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Maria Jonas - Foto © Sonja Werner

Nachruf auf Maria Jonas

Kurz vor Heilig­abend starb die Kölner Künst­lerin Maria Jonas im Alter von 67 Jahren. Ein Nachruf von Christina von Richthofen

Maria Jonas – Foto © Sonja Werner

Die Sängerin und Ensem­ble­lei­terin Maria Jonas ist tot. Sie verstarb kurz vor Weihnachten völlig unerwartet und plötzlich, aber friedlich in ihrer Brühler Wohnung. Sie litt bereits seit längerer Zeit an chroni­schen Erkrankungen.

Die Nachricht über ihren Tod wurde am 23. Dezember von ihrem Ensemble Ars Choralis bekannt gegeben. „Maria war nicht nur Ensem­ble­lei­terin, sondern auch Mentorin und Freundin. Sie war das Herz und der Mittel­punkt von Ars Choralis. Wir sind bestürzt und in tiefer Trauer“.

Maria Jonas war eine der kreativsten und vielsei­tigsten Musiker­per­sön­lich­keiten Kölns. Als Inter­pretin, Kuratorin, Forscherin und Dozentin war sie europaweit tätig und dabei stets auf der Suche nach einer leben­digen Ausein­an­der­setzung mit jeglicher Art Musik. Modale Musik und inter­kul­tu­reller Dialog waren für sie von beson­derer Bedeutung. Sie gründete und leitete neben ihren Ensembles Ars Choralis Coeln, einer Frauen­schola, und Ala Aurea, dem Ensemble für mittel­al­ter­liche Musik, gemeinsam mit Bassem Hawar das Ensemble Sanstierce als Trio für modale Improvisation.

Sie selbst beschrieb sich als „Trobairitz“ – eine ewig suchende Erfin­derin neuer musika­li­scher Dimen­sionen. Die Trobai­ritzen waren das weibliche Gegen­stück zu den Trobadors im 11. bis 13. Jahrhundert.

Aufge­wachsen in Brühl, widmete Maria Jonas sich nach ihrem Studium der Oboe und ihren Jahren als Musik­schul­lei­terin in Venezuela dem Gesang. Als Opern­sän­gerin nahm sie unter anderem mit John Eliot Gardiner Mozarts Zauber­flöte auf und spezia­li­sierte sich dann auf die Musik des Mittel­alters mit Schwer­punkt Grego­rianik. Die Erfor­schung und Aufführung der Musik von Hildegard von Bingen verdankt ihr maßgeb­liche Impulse. Mit ihren Ensembles veröf­fent­lichte sie eine Reihe weithin beach­teter Alben, darunter viele Erstein­spie­lungen. Sie sang und unter­richtete europaweit und wurde zunehmend auch bei der Entwicklung von Veran­stal­tungs­kon­zepten zu Rate gezogen. In Köln übernahm sie 2008 die künst­le­rische Leitung der inter­kul­tu­rellen Begegnung „Klang­werk­statt“, und seit 2019 war sie Künst­le­rische Leiterin der Konzert­reihe Kloster­Klaenge in Klöstern und Kirchen in NRW.

Der plötz­liche Tod von Maria Jonas reißt eine große Lücke in die europäische Musikwelt. Ihr kreativer Geist wird fehlen, die Spuren ihrer einzig­ar­tigen und prägenden Persön­lichkeit als Künst­lerin werden bleiben.

Christina von Richthofen

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