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Vorschau auf die neue Spielzeit: Iceland Dance Company - Foto © Künstlerarchiv

Optimistischer Neubeginn

Ende vergan­genen Jahres verab­schie­deten sich die ersten drei „Factory Artists“ aus dem Tanzhaus NRW. Inten­dantin Bettina Masuch hat sich mit der Suche der Nachfolge Zeit gelassen. Jetzt stellen sich drei neue Künstler vor, die in den kommenden zwei Jahren am Tanzhaus arbeiten werden. 

Choy Ka Fai – Foto © Manfred Werner

Zeitge­nös­si­scher Tanz ist inter­na­tional. Die Arbeits­weise und Zusam­men­setzung der Compa­gnies und Ensembles ist inter­na­tional. Das heißt, die aller­we­nigsten Künstler arbeiten heute eigentlich an einem Ort. Diese Art des nomadi­schen Arbeitens ist im zeitge­nös­si­schen Tanz mittler­weile eine Selbst­ver­ständ­lichkeit. Ob das immer dem künst­le­ri­schen Resultat dient, steht natürlich auf einem anderen Blatt“, sagt Bettina Masuch, Inten­dantin des Tanzhauses NRW in Düsseldorf. Als sie vor vier Jahren die Intendanz übernahm, war deshalb eine der wichtigsten Fragen, wie man mit den Arbeits­ver­hält­nissen von Choreo­grafen umgeht. Einzelne Künstler dauerhaft an das Haus zu binden, verbot sich aus finan­zi­ellen Gründen. Was aber, fragte Masuch, wenn wir den Konflikt zwischen inter­na­tio­nalen und lokalen Aufgaben auflösen? Es bedurfte noch einiger Zeit, bis die Theorie Eingang in die Praxis fand.

Alexandra Waier­stall, Jan Martens und Sebastian Matthias waren die ersten Residenz-Künstler, die das Tanzhaus „Factory Artists“ nannte. „Es geht um regel­mäßige Arbeits­auf­ent­halte hier. So was wie ein tempo­räres Zuhause, eine temporäre Arbeits­stätte auf Zeit. Wir bieten finan­zielle, organi­sa­to­rische, drama­tur­gische Unter­stützung bei der Arbeit. Das geht von Beratung und Konzept bis hin zu Proben­auf­füh­rungen. Aber es geht natürlich auch darum, Arbeits­be­din­gungen zu verbessern“, beschreibt Masuch die Idee, die dahin­ter­steht. Ende vergan­genen Jahres nahmen die drei Künstler Abschied vom Tanzhaus. Im Rückblick waren die drei, so unter­schiedlich oft sie in ihrer vorüber­ge­henden künst­le­ri­schen Heimat tätig waren, zufrieden. Den größten Anschluss hat wohl Alexandra Waier­stall in dieser Zeit gefunden. „Es hat so gut getan, mal zwei Jahre lang keine Bewer­bungen schreiben zu müssen, sondern einfach arbeiten zu dürfen“, verriet die Choreo­grafin gegen Ende ihrer Residenz. Aber nicht nur der Wegfall zeitfres­sender Bürokratie, sondern auch die positive Aufnahme im Tanzhaus waren aus ihrer Sicht ein echter Gewinn. Große Auftritte gehörten bei allen dreien dazu wie von Besuchern mit großer Begeis­terung aufge­nommene Proben­be­suche. „Da haben sich echte Fan-Commu­nities gebildet“, erzählt Masuch. Es war ein erster Versuch. Und neben den Erfolgen gab es aus Masuchs Sicht auch Grund zur Selbst­kritik. Bei aller Freude über den gestei­gerten Dialog bleibt das Einge­ständnis, einiges verpasst zu haben. „Wir haben die Dokumen­tation bei den ersten drei Factory Artists versäumt. Die Zeit ist einfach wahnsinnig schnell vergangen. Im Anfang denkt man immer, zwei Jahre sind eine lange Zeit“, räumt die Inten­dantin ein. Auch bei der Auswahl der Residenz-Künstler habe man sich eher politisch korrekt verhalten.

Claire Cunningham – Foto © privat

Für die Auswahl der neuen Factory Artists hat sich das Tanzhaus deshalb dieses Mal viel Zeit gelassen. „Die Auswahl erfolgt nicht aufgrund eines konkreten Projekt­vor­schlags, sondern ist eigentlich eine Recherche der Arbeits­per­sön­lich­keiten. Also wer sind die Künstler, woran arbeiten sie? Können sie sich mit dem Tanzhaus verbinden? Wird das eine fruchtbare Zusam­men­arbeit? Also es geht eigentlich darum, Künst­ler­per­sön­lich­keiten zu finden, von denen wir sagen, sie haben schon eine ausge­wiesene künst­le­rische Handschrift. Auf der einen Seite. Aber sie können auch von so einer Zusam­men­arbeit mit dem Tanzhaus profi­tieren, in dem Sinne, dass sie sich mit dem Rückhalt des Hauses trauen, Dinge zu unter­nehmen, die sie alleine vielleicht nicht machen würden“, erklärt Bettina Masuch die neue Auswahl. Diesmal ging es also weniger um äußer­liche Faktoren wie die Zugehö­rigkeit zum Bundesland oder die Bekanntheit in Deutschland. Radikaler und damit deutlicher fiel die Wahl auf drei Künstler, die drei sehr verschiedene Richtungen vertreten.

Neue Künstler braucht die Welt

Ligia Lewis ist in der Domini­ka­ni­schen Republik geboren und in Florida aufge­wachsen. Bis jetzt arbeitete sie in Berlin und New York. Eigentlich wollte sie Basket­bal­lerin oder Mathe­ma­ti­kerin werden. Dann kam sie mit perfor­ma­tiver Kunst in Berührung und beschloss, ihr Leben mit dem Tanz zu verbringen. Nach ausführ­lichen Erfah­rungen als Tänzerin bei bekannten Choreo­grafen legte sie erste eigene Arbeiten vor und erzielte damit beacht­liche Erfolge. Ihre Inspi­ration zieht sie in erster Linie aus dem privaten Umfeld. Aber auch Besuche im Theater, so oft es geht, gern experi­men­telles Theater, führt sie in neue Felder der Energetik. Lewis wird sich in der ersten Dezem­ber­woche dem Publikum mit ihrem aktuellen Stück minor matters als Factory Artist vorstellen.

Sehr viel deutlicher als bisher geraten die Unter­schiede bei den ausge­wählten Künstlern. Am ehesten ähnlich ist noch die Auswahl eines Künstlers, der die wissen­schaft­liche Seite des Tanzes betrachtet. Sich aber nicht wie Jan Martens mit Massen­phä­no­menen, sondern eher mit der Techno­logie ausein­an­der­setzt. Auch bei Choy Ka Fai entwi­ckelte sich die beruf­liche Laufbahn nicht wie geplant. Eigentlich wollte er Architekt werden. Wäre da nur nicht dieses halbe Jahr vor Antritt seines Militär­dienstes gewesen. Das nutzte der junge Mann, um an einem Theater­workshop teilzu­nehmen. Danach hatte sich der Hausbau erledigt, und er studierte Design Inter­action in London. Heute arbeitet er in den Bereichen bildende Kunst und Perfor­mance. Dabei befragt er den Tanz im Hinblick auf seine Geschichte und Stile. Sein neuestes Beschäf­ti­gungsfeld ist der Schama­nismus in Asien. Im Tanzhaus NRW wird er vom 29. Juni bis 1. Juli erstmals als Factory Artist mit seinem Werk Dance Clinic zu sehen sein.

Ligia Lewis – Foto © Connert Evert

In der zu Ende gehenden Spielzeit setzte sich das Tanzhaus in der Programm­serie Real Bodies mit der – ästhe­ti­schen – Sicht auf den Körper unter den unter­schied­lichsten Aspekten ausein­ander. Das ist auch der Arbeits­schwer­punkt der multi­dis­zi­pli­nären Künst­lerin und Perfor­merin Claire Cunningham, die für sich klassische Bewegungs­tech­niken ablehnt. Von Kind an behindert, ist sie seit dem 17. Lebensjahr auf Krücken angewiesen. Und wechselte die Perspektive. Heute sind die Krücken kein Hindernis, sondern Bestandteil ihrer Arbeit. Dabei habe sie sich in ihrem beruf­lichen Leben selten von Vorlieben lenken lassen, sondern Entschei­dungen treffen müssen, um den Lebens­un­terhalt zu sichern. Deshalb ist sie auch nach dem klassi­schen Gesangs­studium dem Gesang nicht treu geblieben. Eine Krücken schwin­gende Donna Anna? Das ist mit dem heutigen Publikum wohl – noch – nicht zu machen. Umso erfolg­reicher kreiert Cunningham heute eigene Stücke, in denen sie sich nahezu aktivis­tisch mit der körper­lichen Behin­derung ausein­an­der­setzt. Das Publikum im Tanzhaus kann das Anfang Oktober erleben. Dann präsen­tiert die Künst­lerin mit Lebens­mit­tel­punkt im schot­ti­schen Glasgow ihr zweites Solo Give Me a Reason to Live in Düsseldorf.

Gemeinsam mit dem Publikum

Was die neuen Factory Artists mit ihren Vorgängern gemein haben? Neben der Vorfreude auf die neue Aufgabe wohl vor allem den Willen, ihre Arbeits­pro­zesse trans­parent zu gestalten und sich dem Publikum im Dialog zu öffnen. Hilfreich wird dabei – wenn es nach dem Willen der Inten­dantin geht – auch das neue „Wohnzimmer“ des Tanzhauses sein. Im September eröffnet das Ehepaar Nooij die Gastro­nomie im Tanzhaus in komplett neuem Design. Bis Ende Oktober vergan­genen Jahres betrieben Johannes und Nene das Szene-Lokal Nooij in Flingern, ehe sie sich in eine „längere Pause“ verab­schie­deten. Das Nooij war vor allem für seine entspannte Lebensart bekannt. Das kann ja gut dazu passen, dass Masuch aus dem neuen Lokal das Kommu­ni­ka­ti­ons­zentrum der Spiel­stätte machen will, einen Treff­punkt für Publikum und Künstler. Was aller­dings noch nicht heißt, dass man Ligia Lewis dort häufig treffen wird. Denn die hat sich fest vorge­nommen, ihren Aufenthalt zu nutzen, um Düsseldorf intensiv kennen­zu­lernen. Und da gibt es ja eine Menge zu entdecken.

Michael S. Zerban

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