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KÁTJA KABANOVÁ
(Leoš Janáček)
Besuch am
21. April 2017
(Premiere am 17. Juni 2011)
Emotionslos zieht sie ihr den Ehering vom Finger, bevor sie der toten Kátja Kabanová, die nach ihrem Freitod soeben aus dem Fluss Wolga gefischt wurde, auch noch einen verächtlichen Fußtritt verpasst: So böse und grausam ist an der Wiener Staatsoper die Kabanicha gezeichnet. Aber nicht nur in der finalen Szene, sondern während der gesamten Geschichte terrorisiert sie unentwegt ihren Sohn und ihre Schwiegertochter. Kurz vor dem Selbstmord taucht sie noch als dunkle, bedrohliche Vision gemeinsam mit Dokoj und Tichon bei der zwischen ehelicher Treue und sexueller Leidenschaft hin- und her gerissenen Titelheldin auf. Sie ist aber auch ungemein bühnenpräsent, wird sie doch von Jane Henschel interpretiert, die jedoch vom Stimmmaterial vielleicht schon etwas abgesungen wirkt.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Neben ihr ist die Titelheldin in Leoš Janáčeks Oper, die neben Jenufa als seine bedeutendste Bühnenschöpfung gilt, mit Angela Denoke auch eine großartige Singschauspielerin. Sie spielt und singt die Titelpartie mit großer Intensität und Emphase, stößt jedoch stimmlich immer wieder an ihre Grenzen, besonders quält sie in den Höhen, die auch nicht immer ganz intonationsrein sind. Trotzdem kann sie mit ihrem Schlussmonolog packend faszinieren. Dan Paul Dumitrescu singt einen stimmgewaltigen, tyrannischen aber etwas zu wenig bösen Dikoj, der sich ganz gerne von der Kabanicha, in diesen beiden spiegelt sich der Absolutismus des Zarenreiches wider, lustvoll geißeln lässt. Margaret Plummer als Varvara verströmt vitalen, lasziven Wohlklang. Die drei Tenöre, der Lehrer Kudrjas Thomas Eisenstein, Leonardo Navarroals Muttersöhnchen Tichon, als Symbol für das willenlos gehorchende Volk und die weiche russische Seele, und Misha Dydik als der jugendliche Verführer Boris, vor allem letzterer, gefallen mit schönem Material und Ausdruck. Exzellent und sehr homogen hört man den Chor des Hauses unter der Leitung von Stefan Ragusini.

Janáčeks Musik ist von durchwegs mitreißender, überwältigender Schönheit und Ausdruckskraft. Dunkel gefärbt malt sie Gefühle in die Seelen der Personen, schildert die Natur und ihre Gewalten. Sie ist ungehemmte Kraft und Reinheit des menschlichen Einfühlungsvermögens. Und so wird sie auch vom Orchester der Wiener Staatsoper unter Tomás Netopil interpretiert, der in seiner ohne Pause gezeigten Fassung ziemlich am Original – die Uraufführung war 1921 – der vielfach umgearbeiteten Oper bleibt: Mit feinster Dynamik und einer Vielfalt an Klangvaleurs von zartesten Pastelltönen bis hin zu den schneidenden Mini-Motiven, deren Dramatik und Intensität jedoch teilweise noch zugespitzter und intensiver hätten sein können.
Die Figuren in der Inszenierung von André Engel pendeln zwischen Sehnsucht und Hoffnungslosigkeit, es ist ihnen unmöglich, der völlig erstarrten Tradition und dem Psychoterror der Alten zu entfliehen. Da wird Elend und Doppelmoral zum tauglichen Lebensprinzip. Wie so oft in seinen Regien verlegt der französische Regisseur die Handlung räumlich und zeitlich. Und zwar ins New York der 1950-er Jahre in eine Art Little Russia, was für den Plot eigentlich nicht viel bringt. So akzentuiert er jedenfalls den Generationenkonflikt. Hauptsächlich herrscht jedoch unaufdringliche Konvention mit Freude im Detail vor, der es etwas an suggestiver Kraft fehlt. Das alles wird in hübschen, naturalistischen Bildchen gezeigt. Von der besungenen Natur ist allerdings wenig zu sehen. Die Selbstmordszene wird zudem eher beiläufig und wenig packend inszeniert.
Kurzer, heftiger Applaus, der besonders bei der Titelheldin in Jubel anschwillt.
Helmut Christian Mayer