O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Foto © Verena Düren

Hier darf ich Mensch sein

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr der Bonner Lieds­ommer veran­staltet. Das Netzwerk Liedwelt Rheinland hat Konzerte seiner Mitglieder unter ein kommu­ni­ka­tives Dach gestellt, um ihnen mehr Aufmerk­samkeit zu verschaffen. So bekommen Besucher nicht nur die Vielfalt des Netzwerks, sondern auch der Kultur im Bonner Raum zu spüren.

Das Eikona-Ensemble begeis­terte mit Schumanns Dichter­liebe – Foto © Eikona-Ensemble

Bonn hat einfach ganz viele, schöne Orte in der richtigen Größe, an denen Kultur und insbe­sondere Musik statt­findet“, erklärt Sabine Krasemann die Entscheidung, einen Lieds­ommer in der Stadt am Rhein auszu­richten. Krasemann ist Geschäfts­füh­rerin des Netzwerkes Liedwelt Rheinland, also ein Netzwerk von Künstlern, die ein Problem haben. Sie alle lieben und pflegen das klassische Kunstlied. Und das bedeutet – sofern man nicht jedes Mal ein paar tausend Euro in eine CD-Produktion stecken will – einen erheb­lichen Aufwand für einen vergleichs­weise geringen Ertrag. Oft monatelang wird um ein Konzept für einen Lieder­abend gerungen. Da werden Lieder ausge­graben und einstu­diert. Modera­tionen verfasst und aufgesagt, bis sie sitzen. Ein passender Ort gesucht und eine Organi­sation gestartet, die von immensem Aufwand begleitet ist. All das, um einen einzigen Abend zu gestalten. Immer verbunden mit der großen Hoffnung, dass irgend­einem Veran­stalter der Abend so gefällt, dass er sich entschließt, ihn an einem anderen Ort noch einmal aufführen zu lassen. Das Problem ist also weder die Liebe zum Lied noch die Arbeit. Es ist die fehlende Sicht­barkeit. Um mehr Menschen auf solche Lied-Abende aufmerksam zu machen, wurde das Netzwerk Liedwelt Rheinland gegründet. Und deshalb wird in diesem Jahr auch der Bonner Lieds­ommer ins Leben gerufen.

„Für Bonn haben wir uns entschieden, weil drei Koope­ra­ti­ons­partner schon Konzerte in und um Bonn herum planten, die wir unbedingt dabei­haben wollten“, erzählt Krasemann. Also wurden kurzerhand die Netzwerk­teil­nehmer befragt, was sie denn in diesem Sommer musika­lisch in Bonn unter­nehmen. Und es stellte sich heraus, dass immerhin elf Konzerte in diesem Umfeld statt­finden sollen. Dabei sind die Programme höchst unter­schiedlich, wie schon die drei ersten zeigten, die bereits statt­ge­funden haben. Da lud etwa Ende Mai der Veran­stalter ProKlassik zu einem Lieder­abend der Sopra­nistin Judith Hoffmann und des Pianisten Desar Sulejmani ein, die in der Evange­li­schen Kirche Oberpleis Einblicke in die Musik und das Leben von Alma Mahler und ihren „strah­lenden Satel­liten“ gewährten. Anfang Juni veran­staltete die Brotfabrik Bühne Bonn in der Michae­lis­ka­pelle Bad Godesberg einen Lieder­abend mit dem Titel Voyages – Auf musika­li­schen Wegen im europäi­schen Mittel­alter unterwegs. Sopra­nistin Sylvia Dörnemann sang und rührte die Trommel, während Matthias Höhn zu Dudel­säcken, Drehleier, Nyckel­harpa, Barock­gi­tarre und Flöten griff. Eine gute Woche später wurde das Theater im Ballsaal in Bonn-Endemich Austra­gungsort des Projektes Dichter.Liebe! Das Bonner Schumannfest hatte das Eikona-Ensemble hierhin einge­laden, um mit Gesang, Klavier und Figuren­spie­lerei Schumanns Dichter­liebe und Vaughan-Williams Songs of Travel zu präsen­tieren. Drei von zehn Veran­staltern, die sich unter das Dach des Bonner Lieds­ommers begeben haben. Eigentlich eine schöne Idee. Finden auch die Veran­stalter, wie Sabine Krasemann weiß. „Wir haben bisher nur gute Erfah­rungen gemacht. Wir möchten uns ja nicht mit fremden Federn schmücken, sondern fremde mit eigenen Federn verknüpfen.“ Und so ergänzt der Lieds­ommer einzelne Veran­stal­tungen um einen Künst­ler­treff, der im kosmo­po­li­ti­schen Bonn selbst­ver­ständlich mit der Überschrift Meet the Artist versehen wird. O, heilige Einfalt!

Die Vielfalt macht‘s

Ansonsten wird viel Wert auf Qualität gelegt. „Wir machen Programme, die Menschen berühren und bewegen, die in ihrer Intimität dem Individuum im Zeitalter der Digita­li­sierung und Globa­li­sierung einen tatsäch­lichen Ort geben, an dem es sich in eine Welt begibt, die greifbar ist“, sagt Krasemann und fügt enthu­si­as­tisch hinzu: „Irgendwo muss man doch ein Plätzchen haben, an dem man sich gerne nieder­lässt und Mensch sein darf.“ Derlei Plätze wird es in diesem Sommer in Bonn und Umgebung noch viele geben. Da trifft man auf Sänger wie Chris­tiane Oelze, Franziska Andrea Heinzen oder Martin Lindsay. Der Kammerchor Voci di Fuoco erzählt im Alexander-Koenig-Museum von Seelen­bildern des 20. Jahrhun­derts und Frauke May veran­staltet eine Lieder-Lesung über Thomas Mann und seine Lieder. Und nicht zuletzt stellt Mezzo­so­pra­nistin Elena Marangou in Begleitung des Pianisten Tobias Krampen in der Zentrifuge Bonn wie auch später noch in den Bechstein-Zentren Köln und Düsseldorf ihr neues Album Into a Children’s Room. Hier werden Lieder von Poulenc, Britten, Mussorgsky, Brahms, Koukos, Couroupos und Baltas zu hören sein, die im Hörer seine eigene Kinder­zimmer-Welt wieder­erwachen lassen sollen. Eine wahrhaft bunte Mischung, in der Irene Kurka auch zeigen wird, dass das Kunstlied in der Gegenwart weiterlebt.

Eine Idee entwi­ckelt sich

Auch wenn noch vieles – gerade bei den kommu­ni­ka­tiven Maßnahmen – im Aufbau ist, gehen die Gedanken zum Bonner Lieds­ommer für die Netzwerker längst weiter. Schließlich haben sich schon aus dem fulmi­nanten Start inter­es­sante, neue Kontakte ergeben, sagt Krasemann. Da kann sich was entwi­ckeln, was über Bonn hinausgeht. „Es finden sich neue Orte, weil wir Tipps bekommen oder die Besitzer auf uns aufmerksam werden“, sagt Krasemann. Da kann also mögli­cher­weise aus dem Bonner Lieds­ommer auch ein rheini­scher Lieds­ommer werden. Auch soll das Weiter­bil­dungs­an­gebot während des Festivals erweitert werden. Hier gibt es schon erste Gespräche mit den Hochschulen. Vorerst wird mal ein Workshop für Hobby-Liedpia­nisten angeboten.

An einem Sommer­abend mal spontan zu einem Lieder­abend statt in die Kneipe zu gehen, ist nicht nur gesünder, sondern entspannt ganz ungemein. Und was an der Rhein­schiene geht, sollte auch in anderen Gegenden funktio­nieren. Es muss ja nicht immer gleich das ganz große Konzert sein, zu dem man sich aufbrezeln muss. Die intime Nähe zu einem Künstler, der dazu noch eine sehr indivi­duelle Leistung bringt, kann da durchaus erfri­schend sein.

Michael S. Zerban

Teilen Sie sich mit: