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Foto © Dana Schmidt

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HÉLÈNE GRIMAUD
(Johannes Brahms)

Besuch am
21. Mai 2025
(Einmalige Aufführung)

 

Klavier-Festival Ruhr in der Histo­ri­schen Stadt­halle Wuppertal

Wenn an Konzert­abenden nur Werke eines einzigen Kompo­nisten auf dem Programm stehen, wird in der Regel sein oft runder Geburtstag gefeiert oder seines Todestags gedacht. Hin und wieder gibt es auch Ausnahmen. In diesem Fall hat das Klavier-Festival Ruhr zu sinfo­ni­scher Musik aus der Feder von Johannes Brahms in Wuppertals Histo­rische Stadt­halle einge­laden. Seine Musik ist beliebt. Also kommen die Besucher in Scharen, um für einen fast ausver­kauften Großen Saal zu sorgen. Aber nicht nur das: Auch sind Pianistin Hélène Grimaud und die Camerata Salzburg, die mit dem Programm angereist sind, weltweit in aller Munde und locken die Klassikfans an, die nicht enttäuscht werden.

Wie in der Pause zu hören ist, wird über das Orchester disku­tiert, weil es ohne Dirigenten auskommt. Statt­dessen zeichnet Konzert­meister Giovanni Guzzo vom Geigenpult die Auffüh­rungen verant­wortlich. Über solche Gespräche hätte man bis etwa Mitte des 18. Jahrhun­derts nur mit dem Kopf geschüttelt. Denn erst ab dann entstand der Beruf des Dirigenten aus heutiger Sicht. Es handelt sich also um einen späten Beruf in der Musik­ge­schichte. Früher wurden Ensembles von einem Musiker geleitet. In einer höfischen Kapelle übernahm die Funktion der Konzert­meister. Als erster richtiger Dirigent gilt Felix Mendelssohn Bartholdy, der das Leipziger Gewand­haus­or­chester leitete. Mit der Zeit wurden Orchester und Chöre immer größer. Es wurde somit unmöglich, sie von aktiven Musikern leiten zu lassen.

Bei der 1952 ins Leben gerufenen Camerata Salzburg handelt es sich um ein Kammer­or­chester, dessen Blick sich zunächst auf das Schaffen Wolfgang Amadeus Mozarts richtete. Später konzen­trierte man sich auch auf Werke von Joseph Haydn, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert. Heute umfasst sein Reper­toire die Epochen der Klassik und Romantik bis Arnold Schönberg und legt Wert auf eine histo­risch-infor­mierte Auffüh­rungs­praxis. Bis 2016 stand der Klang­körper unter den Fittichen von Chefdi­ri­genten. Seitdem tritt er unter Führung ihrer Konzert­meister auf. Mit zwei Brahms­schen Frühwerken beein­druckt es an diesem Abend.

Foto © Dana Schmidt

Zum einen ist es die 1858 entstandene erste Serenade in D‑Dur mit ihren sechs Abschnitten: Allegro molto – Scherzo – Adagio non troppo – Menuetto – Scherzo, Allegro – Rondo, Allegro. Wie damals wird sie, abgesehen von der Cello­gruppe, im Stehen vorge­tragen. Dieses Opus 11 jugend­lichen Überschwangs, in dem Natur, Liebe, Melan­cholie, tänze­rische Ausge­las­senheit und freudige Lebens­be­jahung zum Ausdruck kommen, wird mit festem Zugriff und einer sonoren Tongebung außer­or­dentlich kulti­viert und präzise zum Erklingen gebracht. Selbst feinste Phrasie­rungen, deutlich vernehmbare Haupt‑, Neben- und Begleit­stimmen, einher­gehend mit fließenden dynami­schen Übergängen, einem warmen Piano wie energie­ge­la­denen lauten Stellen werden äußerst diffe­ren­ziert hochmu­si­ka­lisch packend zu Gehör gebracht.

Zum anderen kommt zuvor das ein Jahr später aus der Taufe gehobene erste Klavier­konzert in d‑Moll opus 15 zur Aufführung, diesmal sitzend. Auch hier ist Guzzo mit seinen qua Geige exakt gebenden Einsätzen und dank seiner beweg­lichen Körper­sprache ein allzeit umsich­tiger und zuver­läs­siger Orches­ter­leiter. Auch harmo­niert er vorzüglich mit Grimaud. So kommt das sinfo­nische Konzert mit seiner Ausge­wo­genheit der drei Sätze mit ihrer anfäng­lichen, auf den erschüt­ternden Eindruck des Selbst­mord­ver­suchs Robert Schumanns fußenden Tragik, hymni­schen Innigkeit und schließlich tänze­ri­schen Ausge­las­senheit klang­prächtig von der Bühne. Wie bei der Serenade beein­druckt das Orchester mit einer kraft­vollen Tongebung und einem durch­sich­tigen Klangbild. Nur bei wenigen Fortissimo-Stellen im Tutti ist es gegenüber dem Soloin­strument ein wenig zu laut.

Souverän meistert Grimaud die sehr großen musika­li­schen uns techni­schen Schwie­rig­keiten. Sie beein­druckt mit einer tempe­ra­ment­vollen Tongebung und weitge­spannten Melodie­füh­rungen im Kopfsatz bis hin zum trotzigen Ende. Im Binnensatz überzeugt sie mit vollklingend-schrei­tenden, nuancierten Gesängen, großen musika­li­schen Spannungs­bögen und einer energi­schen Tongebung. Spiele­risch kommen die Klavier­fi­gu­ra­tionen im Finale daher, den sie mit der fulminant vorge­tra­genen freudig-bewegten Kadenz beschließt.

Das Publikum zeigt sich hellauf begeistert und honoriert die erstklas­sigen Vorträge der Camerata Salzburg mit stehenden Ovationen. Ebenso stürmisch wird Grimaud gefeiert. Dafür bedankt sie sich mit einem glänzend gespielten späten Brahms-Werk: das zweite Inter­mezzo in Es-Dur mit der Vortrags­be­zeichnung Andante con moto, e con molto espres­sione aus dem dreitei­ligen Opus 117.

Hartmut Sassen­hausen

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