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COSÌ FAN TUTTE
(Wolfgang Amadeus Mozart)
Besuch am
7. Oktober 2017
(Premiere)
Così fan tutte – so machen’s angeblich alle Frauen bei Liebe und Treue, doch das Motto dieser scuola degli amanti könnte man getrost auch umgekehrt auf die Männer anwenden. Denn die machen’s doch genauso. Dass Mozarts 1790 uraufgeführte Opera buffa beileibe nicht ernst gemeint ist in dem, was hier zwischen zwei befreundeten Paaren in Sache Liebe und Treue abläuft und in Eifersucht und Treulosigkeit mündet, sondern dass sie einfach mit dem Thema spielt, wird schnell klar, wenn man die Handlung mit Vernunft „liest“: Zwei recht selbstbewusste junge Frauen werden doch nicht auf die dürftige Maskerade ihrer Liebhaber reinfallen und diese miteinander verwechseln, und sie werden die Prüfung ihrer Treue keineswegs so einfach folgenlos hinnehmen. Auch dass hinter dem Doktor und dem Notar ihr freches Dienstmädchen steckt, erkennen sie wohl schnell. Ebenso kann der Regisseur dieses gewagten Liebesexperiments, Don Alfonso keineswegs darauf hoffen, dass er in allem Recht bekommt. Alles ist im Grunde eine Spielanordnung zum Thema unverbrüchliche Liebe, und wenn am Schluss durch Mozarts Musik scheinbare Harmonie einkehrt – auf der Bühne, nach dem Partnertausch findet eine wirkliche Versöhnung nicht statt. Alle sind verärgert, dass ein völlig glückliches Ende nicht mehr in Sicht ist. Von wegen Wiedergutmachung!
| Musik | ![]() |
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So zeigt sich im Würzburger Mainfranken-Theater nach einer äußerst spritzigen, genau an der Musik orientierten, lebendigen und einfallsreichen Inszenierung von Martina Veh die Kehrseite eines waghalsigen Spiels um die Liebe: Echte Gefühle erschüttern die Figuren für Momente im Innersten, doch ob diese von Dauer sind, bleibt abzuwarten. Das Wechselbad der Gefühle verunsichert vor allem die Frauen, die Männer scheinen da eher von Eifersucht und Konkurrenzgedanken geleitet. Sie sind scheinbar diejenigen, welche das Heft des Handelns in der Hand haben, doch das wird ihnen schließlich durch die weiblichen Reaktionen genommen. Sie haben sich eigentlich selbst hereingelegt mit ihrem leichtsinnigen Spiel. Darüber muss der vergnüglich unterhaltene Zuschauer herzlich schmunzeln: Selber schuld! Das ganze Geschehen ist, damit man es nicht allzu ernst nimmt, angesiedelt in einer weißen großen Schachtel, die sich mal weitet, mal verengt, mal auseinander zu fallen droht. Hier findet ein Clown-Theater statt mit weißen, skurrilen Figuren, einem lustigen Völkchen in herrlich verrückten Kostümen von Christl Wein. Davon heben sich die beiden Paare in Rot und Gelb ab. Nur Don Alfonso und Despina, die ständig die Impulse zum Weiterspielen geben, erscheinen schwarz-weiß. Dass es hier nicht um reale Orte, sondern um ausgedachte geht, zeigt sich an der ständig wechselnden Bühne mit den Videos des Duos Momme Hinrichs und Torge Moller und den fast kindlich naiv aufgemalten „Hintergründen“ wie Meer, Garten, Blumen oder Warnschilder von Freddy Engel. Sie zitieren das Umfeld oder kommentieren alles ironisch. Ein geschickter Einfall gleich zur Ouvertüre: die Schattenspiele der beiden Paare auf einem sich drehenden Würfel. Der Wechsel der Beziehungen, die Frage, wer mit wem? wird hier gleich angedeutet, begleitet von der mit den wechselnden Stimmungen spielenden Musik Mozarts. Sie findet sich auch später wieder in einer kongenialen Regie, welche jede innere Regung auf die passende Bewegung hin choreografiert.
Zu dieser Wirkung trägt das Philharmonische Orchester Würzburg in entscheidender Weise bei, das unter der äußerst präzisen Leitung von Enrico Calesso sehr aufmerksam auch die feinen Schattierungen der Musik nachvollzieht; hervorzuheben: die guten Bläser. Auch der Chor, einstudiert von Anton Tremmel, ständig beschäftigt in urkomischen Aktionen, erfreut durch ausgewogenen Klang.

Dass die Inszenierung von allen Figuren ein Höchstmaß an Lebendigkeit verlangt, gerät hier zu echtem Vorteil, denn allen scheint es unheimlich viel Spaß zu machen, sich in die Verwirrungen der Personen hinein zu versetzen. Silke Evers, zierlich, blond, mit rotem Tüllrock, ist die Geliebte des Guglielmo, und an dieser Liebe hält sie „felsenfest“ fest, wie sie in ihrer Arie Come scaglio eindrucksvoll demonstriert. Mit ihrem großen, hellglänzenden Sopran meistert sie scheinbar mühelos die extremen Schwierigkeiten, wechselt ohne Klangverlust bruchlos die Register von der Tiefe zu prächtig strahlenden Höhen. Zwar hält ihr Widerstand gegen aufkeimende Liebes-Anfechtungen lange stand, doch am Schluss gibt sie sich dem emotionalen Ansturm geschlagen. Dorabella, schlank, brünett, in Gelb, verfällt schneller den erotischen Anfechtungen. Marzia Marzo verleiht ihr mit ihrem vollen, klangschönen, sicher geführten, farbenreichen Mezzosopran viel kapriziöse Ausstrahlung, aber sie erliegt zu schnell dem Charme von Ferrando, dem hellkräftigen Tenor von Roberto Ortiz; seine beiden großen Arien schmelzen nur so dahin vor Gefühl, sind quasi lyrische Haltepunkte in allen Liebes-Turbulenzen. Sein Freund und Rivale Guglielmo erhält durch Daniel Fiolka ein Übermaß an männlicher Stärke, und dazu passt bestens sein kräftiger, voller Bariton. Ein Höhepunkt: wenn beide als angeblich Todgeweihte durch die Papierdecke krachen, scheinbar besinnungslos herunterhängen. „Gerettet“ werden sie von Despina, dem umtriebigen Kammerkätzchen, der vor Einfällen nur so sprühenden, quirligen Akiko Tsujii, hier als Magnet-Doktor wirkend. Ihr klarer, flexibler Sopran mit seinen strahlenden Höhen macht aus dieser Partie einen Hochgenuss. Sie greift, später als Notar, immer wieder eigenmächtig ins Geschehen ein, macht sich lustig über die Liebeskranken und wäre doch auch gerne geliebt von Don Alfonso. Der, Taiyu Uchiyama, wuselt immer hin und her als Arrangeur dieses Experimentierspiels, das am Ende alle etwas missgelaunt zurücklässt mit der Frage: Ewige Liebe und Treue, gibt’s die überhaupt?
Den Zuschauern aber im nahezu voll besetzten Haus gefällt dieses locker-leichte Treiben ganz vorzüglich, und so feiern sie nach viel Szenenapplaus alle Mitwirkenden am Ende mit vielen Bravorufen, langem Beifall, rhythmischem Klatschen und stehenden Ovationen. Ein herrlicher Spaß!
Renate Freyeisen