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Foto © Michael Pöhn

Kátja leidet und stirbt in New York

KÁTJA KABANOVÁ
(Leoš Janáček)

Besuch am
21. April 2017
(Premiere am 17. Juni 2011)

 

Wiener Staatsoper

Emoti­onslos zieht sie ihr den Ehering vom Finger, bevor sie der toten Kátja Kabanová, die nach ihrem Freitod soeben aus dem Fluss Wolga gefischt wurde, auch noch einen verächt­lichen Fußtritt verpasst: So böse und grausam ist an der Wiener Staatsoper die Kabanicha gezeichnet. Aber nicht nur in der finalen Szene, sondern während der gesamten Geschichte terro­ri­siert sie unentwegt ihren Sohn und ihre Schwie­ger­tochter. Kurz vor dem Selbstmord taucht sie noch als dunkle, bedroh­liche Vision gemeinsam mit Dokoj und Tichon bei der zwischen ehelicher Treue und sexueller Leiden­schaft hin- und her geris­senen Titel­heldin auf. Sie ist aber auch ungemein bühnen­präsent, wird sie doch von Jane Henschel inter­pre­tiert, die jedoch vom Stimm­ma­terial vielleicht schon etwas abgesungen wirkt.

POINTS OF HONOR

Musik  
Gesang  
Regie  
Bühne  
Publikum  
Chat-Faktor  

Neben ihr ist die Titel­heldin in Leoš Janáčeks Oper, die neben Jenufa als seine bedeu­tendste Bühnen­schöpfung gilt, mit Angela Denoke auch eine großartige Singschau­spie­lerin. Sie spielt und singt die Titel­partie mit großer Inten­sität und Emphase, stößt jedoch stimmlich immer wieder an ihre Grenzen, besonders quält sie in den Höhen, die auch nicht immer ganz intona­ti­onsrein sind. Trotzdem kann sie mit ihrem Schluss­mo­nolog packend faszi­nieren. Dan Paul Dumit­rescu singt einen stimm­ge­wal­tigen, tyran­ni­schen aber etwas zu wenig bösen Dikoj, der sich ganz gerne von der Kabanicha, in diesen beiden spiegelt sich der Absolu­tismus des Zaren­reiches wider, lustvoll geißeln lässt. Margaret Plummer als Varvara verströmt vitalen, lasziven Wohlklang. Die drei Tenöre, der Lehrer Kudrjas Thomas Eisen­stein, Leonardo Navar­roals Mutter­söhnchen Tichon, als Symbol für das willenlos gehor­chende Volk und die weiche russische Seele, und Misha Dydik als der jugend­liche Verführer Boris, vor allem letzterer, gefallen mit schönem Material und Ausdruck. Exzellent und sehr homogen hört man den Chor des Hauses unter der Leitung von Stefan Ragusini.

Foto © Michael Pöhn

Janáčeks Musik ist von durchwegs mitrei­ßender, überwäl­ti­gender Schönheit und Ausdrucks­kraft. Dunkel gefärbt malt sie Gefühle in die Seelen der Personen, schildert die Natur und ihre Gewalten. Sie ist ungehemmte Kraft und Reinheit des mensch­lichen Einfüh­lungs­ver­mögens. Und so wird sie auch vom Orchester der Wiener Staatsoper unter Tomás Netopil inter­pre­tiert, der in seiner ohne Pause gezeigten Fassung ziemlich am Original – die Urauf­führung war 1921 – der vielfach umgear­bei­teten Oper bleibt: Mit feinster Dynamik und einer Vielfalt an Klang­valeurs von zartesten Pastell­tönen bis hin zu den schnei­denden Mini-Motiven, deren Dramatik und Inten­sität jedoch teilweise noch zugespitzter und inten­siver hätten sein können.

Die Figuren in der Insze­nierung von André Engel pendeln zwischen Sehnsucht und Hoffnungs­lo­sigkeit, es ist ihnen unmöglich, der völlig erstarrten Tradition und dem Psycho­terror der Alten zu entfliehen. Da wird Elend und Doppel­moral zum tauglichen Lebens­prinzip. Wie so oft in seinen Regien verlegt der franzö­sische Regisseur die Handlung räumlich und zeitlich. Und zwar ins New York der 1950-er Jahre in eine Art Little Russia, was für den Plot eigentlich nicht viel bringt. So akzen­tuiert er jeden­falls den Genera­tio­nen­kon­flikt. Haupt­sächlich herrscht jedoch unauf­dring­liche Konvention mit Freude im Detail vor, der es etwas an sugges­tiver Kraft fehlt. Das alles wird in hübschen, natura­lis­ti­schen Bildchen gezeigt. Von der besun­genen Natur ist aller­dings wenig zu sehen. Die Selbst­mord­szene wird zudem eher beiläufig und wenig packend inszeniert.

Kurzer, heftiger Applaus, der besonders bei der Titel­heldin in Jubel anschwillt.

Helmut Christian Mayer

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