O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Es gibt nichts Ewiges - Ausstellung zu Wieland Wagner - Foto © Richard-Wagner-Museum Bayreuth

Die Gebrüder W. und der böse „Wolf“

Friede und Freude zum Festival auf dem Grünen Hügel. Nicht einmal für eine böse Nachricht im Vorfeld reichte es. Statt­dessen wird der 100. Geburtstag Wieland Wagners mit einem Abend gefeiert, der schon als große Versöh­nungs­geste gelten kann. Eine Ausstellung rundet das Bild von Regisseur und Bühnen­bildner Wieland Wagner ab.

Wolf-Siegfried Wagner rückt die Geschichte von Vater Wieland zurecht. – Foto © Enrico Nawrath

Es waren einmal zwei Brüder, die nichts dafür konnten, dass ein böser „Wolf“ die Musik ihres berühmten Großvaters ebenso ins Herz geschlossen hatte wie ihre Mutter namens Winifred. Sie konnten auch nichts dafür, dass Onkel Wolf einen Narren an den aufge­weckten Jungen, vor allem an dem zwei Jahre älteren Wieland, gefressen hat. Als Onkel Wolf 1945 ebenso unterging wie die halbe Welt und die Gebäude und das Ansehen der berühm­testen deutschen Musik­fest­spiele im oberfrän­ki­schen Bayreuth, waren Wieland 28 und Wolfgang 26 Jahre jung.

Auch wenn die Welt in Trümmern lag, machten sich die Brüder auf, gegen viele Wider­stände die Lebens- und Wirkungs­stätten ihres Großvaters aufzu­bauen und die völlig demora­li­sierten Festspiele wieder ins Leben zu rufen. Das gelang ihnen auch. Und zwar gemeinsam. Wieland sorgte mit seiner neuen Bühnen­äs­thetik dafür, dass das Haus nicht nur von braunem, sondern von jedem ideolo­gi­schen Ballast „entrümpelt“ wurde und entwi­ckelte eine „neutrale“, werkim­ma­nente Ästhetik, mit der er der verach­teten Kunst der deutschen Meister zu neuem Ansehen verhalf. Die genial richtige Methode zum richtigen Zeitpunkt. Sein Bruder Wolfgang garan­tierte mit seinem organi­sa­to­ri­schen Geschick dafür, dass die kompli­zierten Verhand­lungen und Betriebs­ab­läufe zu einem raschen Aufblühen der Festspiele führten. Das taten beide in mehr oder weniger traulicher Gemein­samkeit bis zu ihrem Tod. Der ereilte Wieland bereits 1966 im Alter von 49 Jahren, Wolfgang erst 2010 im geseg­neten Alter von 90 Jahren. Eigentlich ein Vorbild einer glück­lichen und effek­tiven Symbiose.

Wenn da nicht die Eigen­ge­setze der „Familienbande“griffen, wie sie Wolfgang Wagner in seiner bewusst zweideutig betitelten Autobio­grafie nannte. Und zwar immer dann, wenn es um Macht und Pfründe geht. Denn die Wagners waren nie eine Familie im bürger­lichen Sinn, sondern ein Clan mit ausge­prägtem Herrschafts­be­wusstsein. Nach dem Tod seines Bruders führte Wolfgang die Festspiele in eigener Regie weiter: organi­sa­to­risch vorbildlich, doch was die eigenen künst­le­ri­schen Ambitionen anging, erheblich blasser. Wie es einer semi-royalen Dynastie gebührt, muss die Leitung des Flagg­schiffs deutscher Hochkultur in den Händen des eigenen Clans verbleiben. Eine schwierige Prämisse, wenn der Prinzipal in die Jahre kommt, der aber in den Reihen der Nachkommen keinen würdigen Nachfolger sieht und das Zepter in Händen hält, solange es ihm die Arthrose gnädig erlaubt. Die Kinder seines verstor­benen Bruders waren für Wolfgang als Festspiel­leiter tabu. Die einzige Ausnahme sah er in seiner eigenen Tochter Katharina, die, wenigstens für kurze Zeit, zusammen mit ihrer Halbschwester Eva, die Amtsge­schäfte übernahm und heute allein auf dem „Grünen Hügel“ regiert.

Der Frust der Wieland-Kinder, allen voran Nike und Wolf Siegfried, sitzt so tief wie die Gräben der verfein­deten Familien.

Es bewegt sich was

Doch jetzt bewegt sich etwas: Die Zeichen stehen auf Versöhnung. Katharina Wagner reicht ihren Cousinen und Vettern die Hand, auch wenn gericht­liche Ausein­an­der­set­zungen zwischen der famili­en­nahen Stiftung und der Festspiel-GmbH um Mietfragen noch nicht völlig ausge­räumt sind. Nike hat ohnehin mit sich und dem Hügel Frieden geschlossen und jede Ambition als Festspiel­lei­terin aufgegeben.

Erstaunlich, wie versöhnlich sich Katharina Wagner und der streitbare Wieland-Spross Wolf Siegfried Wagner im Rahmen eines Festkon­zerts im Festspielhaus aus Anlass des 100. Geburtstags von Wieland Wagner nicht gerade die Hand reichten, aber das Kriegsbeil unter Verschluss hielten. In Anwesenheit seiner Schwester Nike hielt sich Wolf Siegfried mit Angriffen gegen die derzeitige Festspiel­leitung zurück. „Katharina, bist du am Amt?“ Lediglich dieses umgewan­delte Parsifal-Zitat, das er seiner Halbschwester am Ende seines pointierten Vortrags zuwarf, hatte einen vorwurfs­vollen Beigeschmack, durch­setzt jedoch mit einer Prise Aufmunterung.

Wolf Siegfried Wagner rechnete statt­dessen mit den Umständen und den Figuren ab, die seinen Vater, „diesen wunder­baren Menschen“, in unver­schuldete Konflikte gebracht hätten, die er 1951 mit der Wieder­eröffnung der Festspiele und seinem genialen Regie­konzept in richtige Bahnen gelenkt hätte. Sechs Jahre war Wieland jung, als seine Mutter Hitler in Bayreuth empfing, 16 Jahre, als Hitler an die Macht kam. Als Erstge­bo­rener vom Kriegs­dienst verschont, unternahm Wieland 1944 in einem Außen­lager des Konzen­tra­ti­ons­lagers Flossenbürg mit Häftlingen bühnen­tech­nische Experi­mente. Eine Zeit, in der Wielands Einsicht in die verbre­che­rische Struktur des Regimes reifte und ein radikales Umdenken in Gang setzte, über das er freilich bis zu seinem frühen Tod 1966 eisern schwieg. Ein flammendes Plädoyer eines Sohnes, der seinen Vater gegen alle unberech­tigten Vorwürfe natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Sympa­thien in Schutz nimmt.

Die lange Festrede von Sir Peter Jonas, dem langjäh­rigen Inten­danten der Bayeri­schen Staatsoper, der Wielands Kindheit als „ödipale Tragödie“ in den Mittel­punkt rückte, verblasste trotz ihrer rheto­ri­schen Brillanz gegenüber dieser persönlich gefärbten Liebes­er­klärung des mittler­weile 74-jährigen Sohnes. Und fast gerieten auch die musika­li­schen Beiträge in den Hinter­grund, die nicht nur Klänge des Bayreuther Meisters enthielten, so von Hartmut Haenchen dirigierte Orches­ter­stücke aus Hitlers Lieblings-Oper Rienzi und dem Parsifal, sondern auch Klänge aus Werken, mit denen Wieland Wagner Regie-Geschichte geschrieben hat, nämlich aus Alban Bergs Wozzeck und Giuseppe Verdis Otello. Ungewohnte Töne im Festspielhaus, vorzüglich gesungen von Claudia Mahnke, Camilla Nylund, Christa Mayer und Stephen Gould.

Die Famili­en­fehden spielen in der attraktiv ausge­rich­teten Ausstellung auf dem Gelände der Villa Wahnfried nur eine unter­ge­ordnete Rodle. Nicht aller­dings Wielands unfrei­willige Verstri­ckung mit seiner braun gefärbten Kindheit. Im Zentrum steht aller­dings sein zentrales Nachkriegswerk, mit dem er die Opern­bühne in Bayreuth und in ganz Deutschland von ideolo­gi­schem Ballast entrüm­pelte. Klug dekorierte Schau­kästen mit Dokumenten verschie­dener Zeitge­nossen und der Bühnen­ge­schichte gipfeln in einer kleinen, der legen­dären „Wieland-Scheibe“ nachemp­fun­denen Bühne, auf der multi­medial in Bild und Ton an legendäre Insze­nie­rungen des Visionärs erinnert wird. Die Ausstellung ist bis zum 19. November im Bayreuther Richard-Wagner-Museum neben der Villa Wahnfried zu sehen.

Pedro Obiera

Teilen Sie sich mit: