O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Cavalleria russkicana

JEWGENI ONEGIN
(Pjotr Tschaikowski)

Besuch am
28. September 2017
(Premiere am 24. September 2017)

 

Opernhaus Zürich

Als zum Saisonende 2016/​2017 Intendant und Regisseur Andreas Homoki am Opernhaus Zürich Franz Lehárs Das Land des Lächelns insze­nierte, schrieb O‑Ton Das Beste zum Schluss. Nun startet das Haus am Bellevue nicht minder brillant ins neue Opernjahr. Barrie Kosky, der in Zürich Verdis Macbeth aufs Maximum reduzierte, vertraut auch bei Tschai­kowskis ländlichem Ritter­lich­keits-Epos auf das komplexe Seelen­leben seiner Figuren. Der Regisseur, der 2012 in Berlin die Nachfolge von Homoki an der Komischen Oper antrat, macht bei der Co-Produktion mit dem Zürcher Haus und seinem Spiel­leiter Jan Essinger das einzig Richtige mit der Konzen­tration aufs Wesent­liche. Die dichte Verflechtung von Konstantin Schilowskis und Tschai­kowskis Libretto mit der emotio­nalen Musik des russi­schen Roman­tikers brauchen keinen intel­lek­tu­ellen Überbau.

Im Zentrum dieser bewegenden Geschichte steht mit Jewgeni Onegin ein Mann, der auf den ersten Blick egozen­trisch und abweisend wirkt. Das Gegenüber zu verletzen, scheint ihm folglich leichter zu fallen, als die Liebe einer Frau zu erwidern. Wenn der Panzer von seinem Herzen fällt, ist es zu spät. Die Fallhöhe im Stück bildet jedoch der Tod seines Freundes Lenski, den er im Duell erschießt. Lenski ist der Verlobte von Olga und deren ältere Schwester Tatjana ist die Frau, die Onegin ihre Sehnsucht offenbart. So einfach die Konstel­lation, so dicht der Stoff. Barrie Kosky verlässt sich auf die intimen Ingre­di­enzien und gibt der Symbolik eine klare Absage. Seine Lesart mit dem natura­lis­ti­schen Bühnenbild von Rebecca Ringst und schlicht designten Kostümen von Klaus Bruns entwi­ckelt sich im satten Grün eines Eichen­hains. Die punktuelle Licht­ge­staltung von Franck Evin trägt zum filmi­schen Charakter der Insze­nierung bei. Kein Männlein steht im Walde, hier tobt das Leben.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Mit feinem Gespür führt der Regisseur seine Protago­nisten durch das Sittenbild einer vergangen Epoche, in der dumme Eifer­sucht und falsche Ehre den Alltag auf den Kopf stellen können. Kosky verleiht den vielschich­tigen Figuren Tiefgrün­digkeit, indem er sie mittels Spot an die Bühnen­rampe stellt, was ähnlich funktio­niert wie ein Close-up beim Film. Damit gelingt ihm eine nahezu veris­tische Sicht­weise, die ohne übertrie­benen Pathos auskommt. Die ungefil­terten Nahauf­nahmen des Regis­seurs erinnern in ihrer Direktheit denn auch an die Oper Caval­leria rusticana von Pietro Mascagni. Ein Opus, das elf Jahre jünger ist als Tschai­kowskis Lyrische Szenen, die 1879 in Moskau als Dreiakter urauf­ge­führt wurden.

Dass der Abend in Zürich auch musika­lisch und gesanglich höchsten Genuss bietet, erschließt sich bereits nach den ersten Takten und Tönen. Die Philhar­monia Zürich unter der Leitung von Stanislav Kocha­novsky tut es Barrie Kosky gleich und befreit die Partitur von ersti­ckender Elegie. Der junge Dirigent verpasst diesem Werk, das nicht selten in russi­scher Schwermut ertränkt wird, eine Frisch­zel­lenkur. Mit gutem Tempo und eindring­licher Dynamik geht er kurven­reich in die Zielgerade und lässt dabei immer wieder einzelne Instru­mente trans­parent aufblitzen.

Olga Bezsmertna als Tatjana – Foto © Monika Rittershaus

Mit Peter Mattei konnte das Opernhaus Zürich einen angesagten Onegin-Darsteller gewinnen, sein agiler Bariton bebt in allen Schat­tie­rungen. Mattei überzeugt auch darstel­le­risch. Seine Verzweiflung am Schluss, wenn das Leben und die Liebe in Trümmern liegen und der Regen vom Schnür­boden prasselt, lässt keinen kalt. Das gleiche gilt für Olga Bezsmertna als Tatjana. Man nimmt ihr die blinde Verliebtheit im ersten Akt gerne ab, auch wenn man sich bei der Brief­szene … und wär‘s mein Untergang stimmlich mehr Feinheiten wünschte denn die Strahl­kraft einer Tosca.

Pavol Breslik, der wie Jonas Kaufmann seine Karriere in Zürich in Bewegung brachte, präsen­tiert feinste Nuancen in der Phrasierung und versteht es ebenso geschickt, in der Reduktion zu betören. Die Lamento-Arie des Lenski Wohin, wohin seid ihr entschwunden kurz vor seinem Bühnentod ist ein großer Moment. Breslik erntet mit der senti­men­talen wie süffigen Darbietung tosenden Applaus. Ksenia Dudnikova als Olga ist eine wogende Wucht. Ihr sonorer Mezzo­sopran kommt aus dunklen Tiefen und bewegt sich in den höheren Tonlagen souverän. Das macht Lust auf mehr. Mezzo­so­pra­nistin Liliana Nikiteanu überzeugt als Gutsbe­sit­zerin Larina durchwegs und Bariton Christoph Fisch­esser hinter­lässt mit seiner Parade-Arie als Früst Gremin einen soliden Eindruck. Das stimm­liche Volumen von Mezzo­so­pra­nistin Margerita Nekrasova als Amme ist ein Genuss, ihre Bühnen­präsenz ganz nah bei Puschkin. Einzig Martin Zysset als Triquet fällt gegenüber der glanz­vollen Ensem­ble­leistung etwas ab. Sein luzider Tenor kommt beim Hochhinaus zittrig daher. Dafür schafft es Ernst Raffels­berger, den Chor der Oper Zürich auf Höchst­leistung zu trimmen, die Perso­nen­führung und der Gesang haben prickelnde Präzision und sorgen für atembe­rau­bende Spannung.

Das Publikum honoriert diesen nahezu orgias­ti­schen Onegin am Opernhaus Zürich mit entspre­chend großem Jubel und lang anhal­tendem Applaus.

Peter Wäch

Teilen Sie O-Ton mit anderen: