O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Thomas Aurin

Großes Opernkino

LADY MACBETH VON MZENSK
(Dmitri Schostakowitsch)

Besuch am
5. August 2017
(Premiere am 2. August 2017)

 

Salzburger Festspiele, Großes Festspielhaus

Zwei Jahre nach der Urauf­führung von 1934 besuchte Stalin eine Vorstellung von Lady Macbeth von Mzensk in Moskau. Zur Pause verließ er wutent­brannt das Bolschoi-Theater. Zwei Tage danach erschien in der Zeitung Prawda der berühmt-berüch­tigte Artikel Chaos statt Musik. Damit fiel die Oper in Ungnade. Und es wurde damit nicht nur gegen den Kompo­nisten bis zu dessen Lebens­ge­fährdung mobil­ge­macht – er wurde mehrfach verhört und lebte in ständiger Todes­angst – sondern der Artikel wurde zu einem Verdikt gegen jedwede avant­gar­dis­tische Moderne.

Auch heute noch kann man im Klangbild die Provo­kation des Kompo­nisten spüren. Dmitri Schost­a­ko­witsch reiht in acht Bildern kalei­do­skop­artig gesell­schafts­kri­tische und biogra­fische Szenen anein­ander, die vom Schicksal der auch sexuell frustrierten Kaufmanns­gattin Katerina Ismailowa handeln. Die wird von ihrem despo­ti­schen Schwie­ger­vater drang­sa­liert. Ihr schwacher Mann ist ein Weichei, weshalb sie in einer leiden­schaft­lichen Liebe zu einem Arbeiter entbrennt, die sie schließlich zur mehrfachen Mörderin werden lässt.

Spekta­kulär ist die Kulisse im Großen Festspielhaus, wo dieser Plot von Sex and Crime abläuft, die einem renom­mierten Filmstudio zur Ehre gereichte.  Harald B. Thor schuf einen mehrstö­ckigen, sehr tristen, postso­zia­lis­ti­schen Innenhof einer Fabrik inklusive Arbei­ter­woh­nungen aus abbrö­ckelndem Beton und zerbro­chenen Fenstern mit Treppen und Galerien. Der herun­ter­ge­kommene Bau ist mit allen nur erdenk­lichen Details ausstaf­fiert.  Wie aus einer Schublade kann von links das komfor­table und geradezu luxuriös wirkende Schlaf­zimmer der Katerina heraus­fahren, wo sie sich schrecklich langweilt bis Sergej in ihr Leben tritt. Von rechts fährt das Betriebs­kontor heraus, wo ihr Ehemann Sinowi sitzt und sich meistens betrinkt, oder eine Polizei­wachstube. Diese beiden Elemente können sich auch verzahnen und wirken wie aus einer überdi­men­sio­nalen Puppen­stube. Die passenden, prakti­kablen Kostüme wurden von Tanja Hofmann erdacht.

POINTS OF HONOR

Musik     
Gesang     
Regie     
Bühne     
Publikum     
Chat-Faktor     

Man merkt sofort, dass Andreas Kriegenburg vom Schau­spiel kommt. Er will die Ausweg­lo­sigkeit der Katerina zeigen, die gewohnt ist zu kuschen. Ihre Seelen­täu­schungen und Träume werden während der Zwischen­mu­siken gezeigt, indem die Kulisse in mystisch blaues Licht getaucht wird, wodurch mit Hilfe der Video­technik die Fassaden zu verschwimmen scheinen. Sie scheint bei ihren Visionen alles Mögliche zu sehen, so etwa kopulie­rende Paare. Kriegen­burgs Insze­nierung ist psycho­lo­gisch präzise gearbeitet. Er weiß auch die Chormassen profes­sionell zu führen. Erst im letzten Bild wird er jedoch ziemlich platt, wenn die beiden Frauen statt in den Fluss zu gehen, plötzlich als erhängte Puppen an einem Geländer baumeln.

Foto © Thomas Aurin

Nina Stemme singt die Titel­rolle mit enormer Kraft und vielen Farben und setzt sich mühelos gegen die Orches­ter­wogen durch, hat aber nichts Heroinen­haftes. Sie ist auch schau­spie­le­risch großartig. Ein zwischen provo­kantem Drauf­gän­gertum und gespielten Schmei­che­leien changie­render Arbeiter Sergej, wie es eben die Rolle glaubhaft erfordert, ist Brandon Jovanovich mit tollem, glänzendem tenoralem Material. Als Katerinas Schwie­ger­vater Boris, der sich gerne in eine Parfum­wolke hüllt, besticht Dmitry Ulyanov mit mächtigem Bass. Er kann seine Geilheit gegenüber Katerina kaum bezähmen. Mit sehr engem Tenor hört man hingegen Maxim Paster als schwäch­lichen Ehemann Sinowi, der ständig zur Flasche greift, aber exzellent ins Rollenbild passt. Rundherum finden sich haupt­sächlich russische oder slawische Sänger mit idealer Diktion, bei denen wie beim fulminant und klang­prächtig aufsin­genden Wiener Staats­opernchor, dessen Einstu­dierung Ernst Raffels­berger wieder bewährt besorgt hat, eigentlich kein Mangel feststellbar ist. Hervor­ste­chend aus dem großen Ensemble sind Andrei Popov als der Schäbige, Stanislav Trofimov als Pope, Alexey Shish­lyaev als Polzeichef und Ksenia Dudnikova als Sonetka, mit der sich Sergej zum Schluss auf dem Weg nach Sibirien letztlich vergnügt.

Eine wunderbare Klang­pracht besorgt auch Mariss Jansons, der zur Urfassung der Oper gegriffen hat und erstmalig in Öster­reich Oper dirigiert. Ein Genre, das er ja bekann­ter­maßen aus gesund­heit­lichen und zeitlichen Gründen sehr klein hält. Aber nicht nur das, denn durch den enormen, tiefgrün­digen Klangsinn des letti­schen Maestros erklingen bei den Wiener Philhar­mo­nikern ein betörendes Melos, aber auch exzessive Rhythmik. Pathe­tische Lyrik wechselt mit Groteskem, illus­trative Vulga­rität mit parodis­ti­scher Überspitzung des erst 24-jährigen Schost­a­ko­witsch. Vor allem die Zwischenakt­mu­siken sind von drasti­scher Schärfe, ja geradezu zermal­mender Energie. Jansons ist das Kraft­zentrum der Produktion und beschert ein überwäl­ti­gendes Klangereignis.

Vom Publikum im vollen Saal gibt es begeis­ternde Zustimmung, viel Applaus und lautstarken Jubel.

Helmut Christian Mayer

Teilen Sie O-Ton mit anderen: