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Die fünf Tage von Mailand vom 18. bis 22. Mai 1848, die österreichische Besetzung, der Freiheitskampf der Italiener und Luchino Visconti mit seinem Film Senso haben für diese Interpretation dem französischen Regisseur Arnaud Bernard als Ideengeber Pate gestanden. Manch einer der zahlreichen deutschstämmigen Besucher der Arena von Verona mag sich auch an die berühmten Sissi-Filme von Heinz Marischka erinnern.
Rund um das ehrwürdige Mailänder Opernhaus, dem Teatro alla Scala, als auch drinnen im prachtvollen Bühnenraum spielt sich das Geschehen von Giuseppe Verdis beliebter und vielgespielter Oper Nabucco ab. Der Freiheitskampf eines unterjochten Volkes genauso wie die politisch verbotene Liebe zweier junger Menschen stellen das Thema dar. Im Libretto sind es Ismaele, ein Kämpfer und Führer der unterdrückten Hebräer und die Königstochter Fenena der herrschenden Assyrer, deren König Nabucco dem Werk den Titel gibt. An diesem Abend in der Inszenierung von Arnaud Bernard heißt der König zwar Nabucco im Libretto, dargestellt wird aber im historischen Bezug Kaiser Franz Joseph in eleganter österreichischer Uniform mit Orden und rot-weiß-roter Schärpe. Überdimensionale Fahnen der Habsburger Monarchie, der Doppeladler auf gelbem Grund konkurrieren mit der Trikolore, der grün-weiß-roten Flagge Italiens. Die Hebräer sind elegante Mailänder Bürger mit den hohen Zylindern und Koteletten, wie es zu der Zeit Mode war, umringt von italienischen Uniformierten des Risorgimento, historisch gesehen gibt es die aber erst 20 Jahre später.
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Eindrucksvoll und herausragend dominiert das Bühnenbild von Alessandro Camera. Auf der Drehbühne steht die Eingangsfront des Teatro alla Scala in seiner bekannten Ansicht mit Balkon, dazu reihen sich im ersten Bild Verteidigungswälle aus aufgetürmtem Mobiliar. Vor dem Platz marschieren die österreichischen Truppen zu Fuß und zu Pferde auf. Der Kaiser fährt stilecht in der zweispännigen Kutsche vor. All der notwendige Pomp wird für die beliebten Massenszenen der Arena aufgeboten, aber es passt und wird nie zu viel oder zu üppig. Die Personenregie von Arnaud Bernard kommt mit den vielen Statisten und Choristen meisterhaft zurecht. Der Ablauf ist flüssig und filmreif spannend. Nabucco wird nicht vom Blitz getroffen, sondern fällt einem politischen Attentat zum Opfer. Ohne schwierige Umbauten dreht sich die Bühne, und wir befinden uns im Palast anstatt der hängenden Gärten. Die machthungrige Abigaille, die in Wirklichkeit adoptierte Sklavin Nabuccos übernimmt die Macht, bildhaft vor den Assyrern auf den großen Tisch steigend.
Viel Szenenapplaus gibt es für das erste Bild des dritten Aktes. Im prächtigen Zuschauerraum der Mailänder Scala nimmt Abigaille die Huldigungen der Assyrer entgegen. Der totgeglaubte Nabucco tritt dem Wahnsinn verfallen vor das Volk. Danach kommt der szenische und erzählerische Bruch. Nunmehr spielt die restliche Handlung als Theater im Theater. Die Hebräer erscheinen in typischen wallenden Gewändern auf der Bühne der Scala und singen den berühmten Gefangenenchor. Die italienischen Zuschauer auf den Rängen stimmen als Affront gegenüber den im Parkett sitzenden Österreichern mit ein. Die italienische Flagge wird aus den Logen gehisst und rot-weiß-grüne Flugzettel flattern von der Galerie. Der Aufstand tobt. Auch ein weißes Tuch mit der Aufschrift VERDI, historisch nicht nur der Name des Komponisten, sondern auch die Abkürzung für Vittorio Emanuelle Re d‘Italia darf da nicht fehlen. Leider geht in dem begleitenden Gestürme der tatsächliche Handlungsablauf der Oper zum Ende hin verloren.

Musikalisch gestaltet Jordi Bernacer den Abend schwungvoll italienisch, aber zeichnet die melodischen Themen schwammig. Die Einsätze der Bläser könnten markanter sein, um den Ausdruck der kriegerischen Szenen zu untermauern. Da reichen die vielen Kanonensalven und Platzpatronen der Regie nicht aus.
Gesanglich ist der Abend von einem gut aufgestellten Ensemble geprägt. Boris Statsenko ist ein routinierter Bariton mit sonorem Timbre, aber kraftvoller Mitte und Höhe. Sein Nabucco ist kaiserlich als Habsburger in Uniform und volksnah mildtätig als erkennender Assyrer. Mikheil Sheshaberidze legt zu Beginn Druck auf seine feine, ausgeglichene Stimme, entwickelt aber im Laufe des Abends warmes Timbre, romantische Klangfarbe und kunstvoll phrasierte Höhen. Nino Surguladze ist ein sicherer Sopran, bleibt in der Rolle der Fenena aber farblos. Anna Pirozzi zeigt ihr schauspielerisches Talent als Abigaille. Aber auch ihre Stimme kann sich hören lassen. Dramatik und Lyrik gelingen ihr, und mit den Ansprüchen der Arena-Akustik kommt sie am besten zurecht. In Sung Sim verfügt über einen sonoren Bass, der Melodien zum Leben bringen kann. Sein Zaccaria berührt und überzeugt. Der große Chor der Arena di Verona ist von Vito Lombardi gut vorbereitet und spielt fleißig mit.
Der Wettergott zeigt sich gütig an diesem Abend der streitbaren Religionen. Öffneten sich kurz vor der Aufführung noch die Wolken und Regen prasselte nur so herunter, bleibt der Abend trocken mit fernem Donnergrollen und einem prachtvoll leuchtenden, aufsteigenden Mond, der die Bühne zusätzlich geheimnisvoll ausleuchtet. Arena, wie die Zuschauer sie lieben, ein Spektakel, wie sie es erwarten.