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Foto © Marco Borelli

Pilgerfahrt zu Santa Cecilia

LA DONNA DEL LAGO
(Gioachino Rossini)

Besuch am
4. Juni 2017
(Premiere)

 

Salzburger Pfingst­fest­spiele, Haus für Mozart

Cecilia Bartoli hat in den letzten Jahren das Programm der Pfingst­fest­spiele künst­le­risch auf sich zugeschnitten, und ihre treuen Anhänger pilgern nach Salzburg, um Ihre Aufwartung zu machen. Dazu passt, dass ihr Geburtstag am 4. Juni oft genug auch im Rahmen der Festspiele gefeiert wird. Mit ihrem italie­ni­schen Tempe­rament, ihrem natür­lichen Charme und Humor und natürlich ihrem künst­le­ri­schen Können gewinnt sie immer wieder die Herzen ihres Publikums und hat so die Entwicklung des Starkultes um ihre Person unter­stützt. Das diesjährige Programm steht unter dem Motto einer roman­ti­schen Traum­reise ins mystische Schottland.

Ein Arien­konzert führt in den Norden mit dem mächtig aufspie­lenden Waliser Bryn Terfel im Monolog des fliegenden Holländers als auch des dem Wahnsinn verfal­lenen Macbeth. Dessen macht­hungrige skrupellose Gattin meistert drama­tisch Tatjana Serjan. Ebenso im stürmi­schen, kriege­ri­schen Schottland spielt die selten gespielte Oper La Donna del Lago von Giacchino Rossini. Dieses 1819 entstandene Werk stellt hohe, geradezu artis­tische Ansprüche an die Sänger und Sänge­rinnen und ist musika­lisch noch sehr nah dem Barock und dem selbst­dar­stel­le­ri­schen Gesang der Eunuchen voller Kolora­turen und sport­lichen Läufen.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Publikum
Chat-Faktor

Hier fühlt sich Bartoli sichtlich wohl und gestaltet, einmal warmge­laufen, leicht und locker die Titel­partie in dieser konzer­tanten Aufführung. Ihre Elena springt überzeugend zwischen Momenten des Zweifelns, der Sorge, des Glücks und der Angst, umgeben von den Männern, die ihr Gefühls­leben aufwühlen. Hier überzeugt vor allem der junge Tenor Edgardo Rocha in der Rolle des Königs Giacomo, der unter falschem Namen ihre Nähe sucht. Seine frische, unver­brauchte Stimme zeigt gewal­tigen Umfang, Kraft, aber auch die technische Reife, in Stimmungen zu modulieren, Klang­farben zu wechseln. Koloratur bleiben trocken und rein, ebenso öffnet sich die Stimme lyrischer Breite, wenn notwendig. Daneben tut sich Norman Reinhardt schwer, sich als Rodrigo zu behaupten. Seine Höhe ist unsicher, der Sprung ein Akt der Konzen­tration, der allzu oft von der Partitur gefordert wird. Nathan Berg verkörpert den gestrengen Vater Elenas. Ein sonorer, aber kleiner Bass, der aber im Haus für Mozart gut zur Geltung kommt. Virtuos und aufwühlend gestaltet Vivica Genaux mit ihrem elasti­schen Mezzo­sopran die Rolle des einzig von Elena geliebten Malcolm. Exotisch mutet die musika­lische Gestaltung ihrer Rolle an, tief brodelt ihr Gesang in komplexen Triolen und Kolora­turen und explo­diert in emotional stürmi­schen Höhen, die wohl gestaltet bleiben müssen. Die Konzen­tration und Anspannung ist ihr anzusehen, aber in Leistung und Gesang nicht anzumerken. In den kleineren Rollen zeigen Laura Verena Incko als Albino und Reinaldo Macias als Serano ihr Können. Der Salzburger Bach-Chor präsen­tiert sich als stimm­ge­wal­tiger, gut vorbe­rei­teter und gefühlvoll agierender Stimmkörper.

Foto © Marco Borelli

Der musika­lische Leiter Gianluca Capuano bleibt ein ruhiger aufmerk­samer Begleiter mit den Les Musiciens du Prince Monaco. Mehr Kraft und stürmische Ausein­an­der­setzung hätte im schot­ti­schen Hochland sicher nicht geschadet.

Sturm­gewalt zeigt der tosende Applaus des Publikums am Ende, das mit standing ovations seinem Star huldigt. Lediglich die Prima­donna darf allein den Applaus entge­gen­nehmen, die weiteren Solisten dürfen nur gemein­schaftlich sich dem Publikum stellen. Zum munteren Geburts­tags­ständchen des Orchesters gesellt sich singend das Publikum, gerührt und berührt der Star.

Ähnlich emotionale Bilder hatten die Besucher des Jubilä­ums­kon­zertes der brillant aufspie­lenden Ann Sophie Mutter am Vormittag erlebt. Die Violi­nistin feierte ihr 40-jähriges Bühnen­ju­biläum, geprägt von spiele­ri­scher Prägnanz ohne Routine, dafür mit mensch­licher Wärme und ungebro­chener Spiel­freude. Gemeinsam mit großen Solisten wie Daniil Trivonov und Maximilian Hornung, aber auch mit den Stipen­diaten ihrer Stiftung offerierte sie ein reizvolles Programm aus Franz Schuberts Notturno und Forel­len­quintett und dem solis­ti­schen Glanz­stück der Vier Jahres­zeiten von Antonio Vivaldi.

Helmut Pitsch

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