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Michael S. Zerban - Foto © Lennart Rauße

Widerstand ist das Minimum

Was am 15. April in Berlin passiert ist, ist nichts weniger als ein Skandal. Da verkündet Bundes­kanz­lerin Angela Merkel quasi en passant, dass das Auffüh­rungs­verbot bis Ende August bestehen bleibt. Ein Nebensatz. Unter all den „wirklich wichtigen Problemen“. Die Kultur­land­schaft wird lahmgelegt. Hier haben auf breiter Front alle versagt. Eine Polemik.

Die Schock­starre der Kultur­schaf­fenden hält offenbar ungebrochen an. Anstatt im Vorfeld ordent­liche Lobby-Arbeit zu leisten, wie es für jedes Unter­nehmen selbst­ver­ständlich ist, haben sie heute vor dem Fernseher respektive dem Internet gesessen und in einem Nebensatz erfahren, dass das Auffüh­rungs­verbot bis Ende August verlängert wird. Gut, bei den großen, staatlich subven­tio­nierten Insti­tu­tionen wird es vielleicht sogar ein kleines Aufatmen gegeben haben, scheint doch die nächste Spielzeit entgegen „pessi­mis­ti­scher“ Prognosen möglich. Das Nachsehen haben nicht nur die Kleinen, die privaten Theater, die Kollektive der so genannten Freien Szene und so weiter, sondern in erster Linie heißt es: Die Sommer­fes­tivals gehen über den Jordan, werden mit einem Handstreich wegge­wischt. Das ist ein Skandal!

Bundes­kanz­lerin Angela Merkel spricht von einem „zerbrech­lichen Zwischen­erfolg“. Allmählich reicht es. Von 83 Millionen Deutschen sind rund 132.000 Menschen nach offizi­ellen Zahlen am 15. April am Virus erkrankt, mehr als die Hälfte ist inzwi­schen wieder genesen. Die Verdop­pe­lungszeit ist inzwi­schen über einen Monat hinaus­ge­wachsen. Ein Monat! In Deutsch­lands Kranken­häusern stehen zehntau­sende Betten leer, die erste Klinik­gruppe will Kurzarbeit anmelden, weil die Patienten ausbleiben. „Zerbrech­licher Zwischen­erfolg“? Mag sein. Aber was in Sachen Kultur abläuft, ist eine Farce. Es gibt keinen, gar keinen Grund für Auffüh­rungs­verbote, die die Kultur gleich mal als Arbeits­verbote inter­pre­tiert hat.

Anstatt kämpfe­risch vor die Regierung zu treten, um so künftige Einnahmen zu generieren, ergehen sich die Kultur­schaf­fenden in Klagen darüber, dass die angekün­digten Hilfen des Staates ausbleiben. Bei allem Verständnis für die Situation gerade der Freischaf­fenden wird es einem doch zu bunt. Jetzt bekommen alle die Quittung präsen­tiert. Wie einfach wäre es gewesen, auf allen Ebenen die Aufhebung des Auffüh­rungs­verbots einzu­klagen. Nichts ist passiert.

Mit jedem Amtsarzt hätte man ausdis­ku­tieren können, dass die ersten drei Reihen im Auffüh­rungssaal frei bleiben, dass Abstands­regeln bei gerin­geren Besucher­zahlen einge­halten würden, meinet­wegen auch ein unsin­niger Masken­schutz, wenn sich damit jemand besser fühlt, der Abend­spiel­leiter könnte für die Sitzordnung verant­wortlich sein. Bernd Loebe, Intendant der Frank­furter Oper, wäre mit Lunchtime-Konzerten einver­standen, auch wenn nur 50 Besucher anwesend wären, Haupt­sache, es geht weiter. Und so hätte es auch mit den Festivals weiter­gehen können. Geringere Besucher­zahlen, Regeln berück­sich­tigen und Künstler auftreten lassen. Können wir endlich wieder anfangen zu denken? Irgendwo habe ich jetzt gelesen, dass jeder, der bislang nicht verstanden hat, was 1933 passiert ist, gerade mal schauen könne, wie so was passiert. Ja, der Vergleich hinkt. Aber wenn er dazu dient zu verstehen, dass der Kampf der Kultur­schaf­fenden eigentlich längst begonnen haben müsste, lasse ich ihn durchgehen.

Liebe Festi­val­ver­an­stalter, schickt mir bitte keine Presse­mit­tei­lungen mehr dazu, dass Euer Festival nicht statt­findet, weil die Regierung das so beschlossen hat. Wenn Ihr mir mitteilt, dass Ihr mit Euren Kommunen Absprachen getroffen habt, wie Ihr Euer Festival trotz der Kultur­feind­lichkeit der Regierung durch­führen wollt, berichten wir sofort und gern darüber. Liebe Privat­theater: Wir wollen nicht mehr darüber berichten, dass Ihr um Eure finan­zielle Existenz kämpft, weil staat­liche Hilfs­pro­gramme eh kläglich versagen, sondern wir möchten darüber erzählen, wir Ihr Euch gegen die Obrigkeit durch­setzt und den unsin­nigen Auffüh­rungs­ver­boten den Kampf ansagt. Das ist Eure Aufgabe jetzt!

Wir, das Publikum und die Bericht­erstatter, erwarten von Euch, dass Ihr mit kreativen Konzepten Sonder­ge­neh­mi­gungen erwirkt und Eure Auffüh­rungen gegen den Handstreich der Regierung durch­setzt. Hat es jemals zuvor Gaukler und Narren gegeben, die sich von einer Regierung haben vorschreiben lassen, wann Kunst statt­findet? Auf Jahrmärkten und bei Hofe war es – auch zu Seuchen­zeiten – Pflicht, den Oberen die Nase zu zeigen. So viel Mut muss sein.

Das Auffüh­rungs­verbot der Regierung ist eine Kampf­ansage. Und die Kultur­in­sti­tu­tionen wie Theater, Opern­häuser und Festivals werden erleben, dass die Schüt­zen­vereine des Landes das Veran­stal­tungs­verbot nicht so einfach hinnehmen. Auch Schüt­zen­vereine, die im Zeitraum bis Ende August ihre wichtigsten Veran­stal­tungen auf dem Termin­ka­lender haben, erheben zu Recht den Anspruch, zur Kultur des Landes zu gehören. Aber es kann ja nicht sein, dass die Schüt­zen­vereine den Kampf für die Kultur­schaf­fenden im herkömm­lichen Sinne führen. Da muss – endlich – schon mehr von den Menschen kommen, die behaupten, sich für das kultu­relle Angebot in Deutschland einzu­setzen. Augenmaß statt Handstreich ist die Forderung der Stunde.

Michael S. Zerban

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