und Weiß für die junge stehen. Gergen bleibt aber trotz aller Modernität beinahe immer am Libretto. Er erzählt die Geschichte klar, lässt den Witz nicht zu kurz kommen, führt Protagonisten ungemein detailliert und ideenreich und lässt jede Menge ergreifende Gefühle zu, wie etwa bei der Sterbeszene, die unter die Haut geht und zu Tränen rührt.
Das Ensemble macht da voll mit und ist von hoher Qualität: Süß, feinsinnig, nuancenreich und ergreifend ist die Mimì der Shelley Jackson mit ihrem ausgesprochen schönen Sopran. Luciano Ganci ist ein Rodolfo, der mächtig auftrumpfen kann, von Spitzenton zu Spitzenton segelt und über ein schönes Tenormaterial verfügt. Glasklar und sauber ist auch die kokette Musetta der Hailey Clark zu vernehmen. Warmstimmig und weich, speziell in der Höhe singt David Perschall den Marcello, der anfänglich an einem weiblichen Akt Bodypainting durchführt. Etwas blass wirkt Elliot Carlton Hines als Schaunard, mit profundem Bass hört man Raimundas Juzuitis als Colline, der immer wieder eine Anonymus-Maske aufsetzt. Franz Supper ist ein stimmgewaltiger Parpignol. Der Chor und Kinderchor des Theaters singen sehr ambitioniert.
Viele subtile Feinheiten, aufblühende Kantilenen und leuchtende Farben hört man beim Mozarteum-Orchester Salzburg unter der exzellenten Dirigentin Mirga Grazinyte-Tyla. Kein Wunder, dass sie immer wieder für verschiedene Spitzenpositionen europaweit genannt wird. Sie war mehrere Jahre Musikdirektorin des Landestheaters und wurde mittlerweile zur Chefdirigentin in Birmingham ernannt.
Am Ende gibt es vom Publikum großen Jubel und nur ganz kleine, kaum hörbare Missfallenskundgebungen.
Helmut Christian Mayer