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Pianissimi und Schwalbengesang

Wer wünscht sich das nicht – einen Ort, fernab von Verkehr, wo gute Musik nur so viel kostet, wie man bereit ist zu spenden. Dazu noch Sonnen­schein, edler Wein und gutes Essen.  Unmöglich? Nein, das Zauberwort heißt Lagrasse und liegt im Süden Frank­reichs. Nie gehört? Kein Wunder, das kleine Festival En Blanc et Noir gibt es erst seit 2012 und ist eine reine Privat­in­itiative, um jungen Klavier­ta­lenten Auftritts­mög­lich­keiten zu ermög­lichen. In diesem Jahr fand es vom 6. bis 11. Juli statt.

Foto © O‑Ton

Robert Turnbull, der Initiator und Künst­le­ri­scher Leiter, ist von Freunden vor etwa zehn Jahren auf Lagrasse aufmerksam gemacht worden. Das Städtchen, mit Wurzeln im siebten Jahrhundert, liegt ungefähr zwei Autostunden südwestlich von Toulouse, Richtung Narbonne. Es war Lagrasse, „das fette” Dörfchen, was das damals mächtige Kloster auf der anderen Uferseite des Flusses Orbieu mit allem Notwen­digen belie­ferte. Seine Glanzzeit lag im 13. bis 15. Jahrhundert. Noch heute findet man Erinne­rungen an die damalige Pracht in Form von bemalten Decken­kas­setten und edlen Materialien, die für den Bau der Häuser gebraucht wurden. Und noch heute starten die Touristen von Lagrasse aus, um die restau­rierte Abbaye zu besich­tigen, die von den noch wenigen Mönchen erhalten wird.

Was Lagrasse jetzt besonders macht, ist der zentrale, offene Markt­platz, fernab von der Durch­gangs­straße, wo die nistenden Schwalben die Klänge der Tasten­künstler begleiten. Keine Autobahn, kein Flugverkehr, frische Luft und viele Gelegen­heiten für gutes Essen und Trinken sind die Merkmale. Turnbull hat mittler­weile genügend Unter­stützung auf kommu­naler und regio­naler Ebene, wie auch Privat­firmen und ‑Personen als Sponsoren gewinnen können, dass es ihm möglich ist, den jungen Künstlern, vorwiegend inter­na­tionale Absol­venten von Musik­hoch­schulen und Gewinner von Wettbe­werben, eine Gage und Unkosten bezahlen zu können und gleich­zeitig den Eintritt im Prinzip kostenlos zu halten. Spenden werden natürlich nicht abgelehnt. In diesem fünften Jubilä­umsjahr wurden in 6 Tagen 17 Konzerte von 24 Musikern aufge­führt, die aus aller Welt kamen. Das Niveau war generell sehr hoch, jeder der Teilnehmer mehrfacher Preisgewinner.

Alexey Karpeyev, zum Beispiel, brachte ein ungewöhn­liches Programm – in Gedenken an das hundert­jährige Jubiläum der russi­schen Revolution spielte er russische Kompo­nisten, die nach Paris auswandern mussten. Darunter eine wenig bekannte Sonata-Ballade von Nikolai Medtner sowie Prélude und Lullaby von Alexander Grecha­ninov – beides mit einer großen Kunst­fer­tigkeit und Souve­rä­nität. Bobby Mitchell, ein junger ameri­ka­ni­scher Pianist mit eigenem YouTube-Kanal, den fast 750.000 Menschen besuchen, ist ein einneh­mender Künstler, der sich zwar auf das 18. Jahrhundert konzen­triert, aber hier die Möglichkeit hat, auch Gegen­wär­tiges zu spielen: von Cornelius Cardew trägt er We sing for the Future! von 1981 vor und von Fredric Rzewski Ruins von 2015. Der erste Komponist schwärmt über die Zukunft und der letztere beweint die Vergan­genheit. Peter Kiss, ein junger Ungar, der Auszüge aus György Kurtágs Games brachte wie ein Perlen­strang, jedes ein Minia­tur­glanz­stück. Ivan Ilic, schon ein arrivierter Serbo-Ameri­kaner, spielte das Mitter­nachts­konzert – Erik Satie und John Cage. Für die Zuhörer wurde ein großer Teppich mit Kissen bereit gestellt für die totale Entspannung. Das Ensemble Arenski, bestehend aus den zwei Schwestern Claire und Aurore Dassesse und Stephanie Proot am Klavier, spielten Shost­a­kovich und Piazzola – einsichtig und bedacht das erste und frisch und frech den argen­ti­ni­schen Kompo­nisten. Zuletzt noch eine 26-jährige Pianistin, Anna Geniushene, die mit großer Inbrunst die Sonate Op. 84 von Sergjey Prokofiew vortrug, sogar die Schwalben waren still.

Robert Turnbull sagt, das größte Problem sei, dass alle Teilnehmer wieder­kommen wollen, er aber natürlich bemüht ist, auch neue Talente zu präsen­tieren. Und die Zeitspanne – und Finanzen – sind begrenzt. Der Preis des Erfolgs? Es ist zu hoffen, dass er diesen Spagat schafft und dennoch die jetzige zauber­hafte Atmosphäre des Festivals beibe­halten kann.

Zenaida des Aubris

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