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Das Funkhaus Berlin ist berühmt für seine akustischen Möglichkeiten. Von Franz Ehrlich geplant und 1951 erbaut, beherbergte der teils denkmalgeschützte Bau im Bezirk Treptow-Köpenick etliche Radiosender. Heute wird der Komplex für Kultur-Veranstaltungen genutzt. So findet hier zum zweiten Mal das Detect Classic Festival der Jungen Norddeutschen Philharmonie statt, in dem sich junge Musiker mit der Erkundung von klassischer und experimenteller Musik auseinandersetzen.

Zwei Tage zwischen Klassik ohne Klunker und elektronischer Musik, Flügel und Synthesizer, Studio und Open Air Bühne. Mehr als 400 Künstler schaffen im Funkhaus Berlin eine inspirierende Erfahrung zwischen Improvisation, Sinfonieorchester, Stille, Techno, Dialog, Bands, elektronischen Live-Acts und visueller Kunst.“ So kündigt das Detect Classic Festival die diesjährigen Aufführungen im Funkhaus Berlin an.
Von zehn Uhr morgens am 4. August bis Mitternacht des darauffolgenden Tages ist fast durchgehend immer etwas auf mindestens zwei Bühnen los. Ein ambitioniertes Unternehmen, dankenswert von vielen großen und kleinen Sponsoren unterstützt. Initiiert wurde das Detect Classic Festival 2017 Jahr von der Jungen Norddeutschen Philharmonie, die zwar in Rostock beheimatet ist, aber mittlerweile Mitglieder aus allen Bundesländern beheimatet.
Beim Detect Classic Festival zählt in erster Linie der Enthusiasmus der jungen Musiker, die fast alle eine klassische Musikausbildung absolviert und sich dann für eine eher unkonventionellere Laufbahn entschieden haben. Oder es blieb ihnen nichts anderes übrig, wenn sie keine Anstellung in den öffentlich-rechtlichen Orchestern bekommen konnten. Was nicht unbedingt etwas mit minderem Talent zu tun hat – es gibt einfach eine Vielzahl an Musiker und wenig offene Stellen in den traditionellen Institutionen.
Im Gespräch mit Konstantin Udert, 29-jähriger Geschäftsführer von der Jungen Norddeutschen Philharmonie, wird die totale Hingabe und Liebe zur Musik mehr als klar. Bei diesem Festival ist der Faktor Spaß großgeschrieben, bei aller Professionalität, die gezeigt wird. Es sind zwei Tage zwischen Hoch- und Subkultur, Bewährtem und Innovativem. #orchestermitbums ist ein beliebter Hashtag auf Instagram. Generell ist die Werbung fast hundertprozentig über die digitalen Medien gelaufen – Facebook-Event, angesagte Blogs, nur vereinzelt einige Interviews und Ansagen im Radio oder digitalen Info-Portalen. Die Organisatoren täten sich selber einen Gefallen, wenn sie auch die traditionellen Medien wie Plakate oder Vorberichte in herkömmlichen Medien berücksichtigen würden. Dann wäre dieses außergewöhnliche Format noch besser besucht. Besonders das ältere, zahlkräftigere Publikum hätte sich dann auch angesprochen gefühlt und noch intensiver an dem Festival teilgenommen.
Drei Orchester bilden einen Höhepunkt

Das Programm – es gibt kein gedrucktes Programmheft, nur skizzenhafte, persönliche Ansagen – reicht wirklich von A wie die Band Afar mit einem atmosphärischen Black Metal Sound bis V wie Vilify mit seinen Metal Core Beats. Dazu gehören auch Mitglieder des Bundesjugendballetts mit einigen experimentellen Tanznummern. Um dem Namen Classic Festival Ehre zu machen, treten diverse Orchester auf: Das Stegreiforchester spielt seine neueste Einstudierung Free Brahms mit hingehauchten Melodien, die sich mit Schlagzeug und Kontrabass spielenden Musiker über die Stufen des Studios eins ergießen. Die Geigensolistin schwebt ihr Solo aus dem Violinkonzert, das nahtlos in die Zweite Sinfonie übergeht, in der dann die Elektrogitarre und Schlagzeug dominieren. Ja, Crossover; ja, aufgepeppt. Aber aufregend, dynamisch und höchst engagiert.
Höhepunkt des ersten Abends ist die Trikestra: Solisten des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, der Jungen Norddeutschen Philharmonie und des Stegreiforchesters. Alle zusammen spielen sie Beethoven und sorgen für einhelligen Applaus. Auch der Shostakovich der Jungen Norddeutschen Philharmonie bringt den Saal mit seiner urigen Energie zum Kochen.
Insgesamt macht das Festival seinem beliebten Hashtag #orchestermitbums alle Ehre. In den Gebäuden des ehemaligen DDR-Funkhauses entsteht seit einiger Zeit ein einmaliges, weitläufiges Gelände, das, direkt an der Spree gelegen, den richtigen Rahmen für solche Veranstaltungen geben kann – weitläufig, weitab von Wohngegenden können die Dezibel fliegen und die Besucher entspannen.
Zenaida des Aubris