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LADY MACBETH VON MZENSK
(Dmitri Schostakowitsch)
Besuch am
22. April 2017
(Premiere am 23. Dezember 2009)
Sie hat schon eine extrem grausige Geschichte, diese Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch: Drei Morde, einer davon besonders langsam und grausam mit Rattengift, der Selbstmord der Titelheldin zum Finale, ein Ehebruch, mehrere brutale Auspeitschungen und eine Massenvergewaltigung. Und all das lässt sie noch intensiver wirken, wenn es so drastisch gezeigt wird, wie jetzt an der Wiener Staatsoper in der Wiederaufnahme der Inszenierung von Matthias Hartmann.
Stalin liegt bei ihm am Boden. Auf seiner umgestürzten, zerbrochenen, ständig sichtbaren Büste am Bühnenrand wird gepeitscht, das Rattengift versteckt und zum Gebrauch hervorgeholt wie auch gestorben: Es sind Bilder von großer Symbolkraft, denn gerade dieser brutale Diktator der ehemaligen Sowjetunion hat nach einem Besuch von dieser Oper im Jahr 1935, die ein Jahr zuvor uraufgeführt worden war, das Werk verboten und den Komponisten Dimitri Schostakowitsch lebensgefährlichen Repressionen ausgesetzt. Denn damals galt es noch als ungehörig, Ehebruch, Vergewaltigung und Mord auf der Bühne zu zeigen sowie – und was das Schlimmste war – die staatliche Obrigkeit in Form der Polizei herabzusetzen oder gar lächerlich zu machen.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Hartmann hat die Urfassung des Werkes von 1934, die hier am Haus 2009 erstmalig gezeigt wurde – denn bisher wurde lediglich die unter dem Titel Katerina Ismailowa bearbeitete, geschönte Version der Oper aufgeführt – durchaus packend in Szene gesetzt. Die Geschichte von Sex and Crime hat er bei der jetzigen Wiederaufnahme mit krassem, drastischem Realismus inszeniert. Sie wird vom ehemaligen Wiener Burgtheaterdirektor in einem am Boden und an den Wänden mit Parkett ausgelegten, meist recht kahlen Einheitsraum mit einem großen von innen beleuchteten Bett mit durchscheinbaren Vorhängen gezeigt. Das Bühnenbild stammt von Volker Hintermeier. Lediglich die Sexszenen sind „jugendfrei“. Denn sie werden nur angedeutet oder unter einer Decke oder bloß als Schatten gezeigt.

Für die erforderliche und gewünschte spannungsgeladene, thrillerartige Atmosphäre sorgt allerdings auch Eva-Maria Westbroek, die die Katerina Ismailowa bis an ihre Grenzen auslotet. Sie ist eine unbefriedigte bis exzessive Titelheldin, die ihre Leidenschaften auslebt und noch dazu kraftvoll, expressiv und glasklar singt. Ihr Spiel und Gesang gehen unter die Haut. Wolfgang Bankl singt den despotischen und geilen, den ständig mit einer Taschenlampe als Schatten im Haus herumschleichenden Vater Boris stimmgewaltig, mit starker Präsenz und geradezu gemeiner Bösartigkeit. Carlos Osuna, der seinen schwächlichen und blassen Sohn Sinowij verkörpert, singt und spielt ihn ideal. Der Arbeiter und vom Typ her bestmögliche Verführer Sergej wird von Brandon Jovanovich mit höhensicherem, etwas zu wenig strahlendem Tenor gesungen. Zoryana Kushpler ist eine kokette, dunkelstimmige Sonjetka. Die vielen kleineren Rollen sind wie gewohnt von Ensemblemitgliedern gut bis sehr gut besetzt. Aus diesen stechen noch Rosie Aldrige als gequälte und vergewaltigte Axinja, Herwig Pecoraro als Schäbiger und Clemens Unterreiner als stimmgewaltiger Polizeichef heraus.
Das Orchester der Wiener Staatsoper unter dem souveränen und beinahe jeden Einsatz zeigenden Ingo Metzmacher zeigt mit zweimal zusätzlichen, ausgelagerten Blechbläsern auf der Bühne sehr sauber und akkurat die irreguläre Rhythmik mit schneidenden Orchesterfarben und krasser Realistik. Pathetische Lyrik wechselt mit Groteskem, illustrative Vulgarität mit parodistischer Überspitzung. Vor allem die orchestralen Zwischenspiele packen. Es entsteht teils eine Siedehitze, die den Spannungstopf zum Überkochen bringt.
Dem Publikum hat es auch uneingeschränkt gefallen. Es gibt viele bravi und starken Applaus.
Helmut Christian Mayer