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SEMELE
(Georg Friedrich Händel)
Besuch am
9. Juni 2017
(Premiere am 1. Juni 2017)
Dank großzügiger Spenden und einer Stiftung ist das wirtschaftliche Fundament des Garsington Opera Festivals seit 1989 gesichert. Nach sphärischen Problemen am ersten Standort konnte im Wormsley, einem großflächigen, landschaftlich einmalig gelegenen Landsitz im Westen von London nunmehr eine neue feste Bleibe gefunden werden. Es wurde ein schlichter moderner, im Bausatz vermeintlich mobil gestalteter Theaterbau errichtet, der 500 Zuschauern Platz bietet, die rund um die Aufführungen das außerordentliche und doch typisch britisch Ambiente mit makellos geschnittenem Cricket-Platz, liebevoll gepflegten Gartenanlagen, Wildgehege und einem Teich mit Insel genießen. Natürlich ist für ausreichend Picknickplätze gesorgt, es können auch Zelte dafür gemietet werden. Der erfahrene Besucher dieser zahlreichen englischen privaten Opernfestspiele wandert, mit Schirm und Strohhut gewappnet, mit Picknickkorb, Tisch und Stuhl bepackt, zu seinem präferierten Platz, bequemer geht es mit Golfcarts und vorbestelltem Picknickkorb zum Tisch mit göttlicher Aussicht zur Einstimmung auf den musikalischen Genuss des Abends, passend ein munteres Treiben der griechischen Götterwelt.
| Musik | ![]() |
| Gesang | ![]() |
| Regie | ![]() |
| Bühne | ![]() |
| Publikum | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Der organisatorische Aufwand für die Realisierung eines solchen kleinen und doch hochwertigen Festivals, ohne jede öffentliche Unterstützung ist immens und den Organisatoren kann nur hoher Respekt gezollt werden, ebenso wie der breiten Bereitschaft der englischen Gesellschaft, als tatkräftige Förderer zu fungieren. Elitär mutet das Schauspiel dem Betrachter an, bei über vierzig Vorstellungen von fünf unterschiedlichen Produktionen, darunter ein spannendes Lehr- und Lernprojekt einer neukomponierten „Volksoper“, Silver Pirch, mit der Teilnahme 180 lokaler Laiendarsteller und Livestreams bleiben die Auslastung und der wirtschaftliche Erfolg von einer breiten Akzeptanz abhängig.
Mit Glockengeläut werden die im Park breit verstreuten Zuschauer zur Aufführung gerufen. Das Garsington Opera Orchestra, zumeist aus jungen Musikern bestehend, stimmt sich im Orchestergraben ein, die Zuschauer nehmen in den aufsteigenden Sitzreihen Platz. Sonnendurchflutet ist das Opernhaus mit seinen transparenten Wänden. Auf der Bühne sind ein paar Stühle wie in einer Kirche aufgereiht, eine Hochzeitstorte thront auf einem Tisch.

Annilese Miskimmon, die zukünftige Leiterin der Osloer Oper, hat sich für dieses barocke, bockige Götterspiel eine humorvolle, intelligente Inszenierung ausgedacht. Die betrogene, kampfeslustige Ehefrau Jupiters, Juno, spielt hier eine zentrale Rolle. Hochschwanger, von artigen kleinen Mädchen in rosa Kleidern als ihren sieben Töchtern begleitet, sind ihre Bühnenauftritte sehr dominant und füllen auch szenische Lücken sowie die Ouvertüre. Christine Rice hat ihre Rolle übernommen und verfügt dazu über großes schauspielerisches Talent. Ihr Mezzosopran ist dunkel gefärbt und in den barock ausgeschmückten Koloraturen fest und treffsicher. Die Amerikanerin Heidi Stober ist Ensemblemitglied in Berlin und gibt in der Titelrolle ihr Debüt sowohl in Garsington als auch in England. Mit ihrer eleganten Erscheinung prägt sie eine leidenschaftliche, aber respektvolle Liebhaberin. Hell und voll klingt ihre Stimme in der Mittellage, sprung- und schwungvolle Läufe in der Höhenlage verschwimmen leicht.
Robert Murray ist ein geschmeidig samtener Tenor in der wenig heldenreich anmutenden Ausgestaltung des Jupiters dieser Inszenierung. David Soar darf als Gott des Schlafes diesem ausgiebig frönen und schleppt sich kaum wach zu seinen Auftritten, die er dann aber stimmlich kräftig und munter gestaltet. Dem Götterboten Iris gibt Llio Evans Raum in der Gestaltung, stimmlich überzeugend. Viel verdankt die gelungene Aufführung dem von Susanna Stranders sehr gut einstudiertem Chor, der von der Regisseurin umfangreich und im Spiel sehr gut ausgearbeitet eingesetzt wird.
Jonathan Cohen am Pult ist auf Barock spezialisiert und hat mit verschiedenen Barockensembles bereits Erfahrung gesammelt, die er hier in Garsington einsetzt. Er hält den Lauf der Geschichte in Schwung, setzt in den einzelnen Stimmen viele Akzente, deutet Stimmungen und schafft eine opulente Klangwelt, wenn erforderlich.
So entlässt das Garsington-Opera-Haus seine bestens unterhaltenen Gäste nach einem kräftigen Schlussapplaus amüsiert und zufrieden in die Natur des umliegenden Parks.