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Das Regieteam um Peter Konwitschny nähert sich dem Komponisten Werner Egk und seinem Werk Peer Gynt gänzlich frei und unvoreingenommen. Anders als zum Beispiel in Konwitschnys früherer Interpretation von Wagners Meistersingern wird die Vereinnahmung von Inhalten des Werkes durch die nationalsozialistische Ideologie nicht hinterfragt. Die Oper wird vielmehr im Hinblick auf die Aktualität im heute und jetzt auf unterhaltsame, teilweise ironische Weise zur Diskussion gestellt. Ein um den Regisseur in vielen Jahren eingespielten Team mit Helmut Brade, verantwortlich für die Ausstattung, Guido Petzold für die Lichtgestaltung und Bettina Bartz für die Dramaturgie, gelingt dabei eine außerordentlich dichte, fokussierte und konzentrierte Umsetzung eines selten gespielten Werkes.
Zwei konzeptionelle Punkte stehen im Mittelpunkt: Zum einen wird die Trollwelt durch gewissermaßen ganz normale Menschen der heutigen alles umfassenden Digital- und Konsumgesellschaft verkörpert. Weiterhin werden die Partien der Gegenspielerinnen Solveig und der Rothaarigen von einer Künstlerin gegeben, die die zwei Seiten des Peer ewig reizenden Weiblichen übergangslos und darstellerisch aus einem Guss verkörpern kann. Dazu benötigt man allerdings eine außerordentlich vielseitige Sängerdarstellerin, die zwei stimmlich anspruchsvolle Partien bewältigen kann.
| Musik | ![]() |
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| Regie | ![]() |
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| Publikum | ![]() |
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Konwitschny gelingt durch knappe, auch in allen Chorauftritten konzise Personenregie eine packende und überzeugende, weitere sinnvolle Konzentration auf den Handlungsstrang der schon durch den Komponisten verkürzten und gestrafften Schauspielvorlage.
Egks Musik ist ein Kaleidoskop der Nach-Wagnerischen deutschen Musikpalette der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. In der musikalischen Struktur der Partitur sind Elemente und Klangfärbungen von Strauss, Krenek, Korngold, Weil und anderen zeitgenössischen Komponisten der Zeit zu erkennen. Weiterhin gibt es nicht wenige Jazz- und Tango-Klangfarben. Schwieriger fällt eine eigenständige Beschreibung einer autonom Egkschen musikalischen Fraktur.
Umsetzbar ist eine überzeugende Bühnenrealisation heute nur mit großartigen, intensiven Darstellern. Genau die hat das Theater an der Wien über alle Mitwirkenden in bewunderungswürdiger Weise aufzubieten.
Allen voran die wunderbare Maria Bengtsson in der Doppelrolle der Peer begleitenden und verfolgenden, gegensätzlichen Frauenrollen von Solveig und Rothaariger. Das stimmliche und dynamische Ausdrucksspektrum der Bengtsson für eine solche Doppelpartie scheint unerschöpflich, die schauspielerische Einbringung hingebungsvoll und ohne Schonung der eigenen Reserven.

Für den männlichen Counterpart ist kein besserer und versessenerer Partner als Bo Skovhus denkbar, der in nicht wenigen anderen Partien seiner Bühnenlaufbahn schon oft eine völlige stimmliche und darstellerische Verausgabung geleistet hat. Hier unvergleichlich, wie er im Schlussbild, scheinbar zur Ruhe gekommen, mit Solveig seinen Lebensabend verbringen will, jedoch von einer inneren Unrast und Besessenheit in sich selbst und in den Begegnungen mit Solveig und der Rothaarigen der nächste, ewige Ausbruch vorgezeichnet ist. Er wird die Rolle eines nicht integrierbaren Außenseiters der Gesellschaft, der er seit seiner Jugend nicht entkommen kann, solange er Lebenskraft verspürt, weiterspielen, mögen auch Sanatorium oder Irrenanstalt am Ende des Weges stehen.
Im tadellosen Ensemble, in dem jeder Mitwirkende ausnahmslos in mehreren Rollen der Handlung auftritt, sind hervorzuheben: Natascha Petrinsky als Aase sowie der Alte und der König der Trolle von Rainer Trost. Besonders überzeugend auch der stimmlich durchdringende, wenngleich auch zeitweise in seinem Auto als Todesbote akustisch unvorteilhaft platzierte Unbekannte und dann in zweiter Rolle im tropischen Wunderland in fahrbarer Badewanne sitzende, korrupte, präsidiale Würdenträger von Stefan Cerny.
Abgerundet werden die überzeugenden Leistungen auf der Bühne durch Nazanin Ezazi, Cornelia Horak, Andrew Owens, Michael Laurenz, Zoltan Nagy und Igor Bakan.
Der wie immer überzeugende und gleichzeitig engagiert-spielfreudige Arnold-Schönberg-Chor ist von Erwin Ortner auf die neuen Partien glänzend vorbereitet. Das ORF-Radiosinfonieorchester Wien unter Leo Hussain wird der Partitur mit ihren vielfältigen Anklängen an die Zeitgenossen des Komponisten in engagierter Weise mehr als gerecht.
Das Publikum bejubelt nach anfänglicher Zurückhaltung das gesamte Ensemble und mit vielen Bravi die herausragenden Leistungen von Bengtsson und Skovhus. Auch dem Regieteam wird einhellig und nachdrücklich Beifall gezollt, auch hier viele Bravo-Rufe.
Achim Dombrowski