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IL TROVATORE
(Giuseppe Verdi)
Besuch am
12. Februar 2017
(Premiere am 5. Februar 2017)
Es gibt Opern-Neuproduktionen, die schauen schon bei der Premiere alt aus. Giuseppe Verdis Il trovatore an der Wiener Staatsoper ist so ein Fall. Denn man kann sich des Gefühls nicht erwehren, diese Neuinszenierung so oder so ähnlich schon einmal oder mehrmals erlebt zu haben, vielleicht vor gut dreißig Jahren. Denn die schwer nachvollziehbare Liebestragödie um zwei Männer, die um die gleiche Frau, die schöne Leonora, buhlen, wirkt im Haus am Ring altmodisch und belanglos. Grund dafür ist die Lesart von Daniele Abbado. Als erstes transferiert er gleich einmal den Plot aus dem fernen 15. Jahrhundert, als die spanische Inquisition eingeführt wurde, in die Zeit des spanischen Bürgerkriegs vor dem Aufziehen des Faschismus und des Zweiten Weltkriegs. Warum der italienische Regisseur, Sohn des Dirigenten Claudio Abbado, der auch schon 2014 bei Verdis Don Carlos hier am Haus keine besonderen Ideen aufzuweisen hatte und scheiterte, das tut, erschließt sich nicht und macht auch keinen erkennbaren Sinn.
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Dazu ließ er sich von Ausstatter Graziano Gregori ein fleckiges Gewölbe bauen, einen Einheitsraum, der eigentlich nur beliebig, öd und trostlos wirkt. Wäre beides auch nicht so schlimm, wenn es ihm wenigstens gelänge, diese Szenerie mit dem Beleben der Charaktere, mit einer packenden und mitreißenden Personenführung, wirkungsvoll zu füllen. Das Darstellen der Emotionen, die glaubwürdige Interaktion der Protagonisten wäre gefragt. Aber die Regie erschöpft sich in abgestandenen, klischeehaften Posen. Es herrscht auf der Bühne eine Hilfs- und Ideenlosigkeit sowie eine Statik, die ans früher so beliebte und in Italien heute noch vielfach gebräuchliche alte Rampen- und Stehtheater erinnert. Speziell der Chor wird nur in steifen Tableaus arrangiert, die immer wieder zu Gruppenfotos einfrieren. Warum gerade hier so eine Regungslosigkeit bestehen muss, ist unerfindlich. Zwischendurch vermutet man sogar, man hätte den Choristen vielleicht ein Beruhigungsmittel verabreicht. Oder wenn Graf Luna singt, dass in die Wut versenge und dabei so teilnahmslos tut, als ob ihn das alles nichts anginge. Und so wirkt vieles handwerklich sehr bescheiden. Lediglich die rasch wechselnden, bunten Lichtstimmungen und das oft eingesetzte Feuer erzeugen teilweise zumindest eine gewisse Wirkung. Insgesamt lässt sich auch diesmal wieder feststellen, dass die Wiener Staatsoper im inszenatorischen Bereich mit international strahlenden Operndeutungen konsequent geizt und ihr in letzter Zeit kein großer Wurf gelungen ist.

Wie schon bei den Salzburger Festspielen 2014 und 2015, damals inszenierte Alvis Hermanis den Troubadour sinnlos und fad in einem Museum, wird auch diesmal die szenische Verlegenheit durch die Hauptrollen veredelt. Allen voran Anna Netrebko. Sie singt die Leonora mit dem ganzen Farbspektrum, delikater Legato-Kultur ihres luxuriösen Soprans, mit einer Mühelosigkeit, Leichtheit und Präzision an Koloraturen, die ihresgleichen sucht. Wunderbar ist auch der Wechsel zwischen süßen Piani und dramatischen Attacken. Ihre Arie D’amor sull‘ ali rosee im letzten Akt gerät zum Ereignis. Ihr geliebter Manrico ist Roberto Alagna mit metallischem Timbre, aber zu wenig Schmelz und Flexibilität. Auch zeigen sich immer wieder Mühen in der Höhe. Bei seiner berühmten Stretta Di quella pira reißt ihm der Spitzenton, das hohe C, den Verdi zwar nie komponiert hat, den man mittlerweile aber schon traditionell singt, ab. Viele Opernfreunde machen immer noch das Wohl und Wehe einer Aufführung dieser Oper von jenem Schlusston des Manrico abhängig. Die Rolle ist mittlerweile sicher grenzwertig für Alagna. Luciana D’Intino ist eine ungemein präsente Azucena mit dramatischer Stimmgewalt und unheimlicher Ausstrahlung. Wunderbar weich und mit extrem nobler Linienführung erklingt der Bariton von Ludovic Tézier als Graf Luna. Leider ist er darstellerisch völlig passiv gezeichnet. Von den vielen kleineren Rollen stechen besonders Jongmin Park als Ferrando hervor. Sängerisch tadellos singt auch der Chor, der von Thomas Lang einstudiert wurde, seine beliebten Nummern.
Marco Armiliato am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper betont eher die weiche, noble Seite des Komponisten ohne polternden Gestus. Er erweist sich einmal mehr als exzellenter Kapellmeister, der allerdings zu sehr an den Lippen der Diva hängt und ihr sämtliche agogische Freiheiten erlaubt, auf ihre Wünsche voll eingeht und manchmal zu sehr auf ihre Begleitung bedacht ist.
Unbeschreiblicher Jubel für die Sänger und den Dirigenten, so wie bei der Premiere, bei der es allerdings empfindliche Unmutsäußerungen für das Leitungsteam gab. Die Kartennachfrage ist enorm, alle Vorstellungen sind ausverkauft.
Helmut Christian Mayer