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LA DONNA DEL LAGO
(Gioachino Rossini)
Besuch am
4. Juni 2017
(Premiere)
Cecilia Bartoli hat in den letzten Jahren das Programm der Pfingstfestspiele künstlerisch auf sich zugeschnitten, und ihre treuen Anhänger pilgern nach Salzburg, um Ihre Aufwartung zu machen. Dazu passt, dass ihr Geburtstag am 4. Juni oft genug auch im Rahmen der Festspiele gefeiert wird. Mit ihrem italienischen Temperament, ihrem natürlichen Charme und Humor und natürlich ihrem künstlerischen Können gewinnt sie immer wieder die Herzen ihres Publikums und hat so die Entwicklung des Starkultes um ihre Person unterstützt. Das diesjährige Programm steht unter dem Motto einer romantischen Traumreise ins mystische Schottland.
Ein Arienkonzert führt in den Norden mit dem mächtig aufspielenden Waliser Bryn Terfel im Monolog des fliegenden Holländers als auch des dem Wahnsinn verfallenen Macbeth. Dessen machthungrige skrupellose Gattin meistert dramatisch Tatjana Serjan. Ebenso im stürmischen, kriegerischen Schottland spielt die selten gespielte Oper La Donna del Lago von Giacchino Rossini. Dieses 1819 entstandene Werk stellt hohe, geradezu artistische Ansprüche an die Sänger und Sängerinnen und ist musikalisch noch sehr nah dem Barock und dem selbstdarstellerischen Gesang der Eunuchen voller Koloraturen und sportlichen Läufen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Publikum | ![]() |
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Hier fühlt sich Bartoli sichtlich wohl und gestaltet, einmal warmgelaufen, leicht und locker die Titelpartie in dieser konzertanten Aufführung. Ihre Elena springt überzeugend zwischen Momenten des Zweifelns, der Sorge, des Glücks und der Angst, umgeben von den Männern, die ihr Gefühlsleben aufwühlen. Hier überzeugt vor allem der junge Tenor Edgardo Rocha in der Rolle des Königs Giacomo, der unter falschem Namen ihre Nähe sucht. Seine frische, unverbrauchte Stimme zeigt gewaltigen Umfang, Kraft, aber auch die technische Reife, in Stimmungen zu modulieren, Klangfarben zu wechseln. Koloratur bleiben trocken und rein, ebenso öffnet sich die Stimme lyrischer Breite, wenn notwendig. Daneben tut sich Norman Reinhardt schwer, sich als Rodrigo zu behaupten. Seine Höhe ist unsicher, der Sprung ein Akt der Konzentration, der allzu oft von der Partitur gefordert wird. Nathan Berg verkörpert den gestrengen Vater Elenas. Ein sonorer, aber kleiner Bass, der aber im Haus für Mozart gut zur Geltung kommt. Virtuos und aufwühlend gestaltet Vivica Genaux mit ihrem elastischen Mezzosopran die Rolle des einzig von Elena geliebten Malcolm. Exotisch mutet die musikalische Gestaltung ihrer Rolle an, tief brodelt ihr Gesang in komplexen Triolen und Koloraturen und explodiert in emotional stürmischen Höhen, die wohl gestaltet bleiben müssen. Die Konzentration und Anspannung ist ihr anzusehen, aber in Leistung und Gesang nicht anzumerken. In den kleineren Rollen zeigen Laura Verena Incko als Albino und Reinaldo Macias als Serano ihr Können. Der Salzburger Bach-Chor präsentiert sich als stimmgewaltiger, gut vorbereiteter und gefühlvoll agierender Stimmkörper.

Der musikalische Leiter Gianluca Capuano bleibt ein ruhiger aufmerksamer Begleiter mit den Les Musiciens du Prince Monaco. Mehr Kraft und stürmische Auseinandersetzung hätte im schottischen Hochland sicher nicht geschadet.
Sturmgewalt zeigt der tosende Applaus des Publikums am Ende, das mit standing ovations seinem Star huldigt. Lediglich die Primadonna darf allein den Applaus entgegennehmen, die weiteren Solisten dürfen nur gemeinschaftlich sich dem Publikum stellen. Zum munteren Geburtstagsständchen des Orchesters gesellt sich singend das Publikum, gerührt und berührt der Star.
Ähnlich emotionale Bilder hatten die Besucher des Jubiläumskonzertes der brillant aufspielenden Ann Sophie Mutter am Vormittag erlebt. Die Violinistin feierte ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum, geprägt von spielerischer Prägnanz ohne Routine, dafür mit menschlicher Wärme und ungebrochener Spielfreude. Gemeinsam mit großen Solisten wie Daniil Trivonov und Maximilian Hornung, aber auch mit den Stipendiaten ihrer Stiftung offerierte sie ein reizvolles Programm aus Franz Schuberts Notturno und Forellenquintett und dem solistischen Glanzstück der Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi.
Helmut Pitsch